Review

Nach seinem hervorragenden "Crash" hatte ich von Paul Haggis deutlich Besseres erwartet. Doch "In the Valley of Elah" war dann leider nur Durchschnitt in allen Belangen.
Das an sich durchaus interessante Thema wird hier für eine völlig gewöhnliche, konventionelle und überraschungsfreie Krimistory geopfert. Denn in den ersten 100 Minuten des Films hechelt Hank (Tommy Lee Jones; "Men in Black I+II") nur seinem toten Sohn Mike und dessen Ermordung hinterher, ist natürlich viel schlauer als die Polizei und nur die nicht gerade beliebte Polizistin Emily (Charlize Theron; "Monster", "North Country") hilft ihm bei den Recherchen. So macht er sich also die besagten 3/4 des Films auf den Weg und der Zuschauer erlebt erstmal ziemlich lange ziemlich wenig. Spektakulär wird's nie, was auch nicht sein müsste. Aber auf Grund des Nichtvorhandenseins irgendeiner mitreißenden Szene wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn es mal ein wenig Aufregung im Geschehen gäbe. Stattdessen nur Altbekanntes ohne Überraschungen - ein ganz spannender Moment ist das, wenn Emily die falsche Unterschrift entdeckt... innovativ.
Gegen Ideenarmut im Krimigenre ist ja nicht extrem viel einzuwenden, ein Stück schlimmer sind dagegen aber dann die Schlussminuten, wenn der Veteran und Patriot Hank, der beide Söhne, der erste starb vor zehn Jahren ebenfalls im Einsatz, gegen den Willen der holden Maid (leider nur viel zu kurz im Geschehen: Susan Saradon ("Thelma & Louise"), die mitten im Film dann ganz verschwindet) zum Militär schickte und sich deshalb langsam darüber Gedanken macht, ob das wirklich richtig war. Als er auch noch erfährt, wie die Tat letztlich geschah, fällt er komplett vom Glauben ab.

SPOILER
Denn alle jugendlichen Soldaten wurden vom Krieg verändert, stumpften ab, prügeln, foltern und töten sinnlos. Selbstverständlich alle. Der Mord geschah da nur durch einen dummen und banalen Streit. Als Hank das von den Mitsoldaten seines Sohns erfahren muss, ist für ihn alles vorbei. Er ist plötzlich gegen den Krieg und fährt zum Hausmeister der örtlichen Schule, der zu Beginn noch die amerikanische Flagge falsch herum aufhing (was natürlich gar nicht ging), und hängt sie nun selbst falsch auf und klebt sie noch mit Klebeband fest, damit das so schnell nicht mehr geändert werden kann. Das Schlussbild zeigt dann die umgedrehte Flagge im Wind, nachdem sie in den ersten 20 Minuten verdammt oft im Bild zu sehen war - logischerweise richtig herum. Jetzt signalisiert Hank damit aber, dass es so nicht weitergehen darf. Schließlich hat er in den wenigen Tagen viel gelernt.
SPOILER ENDE

Die Botschaft schlussendlich ist etwas platt, übertrieben aufgetragen, damit sie auch jeder versteht - sinnbildlich noch verstärkt durch die titelgebende Elah-Geschichte, die am Ende zur Sicherheit des endgültigen Verständnisses des Zuschauers ein zweites Mal durchgekaut wird-, so dass das Ganze ruhig etwas subtiler hätte sein dürfen.

Schauspielerisch ist das auch zwischen Gut und Böse: Tommy Lee Jones spielt ganz gut, aber nicht unbedingt oscarwürdig den hin- und hergerissenen Vater, der seine Ideale verliert und sich dabei auch schon mal gerne über das Gesetz hinwegsetzt. Charlize Theron, die ich immer sehr gerne sehe, wird genauso wie Sarandon verschenkt und muss dazu mit ihrem Talent auch noch eine große Klischeerolle ausfüllen, die sie unterfordert, aber immerhin routiniert runterkurbelt.
Jonathan Tucker als Mike wirkte schon in "Hostage" zu milchbubihaft, als dass man dessen Wandlung hier noch irgendwie nachvollziehen könnte; in weiteren Nebenrollen: James "New Goblin" Franco sitzt nur hinterm Schreibtisch, während Frances Fisher sich sehr freizügig hinter der Bar geben darf - mutiger und witziger Kurzauftritt.

Die Rückblenden aus dem Krieg, die Hank vom gefundenen Handy seines Sohns nach und nach bekommt, nachdem sie wieder hergestellt wurden, da das Handy im Irak einiges durchmachen musste, sind tatsächlich atmosphärisch auf Grund des völlig verzerrten, verrauschten Handybilds, das kaum noch funktioniert. Die Frage allerdings ist (im Gegensatz zu "Cloverfield" ist sie hier berechtigt), wer in den Situationen, in denen die jungen Soldaten sind, die Handycam zückt. So erfährt man wenigstens nicht nur aus Erzählungen, was genau im Irak passierte. Ein paar Pluspunkte gibt es dafür jedenfalls.

Insgesamt irgendwie nicht so schlecht, wie sich das jetzt anhören mag - Schauspieler und Thema zeigen, dass es auch besser hätte sein können. Von Haggis hätte man aber deutlich mehr erwartet als eine durchschnittliche, ziemlich zäh verlaufene Krimistory, die es mit dem Hintergrund des Irakkriegs und daraus resultierender Sozialkritik, die zu oberflächlich wirkt, aufgepeppt werden sollte, aber damit auch nichts rausreißen kann. Schönes Thema, durchschnittlich und leider fast schon verschwenderisch belanglos im Krimigewand umgesetzt - Hauptfokus hätte ein anderer sein müssen, nämlich die Psyche der Soldaten, nicht die von Hank und die ominöse und rückblickend uninteressante "Wer hat's warum getan?"-Frage. Typischer Fall von verschenktem Potential.

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