Review

Zwei entspannte Profis


Polit-Thriller-Veteran John Frankenheimer und Glamour-Cop-Ikone Don Johnson sind nur auf den ersten Blick eine schräge Paarung. Der Macher diverser Paranoia-Klassiker setzte spätestens mit Beginn der 1980er Jahre verstärkt auf Action und Exploitation-Elemente (u.a. THE CHALLENGE, 52 PICK-UP) womit auch die nach wie vor verhandelte Gesellschaftskritik eine Neujustierung erfuhr. Sie war nicht mehr Handlungsmotor und Kernbotschaft, sondern diente nun vor allem dem situativen Rahmen und der Figurenzeichnung.

Michael Mann verfolgte mit dem TV-Straßenfeger MIAMI VICE (1984-1989) einen ganz ähnlichen Ansatz. Der sukzessive Aufstieg Miamis zur amerikanischen Drogen- und Verbrechensmetropole ist zwar allgegenwärtig, definiert aber letztlich vor allem Arbeitsalltag und Innenleben der Undercovercops Crocket und Tubbs. Nicht zu vergessen den Schauwertfaktor in Sachen Locations und Action.

Die Frankenheimer-Johnson-Kollaboration DEAD BANG funktioniert daher auch prächtig, zumal der zuweilen dreckige Cop-Thriller nie den Primat der Unterhaltung aus den Augen verliert. Johnsons Figur ist hier zwar deutlich weniger schillernd wie sein ikonisches Vice-Alter Ego Sonny Crocket, weist aber charakterlich erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Aufbrausend, hartnäckig, fokussiert und unbestechlich ist auch LA-Sheriff Jerry Beck. Bei so viel Verbissenheit ist das Privatleben natürlich längst den Bach runter, was Alkoholsucht und Wertigkeit des Jobs erst recht erhöht. Da kann es schon mal sein, dass man einen Bewährungshelfer am Weihnachtstag seiner familiären Verpflichtungen beraubt und wenig später einem flüchtigen Gangster nach schweißtreibender Verfolgungsjagd auf die Klamotten kotzt. Hier ermittelt einer ohne Rücksicht auf Verluste, seien es die eigenen, oder die anderer. Immerhin gilt es einen Copkiller zu stellen.

Im Zuge eines Tankstellen-Überfalls wird nämlich nicht nur der Ladenbesitzer, sondern auch ein Streifenpolizist ermordet, der den Killer ein paar Straßen weiter zu verhaften versucht. Als Beck tiefer gräbt, stößt er auf eine bestens organisierte Neonazi-Gruppe, die es sich im ländlichen Arizona und Oklahoma so richtig gemütlich gemacht hat, auch weil die ortsansässige Bevölkerung ihnen mindestens gesinnungsneutral gegenüber steht. Mangels greifbarer Ergebnisse und seiner rüden Methoden droht Beck die Suspendierung, also fährt er volles Risiko und sticht in das braune Wespennest.

Der Plot ist an sich nichts besonders, sondern das, was Regisseur und Hauptdarsteller daraus machen. Frankenheimer inszeniert betont lakonisch, was sehr gut zum Ton des Films und seinem ruppigen Protagonisten passt. Seine Bilder sind weder Hochglanz noch arrangierte Schäbigkeit, sondern wirken schlicht real. Dabei hat er ein beindruckendes Gespür für kleine Details, die nie so beiläufig sind, dass man sie übersehen könnte, aber auch nie so aufdringlich, dass man genervt abwinkt. Ob auf der Ranch eines Aryan Nations-Oberhaupts, im Büro eines offenkundig rassistischen Dorfpolizisten, oder den wenig glamourösen Außenbezirken LAs, stets hat Frankenheimer das Auge für spezifische Gebäude, Hintergründe, Objekte und Dekors, die Wesen und Denken seiner Figuren zusätzlich Kontur geben.

Obwohl Frankenheimer definitiv Action - vor allem in Verbindung mit Autoverfolgungen - kann und mit Don Johnson auch den passenden Hauptdarsteller an Bord hat, liegt der Fokus in DEAD BANG mehr auf Becks Ermittlungsarbeit und seinen unorthodoxen Methoden. Wenn es aber dennoch mal zum Schlagabtausch kommt, dann mit der tonal vorgegebenen Härte und Kaltschnäuzigkeit. Neben Johnson, der wie bestellt liefert, erwartet man das auch von William Forsyth, der hier als FBI-Agent Kessler zur Abwechslung mal auf der richtigen Seite des Gesetzes steht. Dass diese Erwartungen ins Leere laufen, bietet nicht nur Forsyth eine willkommene Abwechslung von seinen üblichen Rollenklischees, sondern auch dem Publikum eine weitere interessante Figur, die bis zum Ende undurchsichtig bleibt.

Im Kino sieht man solch unaufgeregte Stilübungen außerhalb der Arthause-Glocke praktisch gar nicht mehr. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, hier wird kein neuer Genre-Klassiker versucht, hier wird einfach schlicht ehrliche und kompetente Unterhaltung geboten. Diese Wertschätzung kam allerdings erst mit der Zeit. Anno 1989 schien DAED BANG nur ein weiterer Cop-Thriller von der Stange.
John Frankenheimer konnte damit jedenfalls nicht an alte Erfolge anknüpfen, oder gar seine Karriere neu entfachen, und Don Johnson konnte sich damit nicht entscheidend von seinem TV-Star-Image lösen. Vor allem letzteres ist schade, denn der Mann konnte und kann definitiv mehr, als in Designeranzügen durch Miami rasen. Wobei er darin noch immer seinen Meister sucht. Sei's drum, in DEAD BANG ist er jedenfalls deutlich mehr als bloß ein attraktives Gesicht mit Knarre  (was übrigens  genauso für Miami Vice gilt) und passt wie angegossen in John Frankenheimers lässigen Neo-Noir-Thriller. Kompetente Teamarbeit mit Unterhaltungsgarantie. Klingt nicht aufregend, ist es aber.

Details
Ähnliche Filme