Review

Mit „13 Geister“ kommt nach „Haunted Hill“ und „Dungeons and Dragons“ das aktuelle Werk aus Joel Silvers neuester Produktionsfirma Dark Castle. Auf dem Regiestuhl darf der Neuling Steve Beck Platz nehmen.
Es beginnt auf einem alten Schrottplatz: Zwischen aufgetürmten Autowracks geht der schwerreiche Cyrus (F. Murray Abraham) auf Jagd nach einem Gespenst, geführt von dem hellseherisch begabten Geisterjägers Dennis Rafkin (Matthew Lillard). Es handelt sich um den Geist eines Mörders, der zu Lebzeiten neun Menschen umbrachte, in seiner neuen Existenz mit einer Opferzahl von ca. 40 allerdings zu wahrer Hochform aufgelaufen ist („The Frighteners“ lässt grüßen). Auch auf die verzweifelten Warnungen eines Pärchens, welche die Seelen von Geistern retten wollen, hört Cyrus nicht. Sein Team versprüht Blut als Köder, um die mörderische Seele anzulocken. Um es kurz zu machen: Der Geist greift an, wirft Autowracks um und fällt über Cyrus Team her. Der größte Teil wird durch die Luft gewirbelt, ein paar Unglückliche müssen dran glauben. Als der Geist endlich eingefangen ist, sind neben diversen Teammitgliedern auch Cyrus und der männliche Seelenretter tot. An sich ist die Eingangssequenz stimmig: Gruselige Atmosphäre, gute Effekte und eine etwas ausgefallenere Location (Wenn man an das Bild Autofriedhof denkt umso mehr). Doch störend wirkt die Art in der die Effekte vorgebracht werden: Zum einen sind sie aus Filmen wie „Der Blob“ oder „Die Killerhand“ eins zu eins übernommen worden, zum andern ist die Szene für Fun-Splatter nicht witzig genug, für stimmungsvollen Horror artet es zu sehr in ein Massaker aus. So wirkt dieses Gemetzel auch für hartgesottene Filmkenner ein wenig abstoßend.
Daraufhin macht uns der Film mit Cyrus’ Neffen Arthur (Tony Shalhoub) bekannt, indem wir seine Leidensgeschichte Kurzform erfahren: Haus verbrannt, Frau mit verbrannt, psychisch ausgebrannt, pekuniär abgebrannt. So wohnt er mit seinen Kindern Katherine (Shannon Elizabeth) und Bobby (Alec Roberts) und ihrem Hausmädchen Maggie Jones (Rah Digga) in einer kleinen Wohnung und hat lauter Geldsorgen. Doch da spaziert schon das Glück in Form von eines Anwalts ein: Cyrus hinterlässt der Familie sein geheimnisvolles Haus. Dieses besteht fast nur aus Glas. An der Eingangstür treffen sie auf Rafkin, diesmal als Elektriker verkleidet. Bei der folgenden Szene, in der sich Rafkin unter einem Vorwand einschleicht, bietet Matthew Lillard genug Raum, sein komödiantisches Talent mal wieder zu beweisen.
Doch im Haus angekommen, wird ein Mechanismus in Gang gesetzt, der die Türen verschließt. Bald stellt sich heraus, dass das ganze Haus eine Maschine ist, die von 12 Geistern, allesamt von Cyrus eingefangen, betrieben wird. Diese werden auch einer nach dem andern freigelassen und machen Jagd auf die Protagonisten. Rafkin, der einzige mit Geistererfahrung, versucht sein möglichstes, um die anderen zu retten. Er bekommt bald Unterstützung in Form von Kalina Seyler (Embeth Davidtz), der überlebenden Seelenretterin vom Anfang, welche sich aus Besorgnis wegen Cyrus’ Geistersammlung ebenfalls eingeschlichen hat...
Nun beginnt der Hauptteil des Films, der vor allem vom grandiosen Schauplatz getragen wird. Spukhaustypische Gimmicks wie Bannsprüche und verschiebbare Wände machen diesen Teil erst interessant, ebenso die Tatsache, dass die Geister nur durch eine spezielle Brille sichtbar sind. Allerdings verkommt „13 Geister“ nach und nach zu einer Ansammlung von Jagd- und Hetzszenen, in denen man verschiedene Exemplare der Gattung Geist zu Gesicht bekommt. Wirklich langweilig ist das zwar nicht, aber auch wenig originell und gleichförmig.
Der Bodycount ist insgesamt sehr niedrig, zumal die Anzahl der sich in dem Geisterhaus befindlichen Personen von Anfang an nicht sehr groß ist. Die Todesszenen sind dafür umso heftiger (die FSK 16 Freigabe ist wirklich verwunderlich): Die Opfer werden zerteilt, zerquetscht und zerbrochen. Allerdings macht „13 Geister“ auch hier wieder einen Fehler: Die Todesszenen werden zum Teil zu lieblos in Szene gesetzt, wodurch einige Szenen, ähnlich wie das Anfangsgemetzel, einfach keinen Spaß machen, weil ihnen die Elemente fehlen, die das Töten im Horrorfilm interessant machen.
Die Schauspieler vollbringen zwar keine Höchstleistungen, sind aber auch nicht schlecht. Tony Shalhoub gibt routiniert den Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs. Shannon Elizabeth, ausnahmsweise mal nicht als tschechische Austauschschülerin unterwegs, kennt drehbuchbedingt nur zwei Zustände: Freudig lächelnd, was bald zu hysterisch kreischend wird. Nett anzusehen ist sie trotzdem, ebenso wie Embeth Davidtz, die ebenfalls routiniert spielt. Matthew Lillard spielt eine etwas weniger nervöse Variante seiner Rolle als Stewart in „Scream“, was er aber immerhin gut macht. Richtig nervig ist jedoch die Figur des Hausmädchens. Auch wenn in nahezu jeder Silver-Produktion, egal ob „Stirb langsam“, „Last Boy Scout“ oder „Lethal Weapon“, ein schwarzer Sidekick die Filme mit Humor aufpeppen soll, geht dem Zuschauer die ständige keifende Rah Digga bald auf die Nerven.
Die Idee mit den Geistern ist wirklich klasse und abwechslungsreich: Man bekommt jeden der unterschiedlichen Hausbewohner vorgeführt und bis auf den Hammer, einen Geist mit lauter Eisennägeln im Körper, sind diese von der KBN FX-Group hervorragend in Szene gesetzt worden. Allerdings wäre es schöner gewesen, würde das Drehbuch die Hintergrundgeschichte der Geister etwas mehr beleuchten und einige der Jagdszenen außer acht lassen, da dies einer der interessantesten Aspekte des Films hätte werden können.
Insgesamt bleibt „13 Geister“ oberer Durchschnitt. Zwar stimmen Grundidee, das Aufgebot an bekannten Gesichtern und der fantastische in Szene gesetzte Schauplatz, aber Leerlauf in der zweiten Hälfte, die ein wenig unbeholfene Inszenierung der „Horror-Szenen“ und das Fehlen eines würdigen Endes sind schmälernde Nachteile.

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