Die Fortsetzungsgeschichten in diesem Jahr waren bislang nur ein laues Lüftchen und konnten ihren Originalen in keinster Weise das Wasser reichen. So durften wir erleben, wie sich zum Beispiel "Spider-Man" durchs Mittelmaß hangelte, John McClane vergeblich gegen das unpassende PG-13-Rating und eine aufgesetzte Pseudo-Terror-Story ankämpfte oder sich Jackie Chan in "Rush Hour 3" vollends zum Affen machte.
Nun startet Matt Damon in "Das Bourne Ultimatum" zu seinem vielleicht letzten Einsatz als an Amnesie leidender Ex-Agent durch. Kann sich das Ergebnis mit den hochkarätigen Vorgängern messen?
Sechs Monate nachdem sich Bourne bei CIA-Agentin Pamela Landy (Joan Allen) ein letztes Mal gemeldet hatte (wir erinnern uns: das war in New York, und Bourne stand auf einem Dach gegenüber von Landys Büro), erhält er die Möglichkeit, mehr über sein wahres Ich und Treadstone zu erfahren. Ein Reporter aus London scheint über entsprechendes Hintergrundwissen zu verfügen. Bourne trifft sich mit dem Journalisten - und prompt startet eine der schweißtreibendsten Non-Stop-Verfolgungsjagden, die das Actionkino je gesehen hat!
Jason Bourne sprintet um den halben Erdball. Von London aus geht es nach Marokko, Russland, Spanien und schließlich zurück nach New York ...
Paul Greengrass, der schon mit "Die Bourne Verschwörung" das Original von 2002 zu toppen wusste, legt tatsächlich noch einen Zahn zu. Sein Stilmittel: die inflationär eingesetzte Wackelkamera und Schnitte, wie sie schneller und häufiger kaum sein könnten. Das mag zuweilen etwas stören, drückt aber unweigerlich aufs Tempo und verpasst dem Reißer seinen dokumentarisch-realistischen Touch. Und genau dieser hebt die Actionthriller-Reihe, welche sehr frei nach Robert Ludlums Roman-Trilogie verfilmt wurde, von der Kinokokurrenz ab.
Realismus statt überkandidelte Action machte sich jüngst schon der neue "James Bond" zu nutze. Doch im Vergleich mit Jason Bourne zieht selbst der Doppelnull-Agent den Kürzeren! Denn Bourne möchte nur Otto-Normalbürger sein, der aber immer wieder gezwungen wird, seine tödlichen Fähigkeiten einzusetzen. Er flieht vor dem, was die CIA einst aus ihm gemacht hat: einen Elitekiller. Das beschert der Figur viele Sympathiepunkte.
Tadellose, bodenständige Action ohne Rechnereinsatz ist auch das Markenzeichen des dritten Teils. Die Auseinandersetzungen in "Das Bourne Ultimatum" überzeugen mit kompromissloser Härte (Glanzstück: ein knallharter Fight in Tanger als Höhepunkt einer spektakulären Jagd über die Dächer der marokkanischen Stadt).
Der CIA-Technik-Kram, den ein Laie schon in den beiden Vorgängern kaum zu durchschauen vermochte, wirkt real und nicht dermaßen lächerlich wie kürzlich in "Die Hard 4.0". Im Genre des Agententhriller sind Computer-Schnickschnack und totale Überwachung eh nicht mehr wegzudenken. Zeit zum kritischen Hinterfragen bleibt hier sowieso nicht.
Matt Damon verkörpert Jason Bourne perfekt. Ein Schauspieler und Actionheld gleichermaßen, dessen Qualitäten in beiden Segmenten unbestreitbar sind.
Zum bekannten Cast wie Julia Stiles und Joan Allen gesellen sich absolute Top-Stars und Charakterköpfe wie David Strathairn und Albert Finney. Deutsche Verstärkung kommt von Daniel Brühl, der Maries Bruder spielt und Bourne schwere Vorwürfe macht.
Das Ensemble komplettiert also eine der aufregendsten Film-Trilogien, die zum Abschluss storytechnisch noch einmal Haken schlägt, bis das geniale Ende immerhin einen kleinen Hoffnungschimmer in Richtung Teil 4 wirft ... aber wohl tatsächlich ohne Matt Damon.
Abschließend bleibt nur noch die Wertung. Die könnte nach 115 Minuten Hochspannung und Tempo ohne Ende fast jede Skala sprengen! "Das Bourne Ultimatum" ist definitiv der beste Film seit langer, langer Zeit! 10/10 Punkten.