Mit seinem opulent in Szene gesetzten Patriotenwerk müsste sich Regisseur Roland Emmerich wohl endgültig in die Herzen der Amerikaner gedreht haben. Doch bei uns, im alten Europa gelegenen Deutschland, wo die Staatsflaggen nicht auf Gebäuden wehen oder unsere T-Shirts schmücken, werden die Augäpfel beim Konsumieren von Emmerichs "Der Patriot" wegen kaum auszuhaltender Schmerzen ein ums andere Mal quälend versuchen, sich vom Bildschirm abzuwenden.
Bereits das Erklingen des beängstigenden Titels lässt einen Film voller patriotischem Heroismus erahnen. Und die Erwartungen bestätigen sich auch all zu schnell, obwohl man sich von einem deutschen Regisseur vielleicht etwas mehr Objektivität erhofft hätte, die in einem im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg spielenden Film nicht unmöglich gewesen wäre. Die Rachestory um die Vertreibung, gar brutale Vernichtung des Feindes ist eh schon erschreckend dünn, doch da werden die Gegner dann übermäßig klischeehaft böse dargestellt und zudem fast schon in virtuos zelebrierten Sequenzen von den amerikanischen Helden niedergemetzelt. Genaue geschichtliche Hintergründe aus der Zeit des späten 18. Jahrhunderts in Amerika sind zwar kaum bekannt, doch dass Benjamin Martin 20 böse britische Soldaten beinahe im Alleingang verputzt, überschreitet die Grenzen der Glaubwürdigkeit. Aber dies reicht noch nicht einmal aus, denn Benjamin muss auch noch einige Male mit einer Axt in den Rücken eines bereits Toten hämmern, um Befriedigung für den Tod seines Sohnes zu erlangen.
Völlig überzogene und übermäßig brutale Gewaltszenen, in denen von einer Kanonenkugel abgeschossene Beine über das Schlachtfeld fliegen oder jede Menge Blut aus den Körpern spritzt, sind völlig unnötig, da sie überhaupt keine abschreckende Wirkung besitzen. Nur all zu gut wird die teils gentlemanlike in der Kriegsführung verpackte Neandertaler-Mentalität offen gelegt, jedoch kaum kritisiert. Ganz kurz wird die Sinnlosigkeit des Krieges ein- oder zweimal angeprangert, gekämpft wird dann schließlich aber doch. Richtig moralisch verwerflich wird es, als auch noch ausgerechnet ein Pfarrer munter zur Waffe greift. Blutvergießen für Unabhängigkeit, Freiheit und Frieden - eine Botschaft, deren von Natur aus völlig gegensätzliche Mittel-Zweck-Komponenten sich überhaupt noch nie vertragen haben und sich auch nie vertragen werden. Erschreckenderweise hat sich in den Jahrhunderten fast gar nichts geändert; im Gegensatz zu damals steckt hinter den Motiven heutzutage allerdings kaum noch ein wirklich guter Zweck: Andersglaubende Menschen wurden und werden bekämpft oder Rohstoffe werden geraubt, denn irgendwie regiert doch immer noch der Imperialismus...
Doch wenn Emmerich die blutigen Mittel für Unabhängigkeit, Freiheit und Frieden schon selten kritisiert, so inszeniert er sie immerhin bombastisch und sehr realitätsnah. Durch perfekte Kulissen, Kostüme und Kameraeinstellungen ist man tatsächlich im Glauben, sich selber auf dem Schlachtfeld zu befinden. Auch Hauptdarsteller Mel Gibson kann durch seine Ausstrahlung und "Braveheart"-Erfahrung noch einiges retten, wogegen Heath Ledger eher in seinem Schatten bleibt.
Einige explizite Gewaltübertreibungen und fehlende kritische Untertöne schlagen sich am stärksten negativ aus. Robuste Mittel für gute Zwecke waren damals an der Tagesordnung, weshalb ich dem Film seine Mentalität nicht ganz so sehr übel nehme, auch wenn ich sie nicht teile und sie heutzutage in diplomatischen Zeiten keineswegs der richtige, zu befürwortende Weg für intelligent denkende Menschen sein kann. (Noch 6/10 Punkten)