Man kennt sie ja, die gewieften Ermittler, heißen sie nun Sherlock Holmes, Sam Archer, Bulldog Drummond oder Ellery Queen, sie sind die behördlichen oder privaten Ermittler, die dafür sorgen, dass die Täter identifiziert, erwischt und eingetütet werden, zumeist ordnungsgemäß überführt durch eine lokale Ansammlung aller möglichen Verdächtigen mit der Entlarvung des nicht selten Unverdächtigsten.
Von diesen Ermittlern gibt es haufenweise und in den Zeiten, als Mysteryfilme in Hollywood noch wie geschnitten Brot liefen (also so von ca. 1930-1945, bevor der „film noir“ übernahm), konnte man sich mit so einem Frauentypen oder Exzentriker durchaus seine Meriten verdienen.
Was uns zu Thatcher Colt bringt, einem der unbekannteren Rätsellöser, seines Zeichens Commissioner bei der Polizei, aber eben sehr analytisch und aufgeweckt. Colt entsprang der Schreibmaschine Anthony Abbots, der eigentlich Fulton Oursler sr hieß und fleißig in Detektivmagazinen der 20er veröffentlichte. Da William Powell mit der Figur des Romandetektivs „Philo Vance“ große Erfolge für Paramount gefeiert hatte, wollte man es bei Columbia auch mal mit so einer Figur probieren und verfiel auf Ourslers „Thatcher Colt“.
Das Ergebnis erschien 1932 unter dem Titel „The Night Club Lady“ und für die Hauptrolle suchte man sich den bereits sehr erfolgreichen Adolphe Menjou heraus, der Erfinder des gleichnamigen Bärtchens, obwohl sein Zwirbelschnauzer hier noch einigermaßen unter Kontrolle war.
Soweit ich weiß, war Menjou so stramm konservativ, dass er bei Hollywoods Hexenjagd mit Wonne diverse Kollegen anschwärzte und auch sonst war wohl nicht immer leicht mit ihm zu arbeiten, aber hier macht er einen überraschend sympathische Figur.
„The Night Club Lady“ ist ein klassisches Murder Mystery und ein recht geschicktes noch dazu, denn Irving Cummings und sein Kameramann Ted Tetzlaff wissen genau, was sie tun, wenn sie Colt und die schöne Lola Carewe auf einer ausgelassenen Neujahrparty mit Hunderten wild durch den Raum schlingernden Luftballons platzieren, während ein Killer schriftlich droht, die Schöne bis Mitternacht zu meucheln. Colt bemerkt erst die Notlage und dann den Schuss unter den platzenden Ballons und eilt zur Hilfe, entsorgt Carewe aus dem Club in ihr sehr geräumiges Appartment und lässt dann eine Dutzendschaft Beamte anrücken, die sich überall in der Wohnung verteilen.
Ungewohnt modern dabei ist, dass sein zentraler Ansprechpartner dabei ausgerechnet die einzige Beamtin namens Kelly ist, dargestellt von Ruthelma Stevens in einer sehr frühen Rolle, während die Männer bisweilen irgendwo zwischen ungelenk und intellektbefreit wirken.
Als die Uhr auf zwölf rückt, lässt er sogar einen Wall aus Beamten um das Opfer Aufstellung nehmen, was Tetzlaff die Gelegenheit gibt, die Szenerie dramatisch zu umkreisen – und doch stirbt das Opfer zu gebotener Stunde.
Bei einer Laufzeit von gerade mal 66 Minuten ist dann schon fast die Hälfte der Laufzeit rum, aber es bleibt dennoch Zeit für ein erlesenes Kabinett von Verdächtigen, vom asiatischen Hausdiener über einen französischen Partner, einen deutschen Arzt, die trauernde Mutter usw.
Knuffig wird’s, wenn dann später die ganzen Verdächtigen interviewt sind und ihre Existenzen durch einige Überseetelefonate (die in den jeweiligen Landesprachen gezeigt werden) überprüft werden, ehe wieder alle für die Entlarvung zusammen kommen.
Wer schon immer mal den Archetypus so eines Mystery Movie sehen möchte, ist hier also ziemlich richtig.
Menjou ist trotz der eigentlich wenig kreativen Aufgabe hier hochmotiviert und analytisch, was auch das Beste ist, was er machen kann, da ihm sonst alle in die Tasche lügen. Das Opfer wird gespielt von der berühmt-berüchtigten Mayo Methot im besten Flapper-Gunmoll-Modus, die hier noch in voller Blüte stand und nicht danach aussieht, als würde sie sich in 20 Jahren zu Tode trinken (sie war u.a. mit Bogart verheiratet). Tatsächlich aber glänzen hier viele Nebenfiguren und vor allem Stevens, die das Maximum aus ihrer Rolle macht (leider hat sie nie den Durchbruch zu Hauptrollen geschafft).
Die Auflösung dürfte dann durchaus eine Überraschung sein, allerdings folgt sie dem Grundsatz des unwahrscheinlichsten Verdächtigen wieder mal sehr gut, allerdings hat es mich schon gefreut, 1932 einen Ermittler zu sehen, der sich einen gummierten Schutzanzug zulegt, damit ihm nicht dasselbe tödliche Schicksal widerfährt.
Größtenteils ein Set-Film kann ich nur empfehlen, da mal reinzuschauen, denn dieses Mystery hat vielen Genrebeiträgen der 30er so einiges voraus (vor allem wird auf allzu viel comic relief verzichtet). Und Menjou gab sich sogar für eine Fortsetzung (mit Stevens!) her, die ein Jahr später heraus kam und gar nicht unterschiedlicher hätte ausfallen können. (7/10)