Review

Als Autor schon länger ein Begriff, kolportiert Jonathan Hensleigh für seine zweite Regiearbeit Cannibals – Welcome to the Jungle die Mär vom entlegenen Ressort, dessen Bewohner sich jeglichen äußeren Einflusses dergestalt verweigern, daß sie Eindringlinge sogleich auf den Speiseplan setzen. Aufgebaut auf dem 1961er Verschwinden Michael Rockefellers auf Papua-Neuguinea begeben sich zwei Pärchen spontan auf die Dschungel-Suche nach dem Sohn des ehemaligen Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.
Kaum etwas ist in Cannibals – Welcome to the Jungle zu spüren vom Abenteuergeist einer solchen Unternehmung, die in Zeiten von GPS und ohne die Darstellung von Gefahren aus Flora und Fauna zum mit zwei Handkameras dokumentierten Spaziergang gerät. Lediglich Grenzposten und Wegelagerer werden zu einer kurzzeitigen Bedrohung und christliche Missionare klopfen mitten im Urwald am Camp an, wie die Zeugen Jehovas die Städter aus dem Bett zu klingeln pflegen.

Die zwei Videokameras werden hingegen nötiges Stilmittel, dokumentieren sie doch den aufbrechenden Zusammenhalt der Gruppe auch nach der Trennung beider Pärchen noch erzählerisch. Die Versionen werden nicht zusammengeschnitten, sondern nacheinander abgespielt. Beide Aufnahmen laufen schließlich unabhängig auf eine Begegnung mit einem Urvolk hinaus, welches archaisch bewaffnet das Ufer eines Flusses säumt.
In Cannibals – Welcome to the Jungle deuten auf Gesteinsformationen aufgereihte menschliche Schädel auf ein drohendes Unheil hin. Hilflos, wie die Protagonisten dem Kannibalenstamm schließlich ausgeliefert scheinen, ist auch der Zuschauer gezwungen, das Geschehen aus den wackeligen Bildfragmenten zu erahnen. Hensleigh gibt zwar eine kurze, abgemilderte Referenz an Ruggero Deodato, beschränkt sich jedoch darauf, menschliche Grausamkeiten nach dem eigentlichen Akt zu dokumentieren.

Es ist deshalb kein direkter Vergleich zu ziehen mit grenzüberschreitenden Vorbildern, denen man sich für einen Film dieses Sujets inmitten einer inspirationsarmen Neuauflagenschwemme abgegriffener Horrorthemen bewußt sein mußte. Cannibals – Welcome to the Jungle scheitert jedoch nun daran, zwar an Grausamkeitsspitzen abgemildert, jedoch ohne geschaffenen Gegenpol zu bestehen. Es hebelt also die Fragwürdigkeit sich an brutalen Bildern ergötzen zu wollen keinesfalls aus und man mag nach der Attraktivität eines Filmes fragen, der eine sehr simplifizierte Handlung bietet. Da Cannibals – Welcome to the Jungle nun weder als Effektstudie noch dramaturgisch und inhaltlich besonders ansprechend wirkt, bleibt die Intention des Werkes außerordentlich schleierhaft.

Details
Ähnliche Filme