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Planet Terror ist ein Teil der zweiteiligen Hommage an die Grindhouse-Filme der 60er und 70er jahre des letzten Jahrhunderts. Grindhouse-Filme waren schäbige kleine B-Movies, die in kleinen Nebenkinos von morgens bis abends heruntergenudelt wurden, wohl meistesns im Double-Feature, wobei beide Filme relativ kurz gehalten waren.
Neben der billigen Machart (sehr häufig Filmfehler, Belichtungsfehler, fehlende Szenen, unzusammenhängender Story) zeichneten sich Grindhouse-Movies durch eine fast durchgängig schlechte schauspilerische Riege, und vor allem sehr viel Gore und Sex aus, ohne dabei jedoch großartig die Grenzen zu strapazieren, schließlich waren es weder Hardcorepornos noch brutalste Zombiefilme, sondern lediglich billig zusammengeschusterte B-Movies. Unter diese Kategorie fallen auf jeden Fall alle frühen Russ Meyer, Roger Corman und alle möglichen Highway-Verfolgungsjagdfilme. Doch auch solche Filme wie die ganzen Shaw-Brothers Filme oder einige John Carpenter-Filme könnte man in diese Kategorie pressen.
Das sollte den Begriff Grindhouse erklärt haben.

Von einer Hommage wird man nun erwarten können, dass eine ähnliche Story erzählt wird wie sie damals an der Tagesordnung war, vor allem mit ähnlichen stilistischen Mitteln. und man kann vielleicht auch noch hoffen, dass ein paar der "Altstars" von damals mitmischen werden.
Wer Death Proof (Der andere Film dieser kleinen Hommage!!) gesehen hat, weiß nun, was für Filme in diese Kategorie fallen, schließlich werden dort ein halbes dutzend dieser Filme direkt erwähnt, sei es nun Irrer Larry, kesse Mary, Fluchtpunkt San Francisco oder die Blechpiraten (das Original von Gone in 60 Seconds...).
Wer aber Death Proof gesehen hat, sollte als Fan dieses Genres auch wissen, dass jener Film vielleicht als Vorlesung für Filmstudenten herhalten kann, oder als ein Film, der zeigt wie gut sein Regisseur ist, und das der Regisseur das auch weiß (für die, die es nicht wissen: Quentin Tarantino!), andererseits ist dieser Regisseur dermaßen selbstverliebt, dass er zwar um das Projekt weiß, aber dennoch sich selbst beweihräuchert und ein teilweise hochklassiges Autorenfilm als B-Movie präsentiert.
Kurz: Wer Deathproof gesehen hat, hat zwar einen guten Film gesehen, aber keine wirkliche Hommage an die Grindhouse-Movies.

Dieses gelingt Planet Terror auf geniale Art und Weise.
Insofern mag Planet Terror aus objektiver Sicht betrachtet vielleicht sogar der schlechtere der beiden Filme sein, in gewisser Weise macht ihn das aber gerade zu dem besseren!!!

Planet Terror ist ein einziger billiger B-Movie-Abklatsch, von der Wahl der Darsteller über die Inszenierung, über die Wahl der Filmmusik über die ganzen skurrilen Ideen hinweg über alle Grenzen überschreitend.
Da ist die typische Einführung aller relevanten Charaktere
wie sie üblicherweise in John Carpenterfilmen wie zum Beispiel the Fog eingeführt werden: kurez irrelevante Episödchen zeigen sofort, was für ein Charakter vor dir steht. Es wird nie eine große emotionale Bindung aufgebaut, gerade so, dass man weiß, wer was ist, wofür er da ist, wie seine Rolle im Ganzen zu verstehen ist.
So weiß man beispielsweise auch von seiner Erfahrung mit den Movies aus jener Zeit, in welcher Reihenfoolge wie sterben wird, und dennoch ist es erstaunlich witzig, wenn einer beim Sterben noch von verfluchten Mittwochs redet.
Oder man weiß auch, wer aus Versehen in den eigenen Reihen herumballern wird. Dennoch ist es erstaunlich kurzweilig und verdammt konsequent umgesetzt (SPOILER: So wird auch nicht davor zurück geschreckt, einen Jungen sich selbst in den Kopf schießen zu lassen. Hört sich mies an, ist aber erstaunlich locker und lustig umgesetzt, halt typisch B-Movie eben!! SPOILER ENDE)

Die Musik unterstreicht diesen positiv billigen Eindruck nur noch mehr: Ist anfangs die ganze Zeit über eine Carpenter-Ähnliche Musik zu hören, ertönt sobald Michael Biehn das erste Mal die Bühne betritt, ein Score, der verdächtig ähnlich nach Terminator klingt, wohl gerade so verändert, dass keine Lizenzgebühren gezahlt werden müßten.

Natürlich hat das Bild immer mal wieder Kratzer, verschwimmt mal "aus Versehen", die Farben ändern sich, eine Filmrolle "fehlt", alle Mädels wirken billig und geil, aber das will man ja genauso, wenn man in diesen Film geht.
Das Ende ist genauso, wie es sein sollte, genauso billig, wie doof und genauso wie es vielleicht in italienischen Endzeitfilmchen gewesen sein wird.

Ein besonderer Pluspunkt ist natürlich, dass wieder dieser Sheriff mit dabei ist, der in so ziemlich jedem neueren Tarantino-Film mitgespielt hat und seinem Sohn Nummer Eins immer was erklären mußte, erfrischend selbstironisch von Michael Parks verkörpert.
Und diesmal erfährt man noch ein bißchen mehr von seinem familiären Hintergrund.

Der Humor kommt in keinster Weise zu kurz, und peppt den ganzen Film nur noch weiter auf, wodurch er fast schon in Sphären eines From Dusk till Dawn kommt, aber eben nur fast, denn dafür ist Planet Terror einfach nur zu schäbig und weniger cool.
Zwar fast genauso cool oder sexy, aber etwas fehlt da halt noch.

Und mit diesem Werk beweist Robert Rodriguez ein für allemal, dass er keinesfalls ein begnadeter oder genialer Filmemacher ist, aber dass er im Moment vielleicht der beste B-Movie-Regisseur in Hollywood ist. Immer wenn er schäbige Filme drehen will, wird er ganz groß.
Versucht er sich mit anderen Sujets anderer Natur ist er meistens nur schlecht.
Rodriguez zeichnet aus, dass er experimentierfreudig ist, dass er schnell und preiswert arbeitet und dass er nicht das Zeug dazu hat, ein ganz großer zu sein. Dafür ist er aber auch erfrischend auf dem Boden geblieben und anscheinend ein bekennender B-Movie-Fan.
Im Gegensatz zu Tarantino, welcher ja quasi ebenfalls ein bekenennder B-Movie Fan ist, aber der es anscheinend nicht unterlasen kann, seine eigene Klasse zu demonstrieren, oder einfach mittlerweile gar nicht mehr anders kann.
Während ich mich also bei Rodriguez immer auf den nächsten Scheißfilm freue und hoffe dass er nicht wieder so ein Spy Kids oder einen überambitionierten sinnentleerten Irgendwann in Mexiko-Quatsch dreht, hoffe ich mittlerweile bei Tarantino, dass er endlich mal wieder einen guten Film dreht, der nicht in dieser übersteigerten Irrwitzigen Sohn-Nummer-Eins-Kill-Bill-Planet-Terror-Welt spielt.

Planet Terror macht also mächtig Spaß, hat ganz großes Kultpotential, ist auf der neueren Zombiewelle einer der besseren Filme, und ist eigentlich die perfekteste Grindhouse-Hommage, die man sich vorstellen kann, da sehr viele Szenen irgendwie auch Wiedererkennungswert haben.
Wenn man vermessen sein will, oder blasphemisch, kann man sogar fast so weit gehen zu behaupten, dass Planet Terror für den Grindhouse-Movie das ist, was Tote tragen keine Karos für den Film Noir war. Vielleicht sogar noch mehr?

Als Film selbst 7 Punkte, als Hommage 10 Punkte, macht 8,5 aufgerundet 9 Punkte

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