Review

Zugegeben, von einem Film von Roland Emmerich, noch dazu mit dem erschreckenden Namen "Der Patriot" hatte ich nicht besonders viel, eigentlich überhaupt nichts erwartet. Trotzdem sah ich ihn mir in einer Stunde der Muße mal an, in der Hoffnung, dass meine bösen Vorahnungen vielleicht doch enttäuscht werden.
Nun ja, was soll ich sagen, die Antwort darauf, ob "Der Patriot" ein guter oder ein eher schlechterer Film ist, ist gar nicht so einfach.
Es beginnt schon mit der Handlung, die nun mal ganz auf Amerika zugeschnitten ist. Auf der einen Seite sind die Engländer, auf der anderen die Amerikaner, die um ihre Freiheit kämpfen. Dazwischen steht Benjamin Martin (Mel Gibson), ein friedliebender Mensch der Krieg egal was es kostet verhindern will. Ja, alles ganz schön und gut, da kann sich der Zuschauer doch gleich mal mit Mel identifizieren, denn wer will schon Krieg? Jetzt braucht der Regisseur aber nun mal eine Rechtfertigung, warum er unseren Hauptheld trotzdem in die Schlacht schicken soll. Diese ist schnell gefunden: Er lässt von den bösen, unmenschlichen Engländern sein Haus abbrennen und tötet im Verlauf der Handlung den Großteil der Menschen, die Benjamin Martin liebt. So, nun haben wir also unseren Grund, und freuen uns über jeden toten Engländer, die Mel teilweise ziemlich bestialisch niedermetzelt. Uns wird von Emmerich also von Anfang an das schön einfache schwarz/weiß Denken vermittelt, das aber auf so eine plumpe und unverhohlene Art, dass man aus Protest über diesen Unsinn eigentlich vorher das Kino verlassen müsste. Aber das hat bei "Der Soldat James Ryan" auch keiner gemacht, daher schauen wir weiter.
Um Benjamins Wut noch besser darzustellen, wendete Emmerich einen uralten und genauso schleimigen Hollywood-Trick an: Die Familie, die er vorher hat, und die ihm zum großen Teil genommen wird, ist perfekt! Die Kinder scheinen aus dem Modekatalog zu kommen, er liebt sie natürlich von ganzen Herzen und würde ihnen nie etwas zu leide tun, er liebt seine Sklave, die ja "freiwillig" bei ihm arbeiten, er hat ein wunderbares Haus in einer noch wundervolleren Landschaft, um es kurz zu machen: Benjamins Leben ist so perfekt, dass es schon wehtut. Kein Lüftchen trübt dieses Bild, bis eben die "Bösen" kommen und alles kaputtmachen müssen!
Jetzt, wo der Zuschauer also richtig eingestimmt ist, geht es los: Mel Gibson wird zum Held des Krieges und kämpft um die Freiheit Amerikas! Dabei behält er immer seine Ehre, Ungerechtigkeit ist im ein Fremdwort. Nur ein einziges Mal sieht man, wie er und seine Männer Kapitulierende über den Haufen schießen, doch sein Sohn läutert ihn sofort und dadurch kommt sowas nie wieder vor (außer bei den Engländern, bei denen es Gang und Gebe ist, Zivilisten reihenweise zu erschießen).
Trotz allem kann man mit der Geschichte noch auskommen, da hat man schließlich schon ganz andere Sachen ertragen müssen. So richtig ärgerlich wird es erst gegen Ende des Films, denn hier trieft das Ganze nur so vor patriotischen Gesülze. Da kehrt Mel Gibson, diesmal von der Amerika Flagge geläutert, um und reitet mit erhobener Fahne in die Reihen des Feindes, später benutzt er sie sogar als Waffe gegen den Oberbösewicht. Na, wenn das nichts heißt! Alles, was sich der Film in den ersten zwei Stunden aufgebaut hat, wurde für mich in dem letzten Kampf zerstört. Er ist einfach nur noch unrealistisch, unglaubwürdig und verdammt blödsinnig. Noch dämlicher wird es, wenn gezeigt wird, wie respektvoll und gleichberechtigt die Truppe von Benjamin (stellvertretend für alle "echten" Amerikaner) die Schwarzen behandelt! Selten so gelacht! Frag mich, wieso es überhaupt noch Rassismus in Amerika gibt, wo das Problem doch damals schon innerhalb weniger Jahre durch den Krieg beseitigt wurde...
Die Schauspieler spielen ganz gut, der Film lebt sogar mehr oder weniger von Mel Gibson, der hier wieder mal den "Braveheart" spielt (kann er ja inzwischen). Heath Ledger gibt eine relativ überzeugende Leistung als sein Sohn ab, auch wenn er mir viel zu patriotisch und schleimig ist. Am Ende suggeriert einen der Film ja quasi, dass er mit seiner Meinung recht hatte, das man sich gleich von Anfang hätte freiwillig melden müssen, um für die Ehre des Vaterlandes zu kämpfen! Na, wenn das die Amis mal nicht zu ernst nehmen....
Die Musik ist von John Williams und das hört man von der ersten bis zur letzten Minute. Nichts gegen Williams, aber was er hier abliefert ist erbärmlich und eine bloße Wiederholung des "Der Soldat James Ryan" Scores (und unzähliger Soundtracks davor). Alles klingt schön schwülstig, übertrieben, patriotisch und eben amerikanisch.
So, was kann diesen Film also noch retten? Richtig, die Actionszenen! Die sind nämlich einwandfrei gefilmt und teilweise von epischen Ausmaßen. Hier sieht man wieder mal, wo Emmerichs wahre und einzige Stärke liegt: in der Darstellung von schnellen Kämpfen. Diese machen wirklich "Spaß", sind relativ blutig (aber um Gottes Willen nicht zu blutig! So schlimm ist er Krieg ja auch wieder nicht......;)) und sehr gut choreographiert. Auch die superben Kulissen, die schöne Ausstattung und der Sound verdient ein besonderes Lob: Die Waffen klingen dem Alter entsprechend un selten hört man so einen guten Raumklang. Hier fühlt man sich wirklich, als währe man live dabei!
Insgesamt kann ich also sagen, dass der Patriot mich durchaus gut unterhalten hat, aber die Wut doch immer mehr die Überhand gewann, da das ganze eher wie ein Werbefilm für Amerikaner wirkte, damit diese sich freiwillig bei der Armee melden um ihr ach-so-freies Vaterland vor möglichen Bedrohungen zu schützen und stolz zu sein, wenn sie bei diesem Kampf sterben, als wie ein historischer Kriegsfilm.
5/10

Details
Ähnliche Filme