Vorab: Selbstjustiz ist natürlich verboten, moralisch verwerflich und m.E. mit größter Vorsicht zu behandeln.
Was gefällt uns dann nur an den vielen, vielen Actionfilmen, in denen es fast immer um genau das geht - Rache und Selbstjustiz. Familie oder Freunde des Helden werden bedroht, entführt oder umgebracht, und das muss natürlich gesühnt werden. Man umgeht das schwierige Thema Selbstjustiz meist dadurch, dass unser Held ja kein Zivilist ist, sondern bei der Polizei, Armee oder sonst einer staatlichen, waffentragenden Behörde, und im Grunde nur seine Arbeit macht. Halt für die eigene Sache diesmal. Oft heißt es auch Ex-Marine oder Ex-Cop, und irgendwie legitimiert das die folgenden Gewalttaten. Die Filmemacher achten halt drauf, dass die Bösen immer zuerst schießen, dann fällt die Antwort unter Notwehr. Hier begreift man dann auch, wieso die Helden in den 80ern in vielen Filmen 80min übelst auf die Fresse kriegen und erst ganz am Schluss die Lust und Contenance verlieren und den Bösen umnieten.
Die Fremde in Dir hätte also auch Eine Frau sieht Rot heißen können, ohne Charles Bronsen freilich, sondern Jodie Foster sieht sich plötzlich selbst mit einer Waffe in der Hand wild um sich schießend. Nachdem sie und ihr armer Freund Naveen Andrews, frisch der Lost-Insel entkommen, von einer Gang niedergemacht wurden, hat Jodie nicht nur ihre ruhige, besonnene Art verloren, sondern ihr ganzes Urvertauen in die Justiz, das Leben im allgemeinen und ihre Stadt New York im speziellen. Sie traut sich kaum mehr aus dem Haus, erschrickt vor jedem Fremden und sucht schließlich Zuversicht in der Schwere einer Schusswaffe in der Handtasche. Doch wie es der Zufall, das Schicksal oder eben das Drehbuch will, kommt Jodie erneut in eine übele Situation und weiß sich nicht anders zu helfen als abzudrücken - und wegzulaufen.
So beginnt ihre zweifelhafte Karriere als Rächer von New York. Das erschreckende sind jedoch nicht unbedingt nur die gewalttätigen Situationen, in die sie schlittert, sondern das eiskalte Schmunzeln, das man bei sich selbst entdeckt, wenn sie einem zugegeben bedrohlichen Jugendlichen die Rübe wegschießt. Yeah, denkt man, recht so, du Arsch, das haste nun davon! Ob die Bedrohung evtl. auch anders hätte gelöst werden können, kratzt zwar von hinten am Bewusstsein, aber man ignoriert das. Zu oft hat man sich nämlich selbst schon mal gewünscht, den einen oder anderen einfach umzupusten. Du nimmst mir den Parkplatz weg - bämm! Du gibst mir nen Strafzettel - wumm! Du machst mich blöde an - zack! Diese Gedanken hat wohl jeder mal, deshalb schauen wir so gerne Filme, in denen die Guten den Bösen mal so richtig den Arsch versohlen.
Das krasse an diesem Film ist der Realismus. Man kann die Verwandlung Jodie Fosters gut nachvollziehen, sie hat mehr Angst vor ihrer Waffe als dass sie ihr hilft, sie kann überhaupt nicht damit umgehen - anfangs. Und sie ist in einer inneren Zerwühltheit gefangen, dass es ihr im Prinzip zwar bewusst aber egal ist, dass sie diese Selbstjustiz begeht. Sie hat nichts mehr zu verlieren - mit fatalen Folgen für die New Yorker Unterwelt.
Die Fremde in Dir ist kein Actionfilm, sondern ein Drama zum Thema, Liebe, Verlust und Rache. Er ist packend erzählt, erschreckend in der Darstellung von Gewalt und fast schmerzhaft realistisch. Man fiebert mit Jodie Foster mit, ob sie es schafft Ruhe zu finden, oder ob sie in einer Spirale gefangen bleibt, aus der es kein Entkommen gibt. Und ich gebe es zu, dass es befriedigend ist, wenn die Bösen mal so richtig den Arsch voll kriegen...
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