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„You see, that’s all they think of me…“

So kommentierte die zusehends ob ihrer Darstellung als Sex-Symbol frustrierter werdende Marilyn Monroe die Werbe-Kampagne für „The Seven Year Itch“. Es war der Film, der ihre wohl berühmteste Filmszene beinhaltete: den wehenden Rock auf dem U-Bahn-Schacht. Die Szene, die das Ende ihrer Ehe mit Joe DiMaggio einläuten sollte und zugleich die Szene, mit der am stärksten für den umstrittenen Film geworben wurde. Es war aber auch der Film, der ihren endgültigen Durchbruch im Filmgeschäft darstellen sollte.

Der Lektor Richard Sherman (Tom Ewell) freut sich auf einen ruhigen Sommer im heißen New York: Seine Frau und sein Sohn sind für die Dauer der Sommerferien aufs Land gefahren und er kann dem Strohwitwer-Dasein frönen. Jedoch hat er seinen Plan ohne die neu zugezogene Blondine (Marilyn Monroe) gemacht. Aufgrund ihrer hinreißenden Art sieht sich Sherman der größten Versuchung seines Lebens gegenüber gestellt… Ein heißer Sommer voller Gewissensbisse und Verführung bahnt sich an…

Mit einer 20 Meter großen Monroe auf dem Time Square in New York wurde für Billy Wilders nächsten Streich nach „Sabrina“ geworben, und die Massen waren begeistert… Nur die Monroe und die Moralapostel der USA reihten sich nicht in die Begeisterung ein. Bereits die Vorbereitungen für „The Seven Year Itch“ stellten sich als überaus beschwerlich dar. George Axelrods Broadway-Stoff fand zwar bereits seit längerem Interesse bei den Hollywood-Studios, jedoch war die Reaktion des „Hayes Office“, einem von den Studios gegründeten Zensurgremium, so gefürchtet, dass sich erst in der Kooperation zwischen Billy Wilder, George Axelrod und den Fox-Studios ein Team fand, das sich die Bürde auflastete, den auf dem Broadway anrüchig gespielten und vom Publikum geliebten Stoff zu verfilmen. Und wie es nicht anders zu erwarten war, sah sich Wilder von Beginn an den strengen Auflagen des „Hayes Office“ gegenüber gestellt, in deren „Production Code“ strengstens reglementiert war:

„Ehebruch darf niemals zur Komödie oder zum Gelächter gemacht werden“

Sollte etwa tatsächlich das zentrale Thema vom „Verflixten 7. Jahr“ auf Betreiben des Zensurgremiums aus der Story gestrichen werden? Dies wäre einhergegangen mit dem direkten Untergang des eigentlichen Witzes, des eigentlichen Charmes der Geschichte. Nichtsdestotrotz mussten sich Axelrod und Wilder den Vorgaben des Gremiums beugen und so strichen sie rigoros alles, was direkt auf den Ehebruch des Protagonisten Richard Sherman hindeutete. Stattdessen spielten sie mit andeutendem Humor, von dem sie hofften, dass er die Zustimmung des „Hayes Office“ erlangt. Doch es sollte nicht lange dauern bis eine weitere Institution sich dazu berufen fühlte, die Produktion des Streifens zu überwachen: der „Katholische Verband für Anstand“ hatte fortan einen festen Platz auf dem Set zu „Das Verflixte 7. Jahr“ und beäugte sowohl Drehbuch als auch Dreh der Wilder-Komödie. Unter diesen erschwerten Bedingungen, die noch weiter dadurch erschwert wurden, dass sich Marilyn Monroe nur schwerlich am Set konzentrieren konnte und so etliche Szenen ein ums andere Mal wiederholt werden mussten, sah sich Billy Wilder einer der größten Herausforderungen seiner Regie-Karriere gegenüber gestellt: Er sollte einen Film erschaffen, der

1. den Auflagen der Sittenwächter Hollywoods Genüge leistete,
2. dennoch unterschwellig ein Plädoyer für die künstlerische Freiheit der Filmemacher darstellte, und
3. zu einem Publikumserfolg werden sollte.

Bei der Bewältigung dieser Aufgabe legte 20th Century Fox zwar den ersten Stein in Wilders Weg zur Fertigstellung des Filmes, aber es war auch der Stein, der am einfachsten zu überwinden war: Wilder wollte ursprünglich den zu jener Zeit gänzlich unbekannten Walter Matthau für die Rolle des Strohwitwers casten, jedoch wollte das Studio keinen Neuling für diesen Film, sondern einen gestandenen, dem Publikum bereits bekannten Schauspieler. Dass dabei Hollywood-Schönlinge wie Cary Grant keine Beachtung finden sollten, stand für die Filmemacher bereits früh fest, da hier auch ein Männertraum auf die Leinwand gebracht werden sollte: Der Traum davon, dass selbst das „hässlichste Entlein“ Erfolg bei Traumfrauen wie Marilyn Monroe haben können. So einigte man sich letztlich auch auf Tom Ewell für die Rolle des Richard Sherman, der diese Rolle bereits am Broadway hervorragend interpretierte. Und auch in Wilders Verfilmung agiert der Theater-Schauspieler überragend: seine Monologe, die zeitweilig wie eine an den Zuschauer gewandte Rede wirken, sind wirklich wunderbar anzuhören und verdeutlichen die innere Zerrissenheit des Ehemannes fundamental.

Dass der Film für heutige Maßstäbe ziemlich unschuldig erscheint, liegt zum einen an den Sehgewohnheiten des heutigen Publikums, aber auch an den Zensuren, die Axelrod und Wilder am Drehbuch vornehmen mussten. Trotz dieser Zensuren sorgte „The Seven Year Itch“ Mitte der 50er Jahre für Furore, was nicht zuletzt an der erotischen Brisanz liegt, für die die atemberaubend schöne Marilyn Monroe sorgte. In jedem Moment, in dem die Monroe die Leinwand für sich beansprucht, rücken sämtliche Darsteller in den Hintergrund, sie zieht den Zuschauer mit ihrer schlafwandlerisch sicheren Leichtigkeit vollkommen in ihren Bann. Ursprünglich sollte der Focus des Filmes auf dem innerlich zerrissenen Sherman liegen, doch das, was das Drehbuch vorgab, wird durch die weibliche Hauptrolle vollkommen über den Haufen geworfen. Wir sehen hier eine Monroe, die stärker agiert als jemals zuvor. Wo sie in „Gentlemen prefer Blondes“ das naive Blondchen mimte, setzt sie hier wieder an, verleiht ihrer Rolle aber in gewisser Hinsicht einiges mehr an Charme, ohne aus den Bahnen des blonden Dummchens heraustreten zu wollen. Schaut man sich heute „Das Verflixte 7. Jahr“ an, so erkennt man recht schnell, was die Faszination ausmachte, die zur damaligen Zeit von dieser Frau ausging.

Die Story an sich bietet auch in der der Zensur zum Opfer gefallenen Version genügend komische Momente, die auch heutzutage für einige Schmunzler und Schenkelklopfer sorgen können. Da wirkt es auch nicht mehr sonderlich schlimm, dass den Filmemachern bei der Schaffung dieses Films die Hände stark gebunden waren; denn in der Nachbetrachtung dieser Komödie bleibt festzustellen, dass Billy Wilder es dann doch letztlich gelungen ist, das Fundament dafür zu legen, dass die künstlerische Freiheit sich im Laufe der Jahre gegen zensurwütige Moralapostel (zu einem großen Teil) durchgesetzt hat.

„Das Verflixte 7. Jahr“ ist demzufolge nicht nur ein überaus amüsanter Vertreter des Comedy-Genres, sondern auch ein wichtiger filmischer Beitrag für seine Zeit. Dieser Film ist ein Klassiker, der als ein Denkmal für das Sexsymbol der 50er Jahre – für Marilyn Monroe – angesehen werden muss, stellt sie doch hier unter Beweis, dass sie nicht nur gut aussehen, sondern auch durch ein erfrischend leichtes Spiel als Schauspielerin überzeugen kann. Sehenswert von der ersten bis zur letzten Minute ist und bleibt „The Seven Year Itch“ ein hervorragender Film. 9 von 10 Punkten für die charmante Komödie rund um den Ehebruch, der ja eigentlich nicht „zum Gelächter gemacht“ werden durfte…

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