Nein, besser als der erste Streich der Dark-Castle-Produktionen zu Halloween ("House on Haunted Hill"), ist der Nachfolger "13 Geister" definitiv nicht. Allerdings ist er auch nicht bodenlos schlecht. Tatsache ist aber, daß man bei Ansicht ständig das Gefühl hat, daß hier eine große Chance schnöde verschenkt wurde.
Offensichtlichste Minuspunkte: Drehbuch, Schnitt und Regie! Ebenfalls oft unpassend: die Schauspieler.
Dabei verspricht die Prämisse so einiges: ein monströses Haus wie ein Uhrwerk gebaut, ein Dutzend gefangene mordlüsterne Geister und ein spezieller Plan rund um eine Erbschaft, der dahinter steckt.
Doch von Anfang an verfängt sich das Skript metertief in Konventionen und Klischees, wenn es nicht gerade an logischen Fehlern festklebt. Die Startsequenz auf dem Schrottplatz ist dabei schon amateurhaft genug. Wäre ein Fest gewesen, wenn man das Einfangen eines Geistes mehr oder weniger stumm zum Mitraten bekommen hätte, doch hier wird einem mehrfach alles erzählt, was man sich eh denken kann oder gleich darauf sehen wird. Bei der Gelegenheit treffen auch alle Schwächen zusammen. Die Kamera wirbelt, der Schnitt arbeitet hektisch und wenn wir Details wollen, sind die gerade nicht da. Dazu ein dämonischer F.Murray Abraham (erfreuliche Ausnahme vom Schauspielereinerlei) und ein hemmungslos chargierender und endlos grimassierender Matthew Lillard ("Scream"), der sich um Kopf und Kragen redet und jegliche Atmosphäre flöten gehen läßt.
Tendenz also: simpel, grell und laut.
Alsdann führt uns das Drehbuch an unsere lieben Hauptdarsteller. Ein schöner Kameraschwenktrick macht einen Rückblick unnötig, doch bei allen guten Ideen, sind die akustischen Rückblenden bereits so kitschig, daß man Mom geradezu sehnlich aus dem Totenreich zurückerwartet, auf das das nicht der End-Gag ist (ist er nicht!). Die Familie ist sozial ein wenig heruntergekommen, kann sich aber immer noch eine schwarze Haushaltshilfe leisten (?), die aber mehr als fröhliche Rap-Schickse daherkommt (??), nicht mal kochen kann (???) und von Hausarbeit wohl auch nicht so viel hält, wie ein Rundblick im trauten Heim verrät. Die Familie an sich ist so gut und so porentiefrein, daß davon keiner sterben kann - das wäre so süßlich, das könnte keiner vertragen.
Eine Erbschaft bringt uns dann bald an den Ort des Geschehens, das düstere Haus, in dem die Geister eingesperrt sind und nach einem perfiden Plan freigelassen werden. Dramaturgisch ist das schlapp gemacht, denn gewisse Plotwendungen sind leicht vorhersehbar und es gibt auch zu wenig Leute im Haus, die als potentielle Opfer herhalten könnten. Unser liebe Familie mit Weichspüldaddy, Herzallerliebsttöchterlein, dem kleinen Bratzen und der Quotenschwarzen können wir vergessen. Also bleiben nur noch ein Anwalt und ein, zwei Empathen bzw. Parapsychologen, die als Opfer herhalten können. Bis es soweit ist, ertragen wir aber zunächst flotte Wechsel von Zeitlupenaufnahmen einer sich Wasser ins Gesicht spritzenden S.Elizabeth und ruckthaftem Schnitten einer nackten Verstümmelten, die Spannung produzieren sollen, wo nie welche war.
Und so tauchen die Geister fortan mal hier, mal dort auf; es gibt eine Menge Rennerei, etwas Hektik und immer wieder mal eine kleine Überraschung. Was es nicht gibt, sind Steigerungen. Es fehlt an Dramatik. Die Regie hält immer denselbe Level an Speed und steigert ihn fast nie. Auch wird nicht zuerst Atmosphäre aufgebaut, um dann auf Action zu setzen. Tatsächlich wird mehr als den halben Film im Haus herumgelaufen, wobei stets irgendwer gesucht wird und Personen Brillen tauschen, damit sie auch mal die Geister sehen, die sie gleich umbringen könnten.
Warum die Geister das tun und wie sie so mörderisch sein können, bleibt leider ungeklärt, ebenso wie der Mumpitz mit dem schwarzen Tierkreis und der von einem Mönch ersonnende Höllen-Machine aus allen möglichen Vorlagen zusammengeklaut sind. Ausbleiben tut nach all der anstrengenden Rennerei auch noch ein Höhepunkt, denn das "Auge der Hölle", daß hier wohl beschworen werden sollten, konnte wohl für das Budget nicht mehr umgesetzt werden können, weswegen es ausfiel. Dafür bekommen wir einen relativ schnellen und schnittigen, leider aber einfallslosen Showdown vorgesetzt.
Bliebe also nur, sich an den F/X zu delektieren. Leider ist der Gore hier gerade im Urlaub. Ein heftiger (und hervorragender) Splattergag relativ früh im Film macht Geschmack auf mehr, doch dann muß man Ewigkeiten warten, bis wieder mal jemand ins Gras beißt. Das ist besonders ärgerlich, wenn man bedenkt, daß die Schauspieler manchmal wirklich nerven. Tony Shalhoub ist zwar wieder mal sehr sympathisch, aber einfach zu lieb und clean, um nicht ätzend zu sein. Shannon Elizabeth beweist wieder einmal, daß sie zwar Bein zeigen, aber nicht schauspielern kann und darüber hinaus ein Zahnpastagrinsen bei manchen auch debil wirkt. Der kleine Junge ist das typisch überflüssige Blag (hätte man uns nicht was Älteres vorsetzen können) und die Haushaltshilfe ein nettes Klischee pur. Lillard ruppelt und zuppelt wie wild und Embeth Davidz ("The Hole") wirkt wie ein wildgewordener Handfeger, nur nicht wie eine Okkultismus-Expertin.
Mit diesen Kollegen erträgt man also die gar nicht wilde und recht unblutige Hatz, die aber wenigstens optisch manchmal überzeugen kann. Wahrlich gelungen sicherlich die Geister, die in ihrer Widerlichkeit alle einen Wahnsinnseindruck hinterlassen, aber in ihrer Anzahl als Einzelne glatt zu kurz kommen. Leider erschafft der Schnitt einen furchtbaren, ruckhaften Stakkato-Stil, wenn es darum geht, sie ins Bild zu setzen. Ewig und immer dürfen sie hinter Scheiben "Buh" machen, wenn gerade einer davor steht und an Gangenden drohend den Weg abschneiden. Derlei optische Hektik macht das Sehvergnügen nicht gerade größer, was schade ist, da das Haus an sich eine skurile Konstruktion ist, an der man sich kaum sattsehen kann.
Fassen wir also zusammen: Die Kamera konnte keine richtige Atmosphäre einfangen, hat aber an sich einiges Reizvolles aufzunehmen. Der Schnitt arbeitet mit kleinen Schocks, fährt aber sonst kaum mit Besonderheiten auf, sondern ist unpassend ruckhaft und wird schnell langweilig und ermüdend. Die Storykonstruktion ist blaß und die Darsteller höchstens zweckmäßig. Die Effekte sind schön, aber zu sparsam eingesetzt. Der Ton des Films reicht von schnulzig bis grell, von albern bis wortverliebt - was uneinheitlich ist. Dazu ein schwächelnder Höhepunkt, Konstruktionsfehler, keine richtige Auflösung und ein klebriger Schluß ohne Aha-Erlebnis.
Was sagt uns das? Schnell in die Videothek und "Haunted Hill" noch mal gucken. Der hat auch seine Schwächen, aber die fallen in allen Kategorien deutlich geringer aus.
"13 Geister" verursacht zwar keine Schmerzen, aber man kann keine Entscheidung fällen bezüglich des Grundes, warum man diesen Film wirklich gern haben soll. (4/10)