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"Mach ich dir Angst? Ist es meine Narbe?" ... "Es ist dein Auto."

Eigentlich möchten sich die drei Freundinnen Julia (Sydney Tamiia Poitier), Arlene (Vanessa Ferlito) und Shanna (Jordan Ladd) ein spaßiges Frauen-Wochenende gönnen und ein wenig die Stadt unsicher machen. Allerdings rechnen sie nicht mit Stuntman Mike (Kurt Russell), der ihnen schon eine Weile auflauert. Mit seinem Stuntfahrzeug nimmt er die drei Girls aufs Korn und lässt sie tödlich verunglücken.
Da sich die Tat nicht als vorsätzlich beweisen lässt, sucht sich Mike 14 Monate später eine weitere Gruppierung von extrovertierten Frauen. Allerdings rechnet er nicht damit, dass Kim (Tracie Toms), Zoe (Zoe Bell), Abernathy (Rosario Dawson) und Lee (Mary Elizabeth Winstead) widerstandsfähiger sind als seine sonstigen Opfer.

Mit "Death Proof" huldigt der Ausnahmeregisseur und Filmliebhaber Quentin Tarantino ("Pulp Fiction") die 70er Jahre Grindhouse-Kinos, die sich auf gewagte Exploitation-Low-Budget-Produktionen spezialisiert hatten. Robert Rodriguez' liefert zu dem geplanten Double Feature den actionreichen "Planet Terror“ hinzu, der in dem als "Grindhouse" bezeichneten Gesamtfilm noch vor "Death Proof" läuft.
Außerhalb Amerika sieht das Konzept allerdings ein wenig anders aus. Aufgrund unerwartet niedriger Zuschauerzahlen wurde das Double Feature auf zwei Einzelfime aufgeteilt, in der Hoffnung ein breiteres Publikum zu erreichen. Durch diese Aktion lief Tarantinos Beitrag noch vor Rodriguez' in den deutschen Kinos an.

Auch unabhängig des eigentlich als Double Feature konzipierten Filmereignis funktioniert "Death Proof", wobei die Parallelen zu "Planet Terror“ dadurch erst im Nachgang ersichtlich werden.
Irgendwo zwischen Roadmovie, Thriller, Action und Komödie mit reichlich Exploitation-Elementen spielt "Death Proof“ frech nach ganz eigenen Regeln. Eine erkennbare Spannungskurve gibt es nicht und auch die eigentliche Handlung ist recht nebensächlich geraten. Tarantinos Hang zur episodenhaften Erzählweise kommt aber auch hier zum Einsatz, diesmal jedoch ohne Aufteilung in einzelne Kapitel und in zeitlich richtiger Reihenfolge.

Nur zwei Episoden sind es um genau zu sein, die sich die Laufzeit teilen. Beide ähneln sich in der Aufteilung von Charaktervorstellung, Figurenzeichnung und finaler Konfrontation mit Stuntman Mike. Allerdings ist die zweite Hälfte wesentlich tempo- und ereignisreicher ausgefallen.
Nicht so die Figurenzeichnung, denn diese ist in beiden Episoden außergewöhnlich langwierig, geradezu ermüdend. Lange Zeit passiert während dieser Phase kaum etwas. So sitzen die jeweiligen Girls nur an den Tischen einer Bar oder eines Cafès und unterhalten sich über alltägliche Dinge. Zugeben muss man allerdings, dass gerade diese Gespräche einen unterhaltsamen Rahmen bilden, da diese herrlich geschliffen und mit ordentlich brisanten Themen sowie der passenden Aussprache präsentiert werden. Weitere Höhepunkte bilden diverse Gaststars, wie Eli Roth ("Hostel") oder Tarantino selbst sowie ein hervorragend inszenierter Lap Dance.

Herzstück von "Death Proof" sind die Auto-Stunts jeweils zum Ende einer Episode. Während das Finale der ersten Episode lediglich kurz ausfällt und den Crash sowie das Schicksal jeder Person einzeln dokumentiert, bietet die abschließende Autojagd eine Fülle von spektakulären Stunts. Beeindruckend ist dabei, dass die Action-Highlights völligst ohne Special-Effects auskommen. So wie zu den Zeiten als es noch keine computerunterstützenden Möglichkeiten gab, rammen sich ein realer Dodge Challenger und ein Dodge Charger, Blech verbiegt sich, Scheibensplitter fallen auf die Straße. Besonders Genre-Fans der 70er Jahre werden diese Aufwände zu schätzen wissen.
Gleiches gilt für die Stilistik des Films. Um dem Grindhouse-Kino der 70er gerecht zu werden, hat Tarantino "Death Proof“ künstlich altern lassen. Bild- und Tonaussetzer, Kratzer im Filmmaterial, Bildsprünge sowie ein längeres Schwarz- / Weiß-Bild projizieren über 30 Jahre später ein Gefühl des Bahnhofskinos auf die Leinwand, das vergleichsweise allerdings wesentlich professioneller wirkt, als es damals tatsächlich der Fall war.

In der Wahl der Darsteller fällt "Death Proof" eher in die Variante zweckmäßig. Die Girls bieten eher etwas fürs Auge, wobei für jeden Geschmack etwas dabei ist. Neben weniger bekannten Darstellerinnen finden sich Rosario Dawson ("Sin City"), Mary Elizabeth Winstead ("Stirb langsam 4.0") sowie Zoe Bell, die Stuntfrau von Uma Thurmans während der Dreharbeiten zu "Kill Bill". Für Kurt Russell ("Breakdown") scheint die Rolle des tückischen Einzelgängers wie geschaffen, denn dieser präsentiert sich so kernig und edel wie zuletzt zu "Die Klapperschlange".

"Death Proof" ist sicherlich nicht Tarantinos bestes Werk, mangelt es doch an kultigen Elementen die andere Filme von ihm ausmachen. Neben der ermüdenden Einführungsphase der Figuren gibt es aber sonst kaum Grund zur Kritik. Unterhalten kann der Genre-Mix durch seine durchdachten Dialoge und insbesondere den waghalsigen Stunts, die es in solch einer Form kaum mehr im Kino zu sehen gibt. Knappe...

8 / 10

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