Review

Feuer & (keine Spar-)Flamme

„Dragonslayer“ hat sich über die Jahrzehnte zu einem kleinen Geheimtipp des Fantasyfilms gemausert, der sich (vor allem außerhalb der Staaten) veröffentlichungstechnisch recht rar gemacht hat und gefühlt kaum legal für die heimische Sammlung zu bekommen war. Viele Leute, die ihn als Kind mal im Fernsehen erhaschen konnten und begeistert waren, gingen da leer aus. Auch in den Streamingkontingenten war er soweit ich weiß nie enthalten. Ich bin jetzt erst das erste Mal in meinem Leben mit ihm in Kontakt gekommen. Und ich mag ihn. Ohne jetzt lichterloh für ihn zu brennen oder Mondpreise für Heimkinoreleases bezahlen zu wollen. Aber ich mag ihn. Und - auch wenn man relativ lange nichts von ihm sieht und selbst danach noch wenig - ist der besagte (Stopmotion-)Drache definitiv sehenswert und einer der besten filmischen Drachen für mich überhaupt. Kein Vergleich zu heutigen CGI-Massakern (ich gucke auf dich, Smaug!). Makellos und komplett nahtlos unterhaltsam ist „Dragonslayer“ für mich aber sicher nicht. Erst recht nicht über breite 110 Minuten… Erzählt wird von einem jungen Magier, der sich gleichermaßen in ein schweres Erbe und einen feurigen Kampf gegen einen Drachen stürzt - nur echt mit holder Maid in Gefahr, die hier jedoch erstaunlich handfeste Hilfe liefert, die sich anfangs sogar als Mann ausgibt…

Ein junger Tom Cruise oder Val Kilmer wäre schon schön gewesen...

„Dragonslayer“ hätte ein paar echte Charaktere und Stars gebraucht, denn die Figuren und Gesichter wirken recht austauschbar und blass. Bis auf einen komödiantischen Sidekick, der für meinen Geschmack schon deutlich zu früh den Löffel abgibt. Ansonsten ist da nicht allzu viel Charisma und Tiefe gegeben. Da ging irgendwann das Budget aus, was nicht nur das Fehlen der Stars, sondern auch das etwas billige Greenscreen-/Matte Painting-Finale zeigt. Und die Abenteuergeschichte an sich gibt jetzt auch nicht allzu viele „Wows!“ und Wendungen her. Erstaunlich, dass „Dragonslayer“ trotzdem gut funktioniert. Weil die Sets dampfen, weil der Drache toll aussieht, weil man solche Fantasyschoten einfach mag und sie ausgestorben scheinen, weil alles haptisch und echt ist. Weil man das in Zeiten von gehetzter, seelenloser CGI nicht mehr kennt und daher einfach genießt. Man fühlt sich in die Kindheit zurückversetzt - selbst wenn man ihn nicht als Jungspund gesehen hat. Wenn er seine gewisse Magie und Faszination wirklich schon in jungen Jahren auf einen anwenden konnte, dann verstehe ich schon, warum hier bis heute Herzen höher schlagen. Frei von Fehlern und Längen und Unsinnigkeiten ist er aber sicher nicht. Muss er aber ja auch nicht. Er macht seinen Job und steht für eine Zeit, der man echt hinterhertrauert… 

Fazit: sympathische Drachenhatz mit (meistens) tollen praktischen Effektspielereien, haptischen Sets, einem famosen Drachen, guter Soundkulisse und kindlich-naivem Fantasyfeeling. Ich glaube, wenn man ihn mit rosaroter Brille sieht, dann ein Meilenstein. Aber auch so: ein kleines Schätzchen (mit Schwächen)! 

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