Die zierliche Jodie Foster als kaltblütige Rächerin von New York ist eigentlich unvorstellbar. Doch Regisseur Neil Jordan (Interview mit einem Vampir) ist es durchaus gelungen den Zuschaueren so etwas einzusuggerieren. In „ Das Schweigen der Lämmer" machte sie mit einer Waffe in der Hand keine so schlechte Figur. Wie einst Charles Bronson in Death Wish streift auch sie durch die Gassen New Yorks und räumt mittels Knarre mit der Unterwelt auf. Naturgemäß wird man den 70er Jahre Streifen erinnert, da beide Filme in NY spielen, beide Hauptprotagonisten ihre Liebsten rächen und eine U-Bahn Szene auch nicht fehlen durfte. Das war es auch schon mit der Gemeinsamkeit.
Denn während Charles Bronson als einsamer Wolf durch NY streift, darf Jodie Fosters Charakter Erica Bain sogar Radiomoderatorin sein. Ihr zur Seite (oder Gegenseite) steht ein New Yorker Kriminalbeamte, dargestellt von Terence Howard. Die Frage der Selbstjustiz oder der Rache scheint eher nicht das Problem von Erica Bain zu sein. Die nach der Ermordung ihres Freundes durch eine Straßengang selbst den Kampf aufnimmt. Das Töten an sich scheint ihr Problem zu sein und sie leidet dadurch. Der Zuschauer kann hier durchaus mitfühlen und so bleibt eine Spannung aufrecht die in einem finalen Höhepunkt endet.
Jodie Fosters Spiel ist es der „The brave one" (OT) ausmacht. Interessant, dass der deutsche Titel „Die Fremde in dir" eigentlich besser passt. Der Schrei nach Rache und Selbstjustiz von Erica Bain ist nur verständlich, ob sie aber dadurch inneren Frieden und Ruhe erlangt ist zu bezweifeln. Die Chemie zwischen Howard und Foster stimmt. Der innere Konflikt und die Veränderung die Erica Bain durchmacht werden eindrucksvoll dargestellt. Eine eher fröhliche Radiomoderation die zu einer innerlich zerbrechlichen Killermaschine umfunktioniert wird. Auch hier wieder ein Beispiel für die Schauspielqualitäten von Jodie Foster.
Das Ende legt an Spannung noch eines drauf. Wer allerdings einen Baller-Film ähnlich der zahlreichen Fortsetzungen/Ripp Offs von Death Wish erwartet, wird enttäuscht sein. Rein ums Schießen geht es nun wirklich nicht, denn das Drama der Erica Bain steht im Vordergrund. Der Film konzentriert sich ganz auf ihre Veränderung als auch ihre Erinnerungen an ihren Geliebten. Parallel dazu verläuft die Geschichte des ermittelnden Officers, der so scheint es, immer mehr Gefallen und Interesse an der Radiomoderatorin findet. Keine Sorge, eine verkitschte Romanze findet aber nicht statt.
Eine Romanze würd auch gar nicht zu den eher düsteren Bildern des Films passen. Die Straßen und Gassen New Yorks werden eher als unheimlicher und gefährlicher Ort präsentiert. Passend zur Gefühlslage der (Anti-)Heldin. Nur bei Tage scheint New York eine sichere und freundliche Stadt zu sein. Sehr gelungen die Metapher des Tunnels durch schreiten, der Beginn der Veränderung von Erica Bain. Das Ende eines sorglosen Lebens hinüber in eine Welt voller Gewalt und Rache.
Fazit: Ein gelungener Selbstjustizthriller mit guten Leistungen der Darsteller. Nicht ganz neu die Geschichte (sind Rache-Themen bekanntlich nie!) aber ordentlich gefilmt. Vielleicht fehlt die eine oder andere Überraschung, aber „The brave one" ist spannend und mitfühlend in Szene gesetzt worden.