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Tommy Lee Jones spielt einen ehemaligen Berufssoldaten, dessen Sohn nach seiner Rückkehr aus dem Irak spurlos verschwindet. Als man schließlich die Leiche des Jungen findet, macht er sich zusammen mit einer Polizistin, gespielt von Charlize Theron, auf die Suche nach dem Täter, bis er schließlich herausfindet, was sein Sohn im Irak getan hat und, dass sein Mörder aus seinem eigenen Platoon kommen könnte.

Kaum ein Drehbuchautor und Regisseur war in den letzten Jahren so erfolgreich wie Paul Haggis, neben seinen Drehbüchern zu "Casino Royale", "Million Dollar Baby" , sowie für Clint Eastwoods Kriegsdramen "Flags of our Fathers" und "Letters from Iwo Jima" mit denen er die Ideen zu enorm erfolgreichen Filmen lieferte, gelang sein Projekt "L.A. Crash", bei dem er als Autor und als Regisseur fungierte und gewann den Oscar für den besten Film. Und auch sein neustes Werk "Im Tal von Elah" überzeugt sowohl durch Haggis` starke Regie, als auch durch ein hervorragendes Skript.

"Im Tal von Elah" beginnt zunächst einmal wie ein Krimi und bleibt auch ziemlich lang in den Handlungsbahnen einer durchschnittlichen CSI-Folge. Dabei ist die Charakterkonstruktion aber auf jeden Fall besser, als bei den meisten Produktionen mit ähnlichen Themen, so wird vor allem die Veränderung von Jones, der anfangs als Patriot dargestellt wird und allmählich den Glauben an sein Land zu verlieren scheint, hervorragend dargestellt. Haggis macht hier keinen Hehl aus seiner Kritik am amerikanischen Verhalten im Irak und sammelt damit weitere Pluspunkte, zumal der Film neben "Operation: Kingdom" und "Von Löwen und Lämmern" einer der ersten Filme ist, der sich mit der Thematik befasst. Und nach der Krimihandlung, bei der sich bereits andeutet, worauf es hinauslaufen könnte kommt es schließlich, das überraschende und verstörende Finale, in dem Haggis seine Kritik am Verhalten der amerikanischen Soldaten offen äußert und einige wichtige Denkansätze gibt. Die Mischung aus Krimi und Drama stimmt und so ist Haggis einmal mehr ein starkes Drehbuch gelungen.

An Haggis Inszenierung gibt es ebenfalls nicht sonderlich viel zu bemängeln. Vor allem in der ersten Hälfte ist der Film eher schlicht und subtil gehalten, kaum Musik, keine Action, ein langsames Tempo, einzig und allein die grandiose Besetzung ist es, die diese Leeräume füllen kann, womit wir auch schon bei der einzigen Schwachstelle des Films wären: Er läuft etwas zu langsam an. Doch dann steigt der Spannungsbogen schließlich kontinuierlich. Haggis beschleunigt sein Erzähltempo langsam aber sicher und bereitet den Zuschauer zunehmend auf das schockierende Ende zu und kreiert dabei zunehmend eine melancholische Atmosphäre, bleibt aber bis zum Schluss bei der stilarmen Inszenierung, die perfekt in den tristen Film passt. Das Ende serviert er erschreckend und verstörend, er beendet sein Werk schließlich sehr schnell und lässt den Zuschauer mit seinen Gedanken allein. Alles in allem also eine stilarme, aber konsequente und gute Inszenierung.

Darstellerisch lässt der Film keine Wünsche offen. Man könnte sich in der Rolle des ehemaligen Soldaten, dem schließlich Zweifel an seinem Land kommen kaum jemand anderen vorstellen, so gut passt Jones mit seiner typisch kauzigen Art und mit seinem, in diesem Film eher mimikarmen Spiel in die Rolle. Durchweg konzentriert und sympathisch hat sich Jones seine Oscar-Nominierung also redlich verdient, sein Spiel ist ruhig nach außen, aber brodelnd und mitreißend im Inneren. Charlize Theron darf mal wieder eine eher starke Frau spielen, die sich mit dem eigenwilligen Jones und ihren eigenen Kollegen herumschlagen muss und löst die Aufgabe einmal mehr perfekt und mit dem nötigen Ernst. Wenn man mal den restlichen Cast überfliegt, wird man einige bekannte Namen lesen und wirklich alle können sie voll und ganz überzeugen, ob Jason Patric, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker, oder Susan Sarandon, bis in Nebenrollen ist "Im Tal von Elah" klasse besetzt.

Fazit:
"Im Tal von Elah" beginnt wie ein Krimi, bis Paul Haggis schließlich immer mehr Kritik am Verhalten der Amerikaner im Irak zu äußern beginnt und mit seiner hervorragenden Auflösung des Films schließlich einige Denkansätze liefert. Dabei überzeugt der Film gleichermaßen durch seine vielschichtige Story, durch seine stilarme, aber mitreißende Inszenierung und durch den überragenden Cast. Einzig und allein der langatmige Anfang stört bei diesem Meisterwerk.

84%

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