Review

Was haben wir uns nicht alle auf diesen Streifen gefreut, wir die von Asphalt Zombies bis zum Samen des Bösen jeden Schmock mit Freude über uns ergehen ließen. Die als 13 Jährige vor den 1-2-3 Kinos in der Bahnhofgegend standen und Lobbycards und Filmposter von Woodoo oder Man-Eater bestaunten. Alleine schon die Bilder beflügelten unsere Fantasie und wir setzten alles daran Einlaß in die 17 Uhr Vorstellung zu bekommen. Manchmal klappte es, oft scheiterte es einfach am eigenen Muffensausen vor dem erwischt werden. In den Fällen, in denen wir unsere eigene Angst und den desinteressierten Kartenverkäufer an der Kasse ein Schnippchen schlugen, wurden wir dann doch meist enttäuscht. Das gesehene hatte irgendwie nichts mit dem in unserer Fantasie erhofften Knaller zu tun. Aber das Gefühl einen verbotenen Film gesehen zu haben und der Neid, der anderen, die nur von diesem Film gehört hatten, entschädigte uns für alles.

Heute ist das ein wenig anders. Der Schmuddel ist gesellschaftsfähig geworden, Schmodder gehört zum guten Ton des Mainstreamkinos. Die Neuverfilmungen der damaligen Bahnhofskinofilme laufen im großen Saal der Multiplexe und erspielen am erstem Wochenende mehr Dollar als ihre Vorbilder seit ihrem Bestehen. Als ich vor etwa einem Jahr zum erstenmal über das Grindhouse Doublefeature im Internet las und noch dazu den inoffiziellen Trailer sah, war ich jedoch wieder vom Fieber jenes 13 Jährigen erfaßt, der sich vor über 25 Jahren die Schaukästen am Schmuddelkino in der Stadt anssah. Der erste Dämpfer kam dann Anfang des Jahres, als erste Meldungen über die Verhackstückelung des Doublefeatures in zwei eigenständige Filme aufkamen. Tarantinos Deathproof, ein guter jedoch nicht besonders guter Film und diverse Vorabreviews letzte Woche dämpften meine Erwartungen an Planet Terror noch einmal gehörig. Und so sah ich mir Planet Terror mit stark eingeschränkter Erwartung an. Eigentlich die optimale Vorrausetzung für diesen Film.

Und so kam es auch, daß Planet Terror mich in der ersten Stunde hervorragend amüsierte. Es sah so aus als hielte er die Versprechungen des Filmplakates und der Lobbycards. Nicht zuletzt aufgrund eines hervorragend bösen Josh Brolin. Es macht einfach Spaß wie er den eiskalten gehörnten Ehemann gibt, der seiner Frau auf die Schliche kommt. Und auch wenn Rodruigez schon in dieser ersten Stunde den einen oder anderen Lacher zu offensichtlich plaziert, das Gedärm- und Blutsacklevel stetig in neue Höhen treibt und die Bild und Tonqualität ein wenig zu sehr verhunzt, die Choose scheint zu funktionieren. Der Kenner erkennt natürlich sofort die eine oder andere Szene aus dem großem Topf der hier so schön gehuldigten Genrevertreter. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, seine eigenen Produktionen zu zitieren. Nach etwa 60 Minuten schaut man auf die Uhr und fragt sich, was denn noch so alles kommen wird, viel Pulver hat Rodruigez bis dahin schon verschossen, in einem Film, der mich am ehesten an die frühen Return of the Living Dead Teile erinnert, jedoch bis dahin wesentlich mehr zu bieten hat. Der 13 Jährige in mir hat die Macht übernommen.

Aber da passiert es, Rodruigez fängt an Fehler zu machen. Konnte man gerade noch über einen gefakten Filmriß mitten in einer fast schon peinlichen Fastsexszene schmunzeln, schlägt der Film plötzlich von liebenswert ins einfach nur noch ärgerliche um. Nicht nur daß ihm wenig einfällt um aus dem angepeilten 75 Minüter einen etwas über 100 Minüter zu machen, nein, er läßt aus seiner Hommage einen Klamauk werden und gibt damit der bis dahin zwar nur spärlich, aber vorhandenen Atmosphäre, den Todesstoß. Wenn El Ray auf einem Minimotorrad die Zombies am Straßenrand abballert, hat dies mehr mit einer Leslie Nielsen Gurke gemein, als mit einer Ehrerbietung an das Grindhousekino. Wenn Cherry Darling mit angeschraubter Ballermannprothese über das Militärgelände stolpert erinnert mich dies an Scary Movie und nicht an einem der doch so geliebten Exploitationer. Und auch Tarantinos Cameo geht so ziemlich in die Hose oder besser gesagt daneben. Der Gag des sich auflösenden Gemächts ist so unterirdisch, daß einem einfach die Worte fehlen. Rodruigez macht aus seiner angedachten Hommage eine schlechte Persiflage. Diesen Eindruck untermauert auch noch einmal die wirklich schlechte Schlußszene.

Tja, wie soll man einen Film bewerten, dessen erste Hälfte als äußerst gelungen und begeisternd unterhaltsam bezeichnet werden kann, dessen zweite Hälfte den Film aber in die Abgründe einer Zucker & Zucker Produktion zieht? Zum einen haben wir zwar einen aufwendig in Szene gesetzten Zombiespaß, mit vielen Zitaten, einem gut aufgelegtem Cast, viel Gore, viel Blut, sexy Darstellerinnen, coolen Darstellern, eine Menge Action. Auf der anderen Seite verliert der Film in den letzten 40 Minuten dermaßen an Qualität, daß einem fast die Spucke wegbleibt. Von dem versprochenem Schmuddelfilm bleibt nur noch ein Gagfestival für das Mainstreampublikum, daß wahrscheinlich gar nicht versteht, wie viel Potential hier auf der Strecke bleibt. Schon wieder so ein Film, der doch nicht hält, was das Plakat versprochen hat. Das Gefühl etwas verbotenes gesehen zu haben fehlt mir auch und auf den Neid der Weicheier muß verzichtet werden. Der Großteil des Publikums wird sicherlich begeistert den Kinosaal verlassen, diejenigen unter uns, die sich einen intelligenten Splatterspaß erhoffen werden sicherlich enttäuscht.

Knappe 6/10 Punkte, leider.

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