Review

Witwer mit drei Töchtern trifft im Buchladen schöne Frau, doch die ist ausgerechnet mit seinem Bruder liiert und tanzt ihm beim Familientreffen ständig vor der Nase herum. Kommt das irgendwie bekannt vor?

Vielleicht, weil diese oder ähnliche Plots schon ewig und drei Tage von Leuten wie Hugh Grant im klassischen Complicated-Dating-Film (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Bridget Jones) aus Großbritannien breitgewalzt wurden. Daß sich eine bedeutende Änderung der Lebensumstände und der inneren Einstellung andeutet, liegt noch dazu dem amerikanischen Family-Meeting-Film zugrunde (Pieces of April, Familienfest und andere
Schwierigkeiten). Beide Genres werden hier kombiniert, wenn Steve Carell als nicht gerade
perspektivreicher Kolumnist mit drei leicht sperrigen Töchtern den traurigen Tropf im lustigen Familienallerlei gibt und über die Liebe seines Lebens stolpert, ein paar Verhaltensmaßregeln, peinliche Momente und
motivatorische Lebenswahrheiten inclusive.

Alles in allem ist das recht nett und freundlich, Carell darf wenigstens mal streckenweise aus seiner typischen Masche ausbrechen und die bewährte Infantilitäts- und Pipi-Komik bleibt auch dankenswerterweise komplett
draußen.
Man muß aber auch eingestehen, dass das bunte Treiben komplett vorhersehbar und wenig originell , sondern eher ein hausgemachter Konflikt mit tragikomischen Schlenkern ist. Dazu kommt, dass Carell zwar hinreißend triefäugig daherkommt, seine Dialoge aber eben doch nur Standard sind und nur selten ein bisschen emotionale Brillianz andeuten.

Am Schwerwiegensten ist jedoch die mangelnde Chemie zwischen ihm und der eher fehlbesetzten Juliette Binoche, der es an mimischer Leichtigkeit fehlt, um dem Zuschauer überhaupt ins Herz zu springen. Die
Oscarprämierte Darstellerin ist ein dramatisches Pfund, mit dem man wuchern kann, jedoch eher in Problemfilmen, Dramen oder Filmen mit europäischer Grundlage, dort hat sie dann auch ausreichend Gelegenheit, Künsteln und Künstlichkeit zu kultivieren, in einer leichten Komödie wirkt sie jedoch über weite
Strecken recht manieriert, teilweise sogar abwesend, als könne sie sich die notwendigen emotionalen Zustände eines lockeren Pheromonrauschs einfach nicht ins Gedächtnis rufen.

Und auch der vielköpfige Familienclan ist am Ende nicht mehr als Stichwortgeber und freundliche, weil kuriose Menagerie, ins Herz blicken (wie etwa in „Four Weddings..“) kann man den Figuren sonst nie, da herrscht einfach zu viel Perfektion und Familienglück vor, um mehr als über die netten verbalen Gags zu schmunzeln.

Peter Hedges, der zuvor schon den ähnlich, aber noch sperriger gelagerten „Pieces of April“ schrieb und inszenierte, hat hier leider ein wenig den Biss verloren. Damit hat er sich allerdings ein größeres Publikum
Gesichert und ein nettes Vergnügen ist „Dan in Real Life“ ja auch geworden. Aber so richtig etwas mit nach Hause nehmen kann man außer einem flüchtigen warmen Gefühl im Bauch leider nicht - und das ist entscheidend, wenn man schon Favoriten in den Genres dieses filmischen Crossovers besitzt. (5/10)

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