Die Fremde in Dir - The Brave One:
Der Revenge-Thriller scheint momentan seine Wiedergeburt zu erleben. Ein durchaus erfreuliches Revival eines mir doch sehr lieben Genres. Da hatten wir erst vor einem Monat den erstklassigen "Death Sentence - Todesurteil" in dem Kevin Bacon seine Familie rächt und damit einen eher einfach gestrickten, brutal wie faszinierenden "Death Wish"-Actioner. Nun folgt mit "The Brave One - Die Fremde in Dir" die subtilere, ruhigere Version eines Thrillers. Das ganze aus der Sicht einer Frau. Man durfte also gespannt sein.
Der Cast liest sich recht ansprechend. Immerhin konnte Jodie Foster (Angeklagt, Panic Room, Silence of the Lambs) verpflichtet werden. An ihrer Seite spielen nun der noch relativ unbekannte Naveen Andrews (Sayid aus Lost, Planet Terror) und der der für den Oscar nominierte Terrence Howard (Hustle & Flow, Four Brothers) . Ein durchaus sympathisches Gespann in einer düsteren Story. Allerdings hatte ich arge bedenken, gerade wegen Jodie Foster. In letzter Zeit waren ihre Filme doch sehr unterdurchschnittlich. Besonders "Flight Plan" und "Inside Man" die beide komplett bei mir durchfielen.
Doch nun, in "The Brave One", spielt die gute Frau Foster jeden an die Wand, weiß absolut zu überzeugen und lässt den Zuschauer den Atem stocken! Die Wandlung von der liebenden, glücklichen Radiomoderatorin bis zum kaltblütigen Racheengel ist enorm gut gelungen. In keiner Sekunde zweifelt man an ihrem Charakter, man fühlt mit und denkt sich, wie würde ich handeln? Handelt sie richtig? Die Antwort auf diese Frage sei jedem selbst überlassen. In jedem Fall hat man mit Jodie Foster die perfekte Besetzung für diesen Charakter gefunden. Terrence Howard als Detective Mercer weiß ebenso zu überzeugen und bringt unglaubliche Sympathien mit sich. Naveen Andrews hat leider zu wenig Screen-Time, als das man sich groß über seine Leistung äußern könnte.
"The Brave One" macht nun an anderen Stellen weiter, wo "Death Sentence" nicht tiefer in die menschlichen Abgrüde herabtreten wollte. Sicherlich sollte ein "Selbstjustiz-Streifen" immer Gewaltszenen haben, aber die in "Death Sentence" haben mich nicht so sehr berührt wie jene hier. Diese hier nun waren nicht so brutal, dafür aber von einer Frau begangen, die mit ihrer eigenen Situation klar zu kommen versucht, und kläglich daran scheitert. Unerbittliche Gewalt gegenüber Verbrechern scheint die einzige Heilung zu sein. Aber Jodie Foster weiß mit so einem heiklen Thema umzugehen, verharmlost es nicht und versucht es einfach verständlicher für die Gesellschaft zu machen.
SPOILER!
Das Ende ist dann doch erstaunlich anders als ich es mir gedacht hab, geraten. Anders als der Tod des Hauptprotaginisten in "Death Sentence" überlebt unsere "Heldin" hier und das sogar mit Hilfe der Polizei. Fragwürdig, aber mir hats gefallen.. ;)
SPOILER ENDE!
FAZIT:
"The Brave One" ist ein sehr guter Rache-Thriller, welcher zwar nicht an größen wie "Mann unter Feuer" und "Deadly Revenge" heranreicht (schon allein, weil eine Frau nicht soviel Power wie Denzel Washington und Steven Seagal aufbieten können) aber dennoch zu gefallen weiß. Sehr gute Darsteller mit einer Story die jedem nahe gehen wird und mit schöner Bildersprache umgesetzt wurde. Abzüge gibts nur wegen einiger Längen, bei einem Film dieser Thematik und 122 Minuten Spieldauer eigentlich auch kein Wunder. Ansonsten nicht nur für Rache-Fans zu empfehlen, auch Frauen kommen auf ihre Kosten!
9/10