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Mit "Stuck" konnte "Re-Animator" Regisseur Stuart Gordon endlich mal wieder einen Treffer landen. Gordon und John Strysik (Deathbed, Tales from the Darkside) kreierten eine an sich einfache Story, die direkt aus dem Leben gegriffen sein könnte. Humorlos, grausam und menschenverachtend, so gestaltet sich auch oft unser Alltag. So übt Gordon gleich ein wenig Kritik an den Behörden und was heute vom Arbeitnehmer alles verlangt wird. "Stuck" ist ein schonungloser, stets realistisch bleibender Psychothriller, der gar nicht auf Konfrontationen oder Blutbäder aus ist und der trotzdem den Zuschauer an die Mattscheibe fesselt.

Gerade war Thomas Bardo (Stephen Rea) noch Projektmanager, nun ist er obdachlos. Da geht es der Altenpflegerin Brandi Boski (Mena Suvari) wesentlich besser. Wegen guter Leistungen soll sie sogar zur Stationsleiterin befördert werden. Doch Freitag abend lässt Brandi mit ihrem Freund Rashid (Russell Hornsby) richtig die Sau raus. Sie drinkt jede Menge Alkohol, nimmt Drogen und fährt trotzdem mit dem Auto nach Hause. Doch sie übersieht den armen Thomas, der gerade auf dem Weg zur Mission ist. Er landet kopfüber in der Windschutzscheibe und bleibt dort regungslos liegen. Brandi ist in Panik und anstatt in ein Krankenhaus zu fahren, versteckt sie den Wagen samt Thomas in ihrer Garage. Mit Rashid will sie den Unfall vertuschen, doch Thomas kann sich nach einiger Zeit befreien und hat nichts mehr zu verlieren.

"Stuck" funktioniert auch als Warnung, niemals betrunken oder unter Drogeneinfluss Auto zu fahren. Man muss sich hier in Brandis Situation hineinversetzen und darüber nachdenken, wie man selbst handeln würde. Ist man in Panik, kann es leicht zu Verzweiflungstaten kommen, auch macht sich Brandi Gedanken wegen der Polizei und was mit ihr passiert. So überlässt sie Thomas seinem Schicksal und setzt somit eine Kettenreaktion in Gang, die kein gutes Ende nehmen wird. Doch Gordon nimmt sich erstmal ein wenig Zeit für seine beiden Hauptcharaktere. Thomas hat seine hohe Position als Projektmanager verloren, konnte bis jetzt noch keine Stelle finden und ist total pleite. Er haust in einem heruntergekommenen Zimmer, aus welchem er jetzt auch hinausgeworfen wird, da er die Miete nicht mehr zahlen kann. Ein Termin auf dem Arbeitsamt läuft nicht so wie erhofft und plötzlich findet sich Thomas mit samt seinen Klamotten auf einer Parkbank wieder. Traurig aber wahr, in der heutigen Zeit kann man verdammt schnell tief sinken. Dann hätten wir Brandi Boski, die auch gerade eine schwere Zeit durchmacht. Sie soll zwar zur Stationsleiterin aufsteigen, doch dafür verlangt ihre Vorgesetzte auch gleich einige Opfer, zum Beispiel mehr Samstagsdienste. Brandi muss einwilligen, sonst sieht sie ihren Posten in Gefahr. Aber die Party in einem angesagten Club will sie sich trotzdem nicht nehmen lassen und so feiert sie ausgelassen, bis plötzlich der arme Thomas durch die Windschutzscheibe knallt und dort blutüberströmt hängen bleibt.

Brandi versteckt den Wagen in ihrer Garage, Thomas versucht sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, doch es will ihm nicht gelingen. So hängt er dort stundenlang und mit Brandi geht es derweil auch bergab. Sie kommt zur spät zur Arbeit, geht einfach wieder weil sie ihr Handy im Auto hat liegenlassen und zu guter Letzt erwischt sie ihren Freund Rashid mit einer anderen im Bett. Thomas gelingt es mit Brandis Handy bei der Notrufzentrale anzurufen, doch er weiss gar nicht wo er ist. Schließlich kann sich Thomas unter Schmerzen doch befreien und will fliehen. Er will keine Rache und wird auch nicht zum Psychopaten, er will einfach nur weg. Doch Brandi kann das nicht zulassen. Mit Rashid will sie Thomas entgültig loswerden und erst dann beginnt sich der Verletzte zu wehren. Doch "Stuck" ist nicht auf blutige Morde oder Zweikämpfe aus, obwohl die Szene mit dem Kugelschreiber im Auge ganz schön heftig ist. Obwohl man als Zuschauer wirklich lange mit Brandi mitfiebert, hört das Verständnis bald auf. Man wünscht Thomas förmlich, dass ihm die Flucht gelingt.

Dass "Stuck" so gut funktioniert, liegt auch an den beiden großartigen Hauptdarstellern. Mena Suvari (American Pie, Spun) gibt die biestige und drogenabhängige Brandi sehr glaubwürdig. Die entwickelt sich zur wahren Furie, muss dafür aber auch den Preis bezahlen. Auch Stephen Rea (V wie Vendetta,  Until Death) schauspielert exzellent. Seine Figur bleibt menschlich und entwickelt sich trotz allem, was man ihm antut, nicht zum 08/15 Psychopaten. Er handelt nur aus Notwehr und er kann einem eigentlich nur leid tun. Die restliche Riege macht ihre Sache auch sehr gut, spielt aber nur die zweite Geige.

"Stuck" entwickelt sich langsam aber kontinuirlich zu einem bösartigen und stets realistisch bleibendem Psychothriller. Selbst die Kritik an der heutigen Arbeitswelt und dem Behördenwahnsinn funktioniert bestens. Mena Suvari und Stephen Rea spielen ihre Rollen sehr intensiv und Gordon lässt "Stuck" nie in Klischees versinken. Echte Wendungen sind zwar rar gesäht und ab und an ist sein Film ein wenig geschwätzig, doch insgesamt ist ihm hier ein kleines Meisterwerk gelungen.

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