Mel Gibson spielt einen Witwer, der zusammen mit seinen sieben Kindern auf einer Farm lebt, nachdem er einen blutigen Feldzug gegen die Indianer und die Franzosen bestritten hatte. Als 1776 der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbricht, sein ältester Sohn, gespielt von Heath Ledger zum Militär geht und ein englischer Colonel einen seiner Söhne erschießt, zieht der Veteran gezwungenermaßen erneut in den Krieg und wird dort zum Anführer einer Miliz.
Auch wenn "Der Patriot" kaum historische Fakten liefert, die man nicht bereits aus anderen Filmen, Dokumentationen oder dem Schulunterricht kennt und auch die Personen nur wage auf ihren geschichtlichen Vorbildern basieren, ist er ein hervorragender Historienfilm, der über die volle Laufzeit Spannung und Dramatik vom Feinsten liefert.
Die Story konzentriert sich dabei nicht nur auf die historischen Begebenheiten, die sowieso eher an zweiter Stelle stehen, sondern auf die Hauptfigur, die eigentlich gar nicht in den Krieg ziehen will, dann aber mehr oder weniger gezwungen wird und sich im Endeffekt als einer der Anführer der amerikanischen Streitkräfte entpuppt. Der Vater-Sohn-Konflikt ist zwar relativ flach, dafür aber sehr dramatisch und genauso ist die restliche Handlung auch. Tiefe oder historische Authentizität sind zweitrangig, im Wesentlichen dient die Handlung zum Aufbau von Dramatik und das gelingt hervorragend, so werden Nebenfiguren und Nebenhandlungen um Gibson und seinen Sohn viel Zeit im Film eingestanden. Vorhersehbar ist der Film dabei zu keinem Zeitpunkt und so erfüllt die Story auf jeden Fall ihren Zweck, zumal sie die Schrecken dieses Krieges über weite Strecken unbeschönigt darstellt, entscheidend ist aber im Endeffekt sowieso das, was Emmerich daraus macht.
Und der leistet perfekte Arbeit. Die Schlachtszenen sind sehr opulent, mit hohem Aufwand gedreht und mit Übersicht hervorragend inszeniert. Dabei gibt es einige blutige und brutale Einstellungen, eine pompöse Ausstattung und einige starke Effekte zu bewundern, Emmerich zeichnet dabei in einem gut gelungenen Wechsel, heroisch-patriotische und abschreckend-melancholische Schlachten-Gemälde des Unabhängigkeitskrieges und zeigt damit nach "Independence Day" und "Godzilla" erneut, dass er neben Michael Bay und Toni Scott zu einem der besten Action-Regisseure der 90er gehört.
Manche mögen sich am übertriebenen Patriotismus, den der deutsche Emmerich ja schon in "Independence Day" gezeigt hatte, stören, andererseits stachelt er den Zuschauer aber auch immer weiter an und lässt den Film als Unterhaltungskino noch besser funktionieren, auch wenn die Engländer vielleicht zu sehr als brutale Ausbeuter dargestellt werden und die Amerikaner übertrieben idealistisch und sympathisch. Emmerich lässt sich außerhalb der Kriegsszenarien viel Zeit, um Dramatik aufzubauen und das gelingt ihm hervorragend. Dramatik und Emotion wirken dabei, auch aufgrund der guten Darsteller, zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt oder künstlich und so gewinnt der Film, wenn man sich als Zuschauer denn nicht an den genannten Punkten stört, immer weiter an Fahrt, bis hin zum, zugegebenermaßen etwas übertrieben patriotischen Finale, dass ebenfalls kaum spannender sein könnte. Emmerich gelingt einmal mehr perfektes Unterhaltungskino und das sollte ihm anschließend mit "The Day after Tomorrow" erneut gelingen, bis auch Emmerich mit "10.000 B.C." einen wirklich schlechten Film ablieferte.
Auch außerhalb der Schlacht-Szenen gibt es an "Der Patriot" handwerklich überhaupt nichts zu bemängeln. Die Kulissen sind abwechslungsreich und auf jeden Fall sehenswert, genauso wie die Ausstattung. Hinzu kommt noch der hervorragende Score von John Williams, der die Schlachtszenen hervorragend unterlegt, aber auch in den dramatischen Szenen rundum sehr passend die emotionale, mitreißende Atmosphäre unterstützt.Nachdem er in "Braveheart" bereits einen furchtlosen Helden spielen durfte und in "Lethal Weapon 1-4", sowie "Mad Max 1-3" ähnliche Rollen spielte, war Mel Gibson geradezu prädestiniert für die Hauptrolle des Patrioten, so nahmen die Filmmacher eine Gage von 25 Millionen Dollar für Gibson in Kauf. Und die ist er sicherlich auch wert. Mit seiner üblichen sympathischen Art zieht er den Zuschauer schnell auf seine Seite, zumal sein Kontrahent Jason Isaacs ein perfektes Feindbild abliefert und kann sowohl in den emotionalen Momenten mit einfühlsamen Spiel, als auch in den martialischen Schlacht-Sequenzen voll und ganz überzeugen. Bei Heath Ledger, der den idealistischen Amerikaner ebenfalls sehr sympathisch mimt, sieht es ähnlich aus und auch die restlichen Darsteller tragen zum Gelingen des Films bei, so ist Chris Cooper als amerikanischer Soldat gewohnt stark und Tom Wilkinson als britischer Gen. Lord perfekt besetzt.
Fazit:
Wer sich ein vielschichtiges Kriegsdrama, bzw. einen interessanten Geschichtsfilm erhofft, der sollte einen weiten Bogen um Roland Emmerichs Historien-Epos machen. Mit den opulenten Schlacht-Sequenzen, der dramatischen Handlung, der mitreißenden Inszenierung und dem hervorragenden Cast ist der Film aber ohne Frage nahezu perfektes Unterhaltungskino und das macht auch der übertriebene Patriotismus nicht zunichte.
90%