Die Fremde in Dir
Das Thema Selbstjustiz ist immer mal wieder einen Action-Film wert. Meistens versucht der Drehbuchautor oder/und der Regisseur diesen mit einer netten Portion Ernsthaftigkeit zu versehen. Im Vorfeld ist es dann meistens wichtig, einen Großteil der Familie auszulöschen, siehe „Death Sentence“ mit Kevin Bacon aus jüngerer Vergangenheit oder als Referenz „Ein Mann sieht rot“ mit Charles Bronson. Wer es etwas platter und direkter mag, dem sei beispielsweise „die Klasse von 1984“ ans Herz gelegt. Kurzum es ist ein eigenes Genre, dass sehr differenziert zu betrachten ist, da es meist die eine Konsequenz beim Zuschauer auslösen möchte: „Mach ihn/sie kalt!“. Stört dies einen nicht, dann ist fast jeder Film dieses Sujets für den Cineasten pure Unterhaltung. Bei „Die Fremde in Dir“ wird die Moral nicht störend in den Vordergrund gerückt, sondern durch die Stimme aus dem Off – die gelegentlich nachfragt, warum eine Tat begangen wird – unterschwellig präsentiert und damit überhaupt am Leben erhalten. So verkommt der Film nicht zu einem Rachethriller, indem der Cop dem Normalo, der zum Killer wird, hinterherhetzt, sondern wird ein in sich schlüssiger Film.
Jodie Foster brilliert hier als kecke Radiomoderatorin, die in ihrer Sendung ein Alltagsbild ihrer Heimatstadt New York zeichnet, dessen Opfer sie schließlich selbst wird. Bei einem Parkspaziergang wird ihr zukünftiger Ehemann von einem Haufen Penner grundlos ermordet und sie selbst aufs Übelste zugerichtet. Von der Polizei im Stich gelassen, besorgt sie sich schlussendlich eine Waffe und begibt sich in das Innenleben der Stadt, über die sie im Radio referiert.
Foster spielt das Opfer das zum Täter wird wie eigentlich in fast allen ihren Filmen hervorragend und gibt ihrer Figur die nötige Tiefe, Glaubwürdigkeit und Verzweiflung. Sicherlich bezieht sie einige Anleihen bei „Angeklagt“ und das teilweise naive Verhalten entspricht etwas einer Starling aus „Schweigen der Lämmer“; das tut der Gesamtleistung aber keinen Abbruch. Die anderen Schauspieler bilden ihr einen ordentlichen Weg, mehr aber auch nicht. Das ist aber auch nicht nötig, da es hier nur eine Person gibt: Das Opfer/Täter Jodie Foster.
Die Polizeiarbeit ist ordentlich. Sie ist natürlich nicht authentisch, aber auch nicht so dermaßen oberflächlich wie in vielen anderen Filmen.
Die Verbindung des Opfers zur Polizei ist dann doch sehr intensiv und überraschend sowie auch der Schluss dann doch nicht so wie erwartet ausfällt. Insgesamt ein solider Thriller mit einer starken authentischen Jodie Foster und einem Diskussionsansatz über Selbstjustiz auf den man sich dann doch lieber nicht einlässt. Unterhaltung allein ist „die Fremde in Dir“ jedenfalls nicht.
8/10