Schlummert nicht in jedem von uns ein kleiner Racheengel, der persönlich zugefügtes Leid und Unrecht auf unkonventionelle Weise sühnen möchte. Einmal (oder mehrmal) Richter spielen und der Gerechtigkeit auf die Sprünge helfen?
Unzählig die Filme, die seit Bestehen des Kinos, Männer und Frauen mit klein- und großkalibrigen Waffen auf Rachefeldzug schickten. Kann man im Jahre 2007 dieser Thematik wirklich noch neue Aspekte abgewinnen?
Die Vorzeichen sahen nicht schlecht aus. Der Regisseur Neil Jordan hat sich im Laufe seiner Karriere, siehe "Die Zeit der Wölfe" oder "The Crying Game", durch eine sehr eigene Handschrift und Herangehensweise etabliert und Jodie Foster ist zweifellos in der Lage, noch aus dem dünnsten Script darstellerisch das Maximum herauszuholen.
Trotz alledem ist "Die Fremde in dir" meiner Ansicht nach nur Durchschnitt.
Auch wenn im Jahr 2007 deutlich mehr Augenmerk auf Differenzierung und Tiefgang gelegt wird, als zu Charles Bronson Zeiten, strotzt "Die Fremde in dir" vor genretypischen Klischees.
Gleich zu Beginn des Films, können es Erica (Jodie Foster) und David (Naveen Andrews) vor grenzenloser Liebe kaum erwarten endlich zu heiraten, damit auch der letzte doofe Zuschauer kapiert - die haben sich wirklich ganz doll lieb! Was nach dem weiteren tragischen Verlauf, Ericas Verhalten dann völlig verständlich macht. Damit sie auch ordentlich "Futter" für ihren Rachefeldzug bekommt, bewegt sie sich vornehmlich nur Nachts in abseitigen kleinen Supermärkten, abgelegenen U-Bahn-Strecken und unter finsteren Autobahn-Brücken. Erwartungsgemäß taucht ein absolut loyaler und verständnisvoller Polizist in ihr Leben (alle anderen sind natürlich von der Sorte: ich-bin-gelangweilt-und-mache-nur-meinen-Job). Das dümmliche Selbstjustizende reiht sich somit perfekt in ein abgedroschenes Schema ein.
Stilistisch gibt es nichts auszusetzen. Szenen und Schnitte sind überzeugend umgesetzt und visuell eindringlich.
Schade, dass trotz mancher guten Ansätze, alles schlußendlich im Klischeesumpf untergeht.