Review

Die Hommage an die Schmödderfilme der 70er geht weiter, im Vergleich zum „Grindhouse“ – Beitrag „Death Proof“ mit noch mehr Romms Bomms, Ekel und Gekröse.
Und in Sachen Zombiefilm könnte man die Regiearbeit Rodriguez´ und die von Romero mit den Tätigkeiten eines Gärtners im Herbst vergleichen: Romero stutzt ab und an mal einen Zweig, zum Finale einen Ast, bei Rodriguez wird grundlegend jeder Baum komplett gefällt.

So sieht man schnell über die oberflächlich und überraschungsarm gestrickte Story hinweg, in der sich Überlebende einer Zombie-Epidemie gegen glibbernde und rünstige Angriffe Mutierter erwehren müssen. Stattdessen man setzt mit Vollgas auf Fun-Splatter und skurrile Einfälle.
Denn im Normalfall heben Hunde ihr Bein zum Pullern, Rose McGowan macht dies, um mit ihrer MG-Beinprothese Horden von Zombies niederzumöllern.

Sie gibt die ehemalige Go-Go-Tänzerin Cherry, die sich an der Seite ihres Ex Wray (Freddy Rodriguez), einem Revolverhelden und Martial Arts- Freak behaupten muss. Dazu kommen vogelige Gestalten wie ein Schmierkoch mit dem besten Barbeque von Texas, dessen Bruder, der als Cop im Ort fungiert, ein sich hassendes Ärztepaar (sie ist stark im Umgang mit Spritzen, er ist stark in Sachen Sadismus), bitchige Babysitter-Zwillingsschwestern und Michael Parks, der nach „From Dusk Till Dawn“ und „Kill Bill“ zum dritten Mal in die Rolle des altehrwürdigen Cops Earl McGraw schlüpft.

Rein äußerlich funktioniert dabei die Anlehnung an die Schmuddelfilme der dreckigen Bahnhofskinos von einst recht gut. Rodriguez setzt bewusst in unregelmäßigen Abständen auf Verunreinigungseffekte, die wie Ablagerungen auf der abgenutzten Filmrolle wirken, bis an einer Stelle gar das Band reißt, wodurch der Plot einen kleinen Versatz erhält.
Auch Rodriguez Score punktet mit sleazigen Tracks einerseits und einem sich wiederholendem Thema andererseits, entsprechend minimalistisch gehalten, wie man es selbst noch von C-Slashern der späten 80er gewohnt ist.
Dabei belässt er es natürlich nichts dem Zufall und die scheinbar unfreiwillige Komik wirkt hier zuweilen etwas aufgesetzt, denn seinerzeit wusste man sich halt nicht besser zu helfen, während hier das Blut sehr gezielt aufs Kameraobjektiv spritzt.
Besser und in geballter Form von drei Minuten bekommt man eine perfekte Hommage in dem Bindeglied-Trailer „Machete“ mit Danny Trejo zu sehen, der sämtliche Eigentümlichkeiten damaliger B-Actioner auf den Punkt bringt.

Auf der anderen Seite lockern während des Hauptfilms einige humorige Insider Gags und Anspielungen das Terror-Geschehen angenehm auf, auch wenn sarkastischer Humor an jeder Ecke lauert, denn ein abgetrenntes Bein gilt hier nur als kleiner Kratzer.
Kein Wunder, denn wenn es zur Sache geht, dann macht Rodriguez keine halben Sachen.
Wo man nur hinsieht, gibt es Shoot-Outs mit den reinsten Blutfontänen, 30 ausgeschaltete Untote in zwei Sekunden sind da nichts. Dazu zerrissene Körper, pulsierende Eiterpusteln, Tischbein und Spritze in den Augen dessen, der es verdient und von Fahrzeugen übermöllerte Infizierte, die zum Teil, sofern noch als Lebewesen auszumachen, an den Autos kleben bleiben.
Dabei ist das Tempo enorm und man kann sich gewiss nicht über mangelnde Beweglichkeit beklagen.

Auch wenn es storytechnisch reichlich lau und vorhersehbar bleibt, wobei man auch gerne einen überraschenden Verlauf in Kauf genommen hätte, so ist Rodriguez Umsetzung doch ein fast dauerhafter Hingucker. Allein einige Schnitte, bei denen man denkt, nun geschieht einer Figur ein derbes Unglück, sind so geschickt platziert, dass man im gleichen Montagetempo am anderen Schauplatz fortsetzt und somit bei Laune gehalten wird.
Dabei gibt es eine Menge im Hintergrund zu entdecken und wenn man gerade nicht auf des Sheriffs Kiste mit der Aufschrift „All or Nothing Box“ aufmerksam wird, oder übersieht, dass in einer einzigen Szene ein angewendeter Rotfilter verschiedene Einsatzstärken annimmt, wird man mindestens schmunzeln, wenn einem eine zynische Wahrheit im Zusammenhang mit bin Laden und der Figur von Bruce Willis verdeutlicht wird.
Ohnehin stehlen viele bekannte Gesichter in Nebenrollen den Hauptdarstellern teilweise die Show, in der Rose McGowan einen etwas blassen Freddy Rodriguez klar an die Wand spielt.
Neben Jeff Fahey, Tom Savini und Stacy Ferguson von den „Black Eyed Peas“ gibt sich auch Regiefreund Quentin Tarantino die Ehre.

Alles in allem liefert „Planet Terror“ also eine unterhaltsame Schlachtplatte, die zwar teilweise etwas bemüht wirkt, in Sachen Fun-Splatter aber auf willkommene Übertreibung setzt und sich nicht mit Ekelszenen zurückhält. Vielleicht nicht so flockig wie der Wegbereiter des Subgenres „Braindead“, aber fürs geneigte Auge werden gewiss genügend Schauwerte zu entdecken sein.
8 von 10

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