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Nach seinem Debüt "Chaos Factor" darf Regisseur Terry Cunningham das zweite Mal einen verhältnismäßig hoch budgetierten B-Actionfilm in Szene setzen. Jedoch mit dem großen Unterschied, dass "Codename: Elite" deutlich mehr Pepp und Action zu bieten hat. Ein paar ganz grottige CGI-Effekte in Form von Einschusslöchern oder den Raketenszenen zum Schluss haben leider auch ihren Weg in den Film gefunden, doch ansonsten gibt es optisch nichts zu meckern. Überrascht darf man besonders von den erstaunlich exotischen und abwechslungsreichen Locations sein, während man leider das Potential der Story nicht ganz ausschöpft.
Und zwar geht es um eine fünfköpfige Elite-Einheit, bestehend aus Jason (Jason Lewis), Joel (Joel West), Lena (Maxine Bahns), Keith (Keith Brewer) und Derek (Derek Brewer). Sie überlebten als einzige das Attentat auf ein Passagierflugzeug, Colonel McKay (Steven Williams) nahm sie damals unter seine Fittiche. Heute kämpft die Elite gegen das Verbrechen und wird durch ihren neuen Auftrag mit der Vergangenheit konfrontiert. Denn der Terrorist Avi (Jürgen Prochnow) hat ein Kriegsschiff in seine Gewalt gebracht und droht damit das Leben von Millionen von Menschen per Knopfdruck zu vernichten.

Und wie sich der Zuschauer schon denken kann, war es damals auch Avi, der das Attentat auf die Passagiermaschine verübte. Dies will man uns hier als Überraschung verkaufen, doch der Genrekenner weiß dies längst. Ansonsten ist Avi´s jüngstes Vorhaben aber nett durchdacht. Man klaut sich mit Hilfe eines korrupten Colonels Munition und kapert still und leise ein Kriegsschiff, als gute Tarnung hält der PC-Spiel Macher Tanner Gold (Michael Hagerty) her, welcher das Schiff für die Markteinführung seines neuen Spiels bestellt hat. Erinnert ein wenig an "Alarmstufe: Rot", doch "Codename: Elite" ist zu keiner Zeit ein Klon von "Stirb Langsam". Jedoch hätte man den Figuren mehr Tiefe verleihen müssen, denn über die Vergangenheit der Elite erfährt man nichts, nur ein paar Trainingssequenzen mit McKay sind während der Titelmelodie zu sehen. Hinzu kommt diese aufgesetzte Coolness, so hinterlässt die Elite oft einen arroganten Eindruck. Besonders Angst scheint keiner von ihnen zu kennen, was in einigen Sequenzen unglaubwürdig wirkt. So fällt es einem unheimlich schwer unsere Helden richtig ernst zu nehmen. Während Jürgen Prochnow (Das Boot, Judge Dredd) eine gute Show als Fiesling Avi liefert, so ist das eher unbekannte Junggemüse zu keiner Zeit in der Lage irgendwelche Akzente zu setzen. Zu durchschnittlich kurbeln Jason Lewis (Mr. Brooks - Der Mörder in dir, Let´s Kill Bobby Z), Joel West (Con Express, Scorcher), Maxine Bahns (Lost Island, Charlie Valentine) und die Brewer-Zwillinge (Nowhere - Eine Reise am Abgrund) ihre simplen Rollen herunter.

Das mag jetzt alles sehr kritisch klingen, doch der Film hat auch seine guten Seiten. Damit meine ich die an sich solide Story mit kleineren Schönheitsfehlern und Cunningham legt ein enormes Tempo vor. Für große Ermittlungen oder jegliche Emotionen bleiben der Elite kaum Zeit, denn in regelmäßigen Abständen geht es hier zur Sache. Dabei liefert Cunningham die ganze Palette von Schießereien über Verfolgungsjagden bis hin zu Kloppereien. Gerade das letzte Element dürfte häufiger zur Geltung kommen, doch Cunningham vermeidet jegliche Durststrecke und die Choreographien sind auch nicht von schlechten Eltern. Besonders die Shootouts machen einiges her, zusätzlich hat man noch einige Zeitlupen platziert und das Budget reichte noch aus, um einige Vehikel oder Inneneinrichtungen zu demolieren. So kann "Codename: Elite" zumindest auf dem Sektor Action eine kleine Hausnummer setzen und dies ist auch der Grund für die überdurchschnittliche Bewertung.

Relativ unbekannter B-Actioner, der außer ein paar miesen CGI-Effekten sehr professionel gemacht aussieht. Aus der guten Geschichte hätte man mehr machen können, besonders in Punkto der Hauptcharaktere. Hier liegt auch der Knackpunkt, denn es fehlt der Bezug zu den Hauptfiguren, die mäßigen Darsteller wirken beinahe arrogant und diese Pseudo-Coolness hätte man gerne mindern dürfen. Aber Action ist reichlich vorhanden, sogar noch schick inszeniert und da sieht man gerne über einige Mankos hinweg.

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