"Verfluchte Drecksbrut!"
Mit seinem Beitrag zum "Grindhouse"-Double-Feature "Planet Terror" serviert Robert Rodriguez ("Sin City") besten Trash-Horror mit einer guten Portion rabenschwarzen Humors.
Bei der Übergabe von Giftgas an eine Gruppe Soldaten unter der Führung von Lt. Muldoon (Bruce Willis) kommt es zu einer Schießerei, wobei der Biochemiker Abby (Naveen Andrews) die Tanks trifft und Gas entweicht. Der hochgradig ansteckende Virus im Gas befällt die Bevölkerung und wandelt sie in hirnlose Monstren, die auf Menschenfleisch aus sind. Die Seuche trifft zuerst ein Krankenhaus, in dem das sich in einer Krise befindende Ärzte-Ehepaar Dakota (Marley Shelton) und William Block (Josh Brolin) die Wandlung der Menschen hautnah miterlebt. Auch die Go-Go-Tänzerin Cherry Darling (Rose McGowan) befindet sich in diesem Krankenhaus, die durch einen Angriff der Zombies ein Bein verlor. Als die Hilfseinrichtung im Chaos versinkt eilt ihr Ex-Freund El Wray (Freddy Rodriguez) zu Hilfe. In einem abgelegenen Barbecue-Restaurant finden die beiden sowie weitere Überlebende einen kurzen Moment Ruhe, bis eine Welle Untoter das Restaurant angreift.
Für die internationale Kinoauswertung liegt "Planet Terror", wie auch schon "Death Proof", in einer längeren Fassung als für die US-Vermarktung vor, bei welcher beide Filme zusammen als ein Double-Feature zu sehen waren. Zum Opfer fielen dabei die kurzweiligen Fake-Trailer, die bei "Grindhouse" zwischen beiden Einzelfilmen zu sehen waren. Einzig der Fake-Trailer "Machete" läuft direkt vor "Planet Terror" und bietet bereits einen Vorgeschmack auf das kommende sinnfreie Splatterkino.
"Planet Terror" ist das komplette Gegenteil von Tarantinos "Death Proof". War letzterer noch anspruchsvolles, subtil angehendes, gleichzeitig aber auch ermüdendes Exploitationskino, so ist Rodriguez' Werk laut, hirnlos und immens actionreich. Der Anspruch liegt im Detail, wie beispielsweise den vielen kleinen Querverweisen zu "Death Proof" oder den Parallelen kleinlauter Bahnhofs-Filme aus den 70ern, deren Stimmung "Planet Terror" hervorragend einfängt.
Produzent Rodriguez liefert ein Werk ab, das mit voller Absicht darauf abzielt, schlecht zu sein. Gewaltige Bildstriche wechseln sich ab mit Tonproblemen und Aussetzern bis zum fehlen ganzer Filmrollen. So wie das Grindhouse-Kino der 70er-Jahre abseits des Mainstreams tatsächlich war wird "Planet Terror" präsentiert: Action, Gewalt, Blut, Ekel, Sex, garniert mit scharfen Frauen und coolen Typen im trashigen B-Movie-Ambiente. Dabei bleibt die Handlung genauso auf der Strecke wie die Figurenzeichnung. "Planet Terror" setzt einzig auf überzogenes Spaßkino und dies mit hohem Blutzoll.
Ähnlich Peter Jacksons Film "Braindead" unterhält Rodriguez Film auf überzogene, nicht ernst zu nehmende Weise, vorausgesetzt man kann den hohen Splatter- und Ekelfaktor ertragen. Bemerkenswert weit geht er mit der detaillierten Darstellung von zerplatzenden Köpfen, abgetrennten Gliedmaßen, heraus gerissenen Eingeweiden, Blutfontänen oder völligst zerfetzten Körpern. Die Darstellung ist dabei so überspitzt, dass sie die meiste Zeit amüsiert, zeitweise aber auch beim Anblick weh tut und einen gewissen Ekel verbreitet. Für ein Massenpublikum ist dieser Film nicht geeignet, dafür freuen sich alle Gorehounds umso mehr über die sehenswerten, handgefertigten Effekte.
Abgerundet wird das Schlachtfest durch einen fetzigen Soundtrack, einfallsreiche Actionszenen, spektakuläre Stunts und ein starkes Darstellerensemble. Es kommen nicht nur Stars, wie Bruce Willis ("Pulp Fiction") oder Quentin Tarantino ("From Dusk Till Dawn") vor, sondern auch bekannte Gesichter aus den 80ern, wie Michael Biehn ("Terminator") oder Seriendarsteller / -innen, wie beispielsweise die Schauspieler Rose McGowan ("Charmed"), Freddy Rodriguez ("Six Feet Under") sowie Naveen Andrews ("Lost"). Ihre Performance ist mal spassig, mal überzogen, aber stets passend den Ansprüchen des Films.
"Planet Terror" ist hirnloses Splatterkino getrimmt auf 70er Jahre Niveau, das einzig der Unterhaltung dient und Spass machen soll. Diese Rechnung geht durch die gelungene Mischung aus massig Action, schwarzen Humor und schrägen Charakteren auf, wobei letztere ebensowenig Füllung haben wie die Handlung selbst. Unterm Strich funktioniert Rodriguez Beitrag zum "Grindhouse"-Feature wesentlich besser als Tarantinos dialoglastiger "Death Proof", verlangt aber nach einem gefestigten Publikum.
9 / 10