Der Autodieb und die unzufriedene Schauspielerin, der Eigenbrödler und der Sumpfgeist: Mit einem eigenwilligen Figurenkabinett huldigt Autor und Regisseur Bernd Heiber in diesem zwischen Sagen-Mystik, Gaunerkomödie und Romanze oszillierenden Stück Film nicht zuletzt seinem Schauplatz, dem Spreewald, und dessen seltsamen Charakterköpfen.
Mit Xaver Hutter, Katja Flint und Paul Faßnacht hat Heiber ein nettes Ensemble versammelt. Hutter überzeugt als sympathischer verstrubbelter Draufgänger ohne klares Ziel ebenso wie die gewohnt attraktive Flint, die Charisma ohne Eitelkeit ausstrahlt. Faßnacht ist ein sonderbarer Bursche und changiert in seiner wunderlichen Rolle zwischen irrem Triebtäterblick und dem Anschmiegungsbedarf eines Vereinsamten. Scheint er zu Beginn noch mental isoliert in einer geistergeplagten Paranoiawelt zu leben, erblickt man ihn gegen Ende als gemütlichen bäuerlichen Einzelgänger, der sich einfach nach netter weiblicher Gesellschaft sehnt.
Die genrebezogene Unbestimmtheit des Films erweist sich, wenngleich sie oft Zeichen des eigenständigen, kreativen Filmemachens sein kann, hier eher als Problem, da die Mischung letztlich nicht recht aufgeht. Wenn Bastler Hanusch (Faßnacht) Jakob beim Rumstöbern in seinem seltsamen Chemielabor zwischendurch mal eben niederschlägt und sie an anderer Stelle wie beste Freunde zusammensitzen, wirkt das etwas beliebig, als würden Figuren gerade das tun, was gerade zur Stimmungsmalerei der Szene benötigt wird, ohne eine übergreifende Charakterzeichnung zu leisten. Hanusch guckt manchmal so böse, dass es den Zuschauer beinahe in die Flucht schlägt, und gibt sich am Ende im Sinne der Kultursendung "Bauer sucht Frau" melancholisch, wenn die schöne Julia wieder in ihre eigene Welt zurückkehrt. In einen Film, der sich mit dem Übernatürlichen - wenn auch in verniedlichter Form, denn furchterregend wirkt der Bludnik mit der Taucherbrille nicht - beschäftigt, werden mitunter belanglose Szenen eingebaut, die wie aus einer täglichen Vorabendserie wirken und auch so gespielt sind. So sieht man einmal Hanusch an einem Essen herumköcheln, worauf Julia herbeikommt und ein gekünsteltes "Hmmm, das riecht aber gut" hören lässt, als wäre man in einem Maggi-Werbespot gelandet. Drei recht wortkarg herumstehende, lediglich kurze Kommentare abgebende Dorfmenschen wirken wie aus einer Schwank-Serie à la "Neues aus Büttenwarder" entlehnt, wie das deutsche Fernsehen sie gerne mit reichlich Regionalbezug im Vor- oder Spätabendprogramm versteckt.
An den bundesdeutschen Hochkulturbetrieb will Heiber sich offenbar heranschmusen, wenn in der Spreewaldidylle eines kleinen Dorfes Shakespeares Hamlet gegeben werden soll - davon ist zumindest die Rede -, wofür Schauspielerin Julia direkt engagiert wird: Katja Flint spielt Julia Mikitsch spielt Ophelia. Aber es gibt nicht Hamlet, wie man später sieht, sondern Heiner Müllers "Hamletmaschine" (also gehobenen 68er-Bildungsbürgerstoff, der durch Adaption eines der bekanntesten Dramen auch traditioneller gesinnte Theatergänger mitzuziehen versucht), deren kryptische Dialoge in Heibers Fantasiewelt beim dörflichen Publikum für brausenden Applaus sorgen. Jedenfalls zeigt dieses Erlebnis Julia, dass sie doch eigentlich Schauspielerin sein will, was sie letztlich auch wieder mit dem schmierigen Produzenten zusammenbringt, dem sie zu Beginn weggelaufen ist.
Das gleiche Erlebnis hat Jakob mit Dorfschönheit Katja (Kathrin Kühnel), die ihm durch ihre lockere Präsenz - im ganzen bleibt die Figur leider etwas flach - klarmacht, dass man mit dem Spreewald vor Augen auf Neuseeland, das ursprüngliche Ziel seiner Träume, locker verzichten kann. Ein Autodiebkonkurrent, der Jakob ans Leder will, macht dagegen Bekanntschaft mit dem Bludnik, der hier das einzige Mal etwas bedrohlicher wirkt.
Der ambitionierte, irgendwo charmante, aber wirre und szenenweise in TV-Billigkeit abrutschende Film von Heiber hat ein interessiertes Publikum verdient und sicher ist mir auch der eine oder andere wichtige Punkt entgangen. Im Moment scheint mir jedoch eine Durchschnittswertung am angemessensten.