Wer A sagt, muß auch B sagen und wer „Death Sentence“ gesehen hat, sollte auch einen Blick auf „Die Fremde in dir“ werfen, den zweiten Selbstjustizfilm des Jahres 2007.
„The Brave One“, so der Originaltitel, hätte bei weitem nicht die Aufmerksam bekommen, die ihm zugedacht wurde, wenn man nicht für die Hauptrolle eine namhafte Darstellerin wie Jodie Foster hätte verpflichten können, so ziemlich die einzige Allzweckwaffe Hollywoods, der man ein solches Thema zumuten und zutrauen konnte.
Denn die Story an sich ist nur ein aufgepepptes und modernisiertes Rehash von Michael Winners Legenden-Bronson „Ein Mann sieht rot“ – nur eben ist diesmal eine Frau die Betroffene.
Als ihr Verlobter von Straßenräubern erschlagen wird, landet auch sie schwer verletzt im Krankenhaus und im Koma – und als sie fit für eine Beschreibung bzw. Ermittlung ist, haben andere Fälle die Aktualität längst wieder überholt. So ist auch der ermittelnde Beamte längst mit einem anderen Fall von ehelicher Gewalt beschäftigt, der zu einer frustgeplagten Parallelhandlung gerät.
Obwohl kompetent produziert und von Neil Jordan in atmosphärische Großstadtbilder umgesetzt, bietet die Leidens- bzw. Rachegeschichte der Radiomoderatorin Erica Bain jedoch nichts Neues, maximal der Griff zur Waffe wird hier homogener geschildert als bei Winner. Erst drängt die Angst sie zum illegalen Waffenkauf, dann gerät sie zufällig in einen Ladenüberfall, bei der sie in Notwehr den Täter erschießt. Erst im Anschluß gerät die Angelegenheit zu einer zunehmenderen Form der Sucht, bei der sie Angriffe auf sich praktisch provoziert, bis sie dann tatsächlich Selbstjustiz an dem prügelnden Vater übt, um schließlich die eigene Rache zu vollenden.
Soweit, so komplett, doch wer jetzt auf eine Studie komplexen Innenlebens hofft, der sieht sich relativ banal in die Realität zurückgeholt. Bain erleidet eine Art Persönlichkeitsveränderung, die sich sowohl auf ihre Themen vor dem Mikro als auch auf ihr Privatverhalten auswirkt, ihr Selbst wird ihr zunehmend fremd (insofern trifft der deutsche Titel einmal besser zu als das Original), doch außer sich dieser Veränderung zu ergeben, bringt uns der Film nicht voran.
Selbstjustiz wird hier kaum diskussionswürdig, sondern erscheint als Persönlichkeitsproblematik in einem speziellen Fall und das Finale, in der der ermittelnde Beamte sich auf ihre Seite schlägt, kommt da ziemlich fragwürdig herüber, unterhaltsam zwar, aber längst nicht so vielschichtig diskutabel wie im Rachefall Kevin Bacons in „Death Sentence“, der alle Brücken abbrach, aber nur, um die Täter zu stellen.
Hier haben alle Opfer Fosters es auch wirklich verdient, bei den wahren Tätern gibt es kaum Grauschattierungen, die U-Bahn-Räuber erscheinen als Abschaum, es kommt für den Zuschauer kaum moralischer Zweifel an den Handlungen auf, was wiederum als Einladung zur Zustimmung gewertet werden kann.
Sicherlich, das Skript dreier Autoren legt den Fall relativ emotional an, kann sich aber nicht einmal zu Kritik an den Behörden durchringen, Terrence Howard als Cop leidet an Überarbeitung und emotionalem Stress, die Polizei könnte man hier nur einer zu gefühlskalten Sachlichkeit anklagen und mangelnde individuelle Behandlung ist zu konstatieren – aber letztendlich arbeitet sich der Film durch die Schichten möglicher Selbstjustizmotive, ohne sie groß zu hinterfragen.
Nichts dagegen, daß auch mal Frauen nach dem Motiv „Bernie Getz“ mal zurückschlagen dürfen, aber substanziell hat mich der Film weitestgehend enttäuscht. (6/10)