Mel Gibson durfte sich 1995 als schottischer Freiheitskämpfer William Wallace verewigen und konnte 5 Jahre später unter der Regie von Roland Emmerich in "Der Patriot" erneut als Held und Rebell auftrumpfen.
Die Story: Die USA sind mitten in den Unabhängigkeitsbestrebungen der 13 Neu-England-Staaten. Der Großteil der Bevölkerung bereitet sich auf den Kampf gegen das "Mutterland" England vor. Der Farmer Benjamin Martin (Mel Gibson) allerdings will nicht kämpfen, hat er doch nach dem Tod der Frau seine sieben Kinder zu versorgen. Doch der heranziehende Krieg macht auch vor ihm nicht halt. Die Engländer zünden sein Haus an, erschießen einen seiner Söhne und nehmen den ältesten, Gabriel (Heath Ledger), gefangen. Da packt Martin das Kriegsbeil aus (scheint jeder Farmer im Schrank zu haben) und dezimiert in bester Guerilla-Taktik die englischen Einheiten, was Col. Tavington (Jason Isaacs) gar nicht schmeckt.
Bei einem Hollywood-Film, der den Titel "Der Patriot" trägt und im Unabhängigkeitskrieg spielt, braucht man erst gar nicht etwas anderes erwarten, als pathosgetränktes Heldenkino.
Wie so oft verdient ein solcher Film sich seine Punkte auf der handwerklich-filmischen Ebene. Emmerich präsentiert dem Zuschauer imposant gefilmte, wenn auch mit zu vielen Zeitlupen angereicherte Massenkämpfe, die sich wirklich sehen lassen können und die in Sachen Spezialeffekte und Kostüme teuer gewesen sein dürften.
Generell hat man auf die Ausstattung viel Wert gelegt, Uniformen, Hauseinrichtungen, Waffen - alles macht einen authentischen Eindruck, soweit man das beurteilen kann.
Ebenso ist die Kamera- und Schnittarbeit lobenswert, genauso wie die Leistungen der meisten Darsteller. Mel Gibson kann Helden spielen, das hat er in "Braveheart" (besser) bewiesen, von daher ist sein Schauspiel ordentlich. Ebenso löblich ist Jason Isaacs als eiskalter englischer Offizier. Die restlichen Darsteller machen ihre Sache gut - was angesichts der platten Figuren eigentlich schon verwunderlich ist.
Damit zum Negativen des Films. Denn wie nicht anders zu erwarten, präsentiert uns Emmerich die üblichen Figuren im Schwarz-Weiß-Schema. Auf der einen Seite die heldenhaften und ehrbaren Amerikaner, die gut zu Schwarzen sind und nur ihre Freiheit wollen. Auf der anderen Seite die ganz fiesen Engländer, die zudem noch snobistischer sind als der König selbst.
Das ist zu einfach, zu plakativ, zu langweilig. Aber dass das Drehbuch keinen kritischen Blick auf diese Zeit werfen wird, konnte man sich denken.
Während sich die amerikanischen Zuschauer wohl mit den Figuren identifizieren können, bleiben sie uns Europäern befremdlich. Zumindest ging das mir so.
Der Spannungsbogen des Films ist dann auch so gewählt, dass man sich das Werk einmal anschaut und dann nicht nochmal. Abgesehen von einigen Längen ist der komplette Erzählverlauf inklusive Happy-End abzusehen. Dazu kommt, dass der Film eigentlich nur einer Idee folgt, nämlich Rache zu üben, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Und genau diese Idee ist wieder so befremdlich, weil man sich dann immer das Amerika der heutigen Zeit vor Augen hält, bei dem "Die Rache" (so hätte das Emmerich-Werk auch heißen können) so ausschlaggebend ist.
Dass der Film im Pathos und Patriotismus ertränkt wird, ist indes nicht verwunderlich und eigentlich auch noch irgendwie zum Aushalten, schließlich weiß man im Vorfeld gut, was die Kombination Gibson + Emmerich bedeuten muss.
Fazit: Bei "Der Patriot" bekommt man eigentlich genau das, was man auch erwartet. Pathos, Blut und noch mehr Pathos. Handwerklich gelungen ist der Film in Sachen Figuren und Geschichte schon eine Beleidigung für den Verstand. Dass man sich den Film dann doch anschaut, liegt wohl daran, dass man auch bei solchen Filmen bis zuletzt an das Gute glaubt.