Köln, heute. Der Iraki Tarik studiert und lebt in Köln, während seine Familie weiterhin im Irak den Kriegsgreueln ausgesetzt ist. Er schart den türkischen Taxifahrer Mesut, den bosnischen Kriegsveteran "Sarajevo", den Türken Levent und den deutschen Islam-Anhänger Marc um sich, um einen Bombenanschlag in der Kölner U-Bahn durchzuführen. Die Polizei hat jedoch Wind bekommen von diesem Vorhaben, und ist der Terrorzelle auf der Spur...
Das Regiedebüt von Bijan Benjamin sollte sicher einiges darstellen, und sein - nur nicht das, was es geworden ist. Produziert wurde das ganze von Hans W. Geißendörfer, der uns neben der Lindenstraße auch eine Reihe thematisch nicht zu unterschätzender Filme beschert hat in seiner Laufbahn. So sollte es wohl auch hier sein, in dem er Jungfilmer Benjamin das Geld gab, seine Filmidee zu verwirklichen.
Leider krankt die Umsetzung dann an zu vielen Stellen, ja stößt sogar teils sehr sauer auf. Zum Einen ist es eher leidlich realistisch, dass die Gruppe der jungen Attentäter aus der Konstellation besteht, die man vorgesetzt bekommt. Die Hintergründe von Tarik genügen vielleicht einen solchen Anschlag für ihn zu rechtfertigen - auch die von Sarajevo - aber Mesut hat lediglich Geldschulden bei einem Kredithai, Levents Intention bleibt vollkommen außen vor (zumindest für den Zuschauer bis zu einem gewissen Punkt), Marcs Hang zum Islam als FRIEDFERTIGE Religion schlägt schlussendlich vollkommen aus dem Rahmen.
Das ist jedoch nicht alles. Der Film leidet meiner Ansicht nach immens unter der Untalentiertheit der jungen Laiendarsteller! Einzig die Frau von Levent, bzw. Sarajevo vermochten mich ansatzweise zu überzeugen. Der Rest bringt seine Texte rüber als wären sie abgelesen, oder neigt zu leichten Übertreibungen. Bestes Beispiel: Mesut, wenn er sich seinem Overacting hingibt als Opfer einer Schlägerei bzw. im Grunde auch bei allem was er sonst so tut. Der Ton tut sein Übriges, denn der klingt stets, als würden alle in einer kleinen Kiste sitzen. Dumpf und hölzern.
Kameraarbeit und Schnitt sind dann leider ebenso nicht auf sehr hohem Niveau. Diverse Einsstellungen wirken, als ob der Kameramann nicht wusste wie er das Bild einfangen soll - und zwei kurze Schwarzbilder mitten in einer Szene zeigen, dass der Schnitt unsauber ausgeführt wurde.
Die zweite Hälfte des Films nimmt dann zwar etwas mehr Fahrt auf - krankt aber an dem was 50 Minuten vorangegangen ist und kann dies einfach nicht mehr wettmachen. Alles in Allem würde ich sagen: Setzen sechs! Denn der absolut negativste Punkt ist die Darstellung des Islam im ganzen Film! Eine Monolog von Marc über den Islam als einzige und wahre Religion, als friedfertigste und wohlwollenste überhaupt, zudem dann die Quintessenz des Films - das bringt den Eindruck der Film wolle Terroranschläge forcieren - das wird lediglich durch den Ausgang des Films wieder revidiert. Da hat der Regisseur etwas zuviel des Guten in die falsche Richtung gelenkt, denn das Drehbuch stammt ebenso von ihm.
Ein Film, den ich nicht weiterempfehlen kann. Ein Projekt dieser Tragweite hätte man jemandem anvertrauen sollen, der mit mehr Gefühl und Tiefgang sowie brauchbaren Darstellern an die Sache rangeht. Dieses Machwerk trägt sicher nicht sonderlich viel zu einer besseren Situation mit islamischen Mitbürgern bei.