Review

Statesheart


Da war der gute Roland noch voll im Saft und voll dabei und voller Energie, voller Ideen und voller Kraft... „Der Patriot“ ist ein typischer Emmerich, ein typisches Kind seiner Zeit und trotz all seiner Inkompetenzen und Fehler einfach ein verdammt unterhaltsames Popcorn-Epos. Da gibt es nichts... Die Geschichte spielt im Unabhängigkeitskrieg der (damals noch lange nicht) USA, in der ein alleinerziehender, siebenfacher (!) Vater aus Rache und alter Reputation gegen die britischen Kolonialisten an der Seite seines ältesten Sohnes in den Krieg zieht. Und vor allem mit einem teuflischen Offizier im roten Gewand entbrennt eine extrem tödliche und packende Fehde vor dem Hintergrund des Kampfes um Freiheit und Eigenständigkeit...

Wenn Mel Gibson mit der US-Flagge durch die Reihen der Rotjacken jagt, wenn man Jason Isaacs als genialen Bösewicht fast durch die Leinwand an den Kragen will, wenn ein klarer Rassist in den Wirren des Krieges auf einmal einen Freund in seinem schwarzen Nebenmann erkennt, dann weiß man zwar, wie überzogen und kitschig und unrealistisch das zum Großteil ist, aber mir geht es da ähnlich wie bei „Pearl Harbour“ oder auch in Teilen „Independence Day“ - es ist ein Guilty Pleasure vor dem Herrn. Ein wenig „Gone With The Wind“, ein wenig „Glory“, etwas Geschichtsunterricht und etwas mehr Show, Kitsch bis unters Kinn und Pathos noch mehr. Über Mut, Ehre und noch mehr Mut. „Der Patriot“ bietet genug, um ihn zu zerreißen oder zumindest nicht ernst zu nehmen, eher als Witz zu sehen, bei dem man mehr mit dem Kopf schüttelt als zu nicken. Und dennoch: ich mag diesen dreistündigen Brecher und dieses Entertainment-Monster. Grundsätzlich wird sich heftig an „Braveheart“ gehalten, Mel Gibson spielt genauso stark wie immer und damals erst recht, die Kosten sieht man dem Stück an, denn auch die Effekte haben sich erstaunlich gut gehalten. Addiert man dazu noch einen pompösen John Williams-Score (der sehr an seine Dino-Ode erinnert), einen wie gesagt alles andere als zimperlichen (wenn auch comichaft überzogenen) Bösewicht und blutrünstige, krachende Kriegsszenen, eine wirklich sehr hübsche Optik (guckt euch die atemberaubende 4K-Scheibe an!!!) und einen der größten Blockbuster-Regisseure voller Selbstbewusstsein und Krawumm, dann erhält man diese nicht subtile, aber gewaltige Amerikageschichte. Mehr Hollywood geht nicht. Und hier genieße ich trotz einiger Makel jede Sekunde. Muss man bei fast drei Stunden Laufzeit erstmal schaffen. 

Fazit: wenn man über die Klischees, Karikaturen und den kritischen Kitsch hinwegsehen oder mit ihnen sogar gut leben kann, dann ist Emmerichs „Der Patriot“ definitiv ambitioniertes, episches und vor allem höchst unterhaltsames Hollywoodkino vor dem Hintergrund des Unabhängigkeitskrieg. Und das trotz (oder gerade wegen?) massiver Überlänge. Inklusive einer starken Identifikationsfigur, mehr Helden als man zählen kann, überlebensgroßen Gesten und äußerst viel zu gucken, staunen, schmachten. Ich mag den. Sehr sogar. Kein „Braveheart“, dennoch packt der mich immer wieder. Über all seine drei Stunden! 

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