Mit „Der Patriot“ hat der Hollywooddeutsche Roland Emmerich seinen bisher wohl besten Film geschaffen.
South Carolina im Jahre 1776: Benjamin Martin (Mel Gibson) war im Kampf gegen die Indianer und Franzosen ein bejubelter Kriegsheld, doch inzwischen ist er des Tötens müde und lebt lieber als verwitweter Vater mit seinen zahlreichen Kindern auf seiner Farm. Er ist zwar für die Unabhängigkeit Amerikas, will sich aber nicht an einem Krieg gegen die Engländer beteiligen. Mel Gibson stellt den Helden auf seine ganz eigene Weise dar, so dass man ihm sowohl den liebenden Familienvater als auch den kaltblütigen Krieger abkauft.
Benjamin ist enttäuscht als sich sein ältester Sohn Gabriel (Heath Ledger) sich zur Armee meldet und lässt ihn schweren Herzens ziehen. Zwei Jahre später erzielt die Armee der Engländer im größere Siege und die Amerikaner müssen sich zurückziehen. So kreuzt auch Gabriel mit einem Haufen verwundeter Kameraden auf, denen Benjamin genauso Unterschlupf gewährt wie verwundeten Briten. Newcomer Heath Ledger ist auch hier wieder große Klasse und scheint seit diesem Film der Historie verfallen zu sein, denn seine nächsten Werke waren „Ritter aus Leidenschaft“ und „Die vier Federn“.
Doch dann kreuzt ein Kontingent der britischen Armee auf. Die Soldaten sind Martin dankbar für die Versorgung der Männer ihrer Majestät, doch ihr Befehlshaber, der grausame Colonel William Tavington (Jason Isaacs), behandelt Benjamin wie einen Verbrecher: Er nimmt Gabriel als Spion gefangen, ermordet die verwundeten Amerikaner und lässt Benjamins Anwesen niederbrennen. Zu allem Überfluss erschießt er noch Benjamins zweitältesten Sohn. Da erwacht der alte Kampfgeist in Benjamin und er wird zum Racheengel: Zuerst befreit er seinen Sohn, dann schließt er sich der Armee an und zieht mit Guerilla-Taktiken gegen die Briten ins Feld...
„Der Patriot“ ist ein gewaltiges und kraftvolles Epos, auch wenn der Film nicht ganz an „Gladiator“ heranreicht. Die Story ist episch, recht spannend und meistens packend, wobei auch hier das Kino ein Feeling erreicht, was man zu Hause noch nicht mal via DVD einfangen kann. Große Überraschungen bleiben allerdings aus und auch die Historie wird nur als Vorlage benutzt, auch wenn es Benjamin Martin wirklich gab. Zwischen dem Kriegsgeschehen wird auch immer wieder Benjamins familiäre Seite gezeigt, was dann dafür sorgt, dass „Der Patriot“ nicht zu reinen Metzelfilm wird.
Ein großes Lob geht an Mel Gibson, der es schafft den Familienmann und den Racheengel glaubwürdig in einer Person zu vereinen und Benjamin auch negative Seiten zugesteht (z.B. wenn er grausam unter den Briten wütet und dabei kaum besser als der Fiesling ist). Auch die Briten werden nicht als nur böse dargestellt; lediglich Jason Isaacs ist dermaßen mies, dass er besser in einen Action- denn in einen Historienfilm gepasst hätte. Trotz des Titels ist der Patriotismus nicht allzu arg, nur ein, zwei flammende Reden und das Motivieren mit der amerikanischen Flagge sind an der Schmerzgrenze. Schön ist die Tatsache, dass „Der Patriot“ mitunter auch gefühlvoll wird (z.B. die erstklassige Szenen, in denen Gibson die Zinnsoldaten seines toten Sohnes zu Geschossen verarbeitet) und sich oft eine wohlige Gänsehaut bei besonders epischen Szenen einstellt (z.B. immer sich Tavington und Benjamin begegnen).
Natürlich dürfen auch Schlachtszenen nicht fehlen, die ziemlich gut inszeniert worden sind. Zum Glück vermeidet Emmerich allzu viele Szenen zu zeigen, in denen die Fronten nur aufeinander schießen und setzt mehr auf Nahkämpfe und Benjamins Guerilla-Taktiken, was sich dann als gute Wahl erweist. Zwar sind die Kampfszenen nicht so furios und packend wie die von „Gladiator“, aber immer noch wunderbar choreographiert und actionreich. Mein persönlicher Fave ist die Befreiung Gabriels.
Mel Gibson ist wie schon vorher ausgeführt großartig und glaubwürdig, wenn er alle Seiten der Figur darstellt. Jason Isaacs kann als Fiesling ebenfalls überzeugen, auch wenn er eher an einen Actionbösewicht á la Alan Rickman erinnert. Heath Ledger bietet eine tolle Performance, die zeigt, warum er einen der begehrtesten Jungstars Hollywoods ist. Die Nebendarsteller wie Tcheky Karyo und Chris Cooper sind gut aufgelegt und erbringen ebenfalls gute Leistungen.
So bleibt er ein großes Epos, wenn auch mit ein paar Storyschwächen, die „Der Patriot“ gegen „Herr der Ringe“ und „Gladiator“ den kürzeren ziehen lassen.