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Eine Woche überleben für eine Million Mark. Darum geht’s in der populären Fernsehshow „Das Millionenspiel“, die ein echter Straßenfeger ist. Aktueller Kandidat ist Bernhard Lotz, der von der Köhler-Bande gejagt wird, denn die hat nur eine Aufgabe – ihn zu eliminieren.

Die Besetzung ist stimmig, Jörg Pleva als Gejagter verkörpert den normalen Typen glaubhaft. In ungewohnter Rolle (aber gut) ist Dieter Hallervorden völlig humorbefreit als Anführer des Killertrupps. Dem Szenario die Krone setzt jedoch die Besetzung des Showmasters auf, hier kann man den Moderator Dieter Thomas Heck sehen, was der Inszenierung einen realistischeren Anstrich gibt.
Abseits der Grundidee, die später in Filmen wie „Running Man“ im Mittelpunkt stand, gibt sich die Sendung gewollt bodenständig. Als Kulisse diente mit Osnabrück eine unverbrauchter Szenerie, welche ein Gefühl von „das kann auch in ihrer Stadt laufen“ transportiert.

Leider wirkt aus heutiger Sicht alles etwas kleiner, im Kontext seiner Entstehungszeit betrachtet hat man es aber mit einer gelungenen Satire zu tun, die einiges der späteren Fernsehlandschaft vorwegnahm. Privatfernsehen und unterbrechende Werbeclips beispielsweise. Bei letzteren geht’s nur um Hedonismus, sex sells eben. Und auch, wenn es ohne diesen Kniff nicht funktioniert hätte, aber es scheinen in jeder Wohnung Kamerateams parat zu sein, die die Flucht von Lotz dokumentieren. Interessant die Interviews mit Passanten und Zuschauern, die sich zu dem Kandidaten und zum Format an sich äußern; diese sind authentisch gehalten, wobei ich mich frage, warum so viele Leute im Studio sitzen, die mit dem Programm nichts anfangen können. Letztlich überwiegt also doch die Sensationsgier über die Moral – das dürfte eine weitere Erkenntnis aus Tom Toelles Film sein.
Das spiegelt sich auch darin wieder, dass wie Orwells „Krieg der Welten“-Radiospiel der Film von manchen für bare Münze genommen wurde und sich sogar Leute für die nächste Ausgabe bewerben wollten. Unterschätze nie deine Konsumenten. Kann mir keiner erzählen, dass so eine Sendung nicht ihre Fans finden würde.

Zwar inzwischen etwas angestaubt, ist die Grundidee zeitlos und waren Versatzstücke im Hinblick auf die Entwicklung der TV-Landschaft geradezu prophetisch. Trotz ein paar in Kauf zu nehmenden Ungereimtheiten machen die Grundidee, eine gute Besetzung und die straffe Inszenierung „Das Millionenspiel“ auch heute noch zu einem sehenswerten Fernsehfilm.

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