Review

Wie man sich doch täuschen kann.
Da liest man von einem Festivalerfolg (man hätte gewarnt sein können, schließlich ist das FFF eine Ansammlung von sich gegenseitig in Vorfreude hochschaukelnden Fans) und glaubt, nach all dem brutalen Billighorror und Tortureporn, ist das Gruselkino mit dem überraschenden Boxofficeerfolg „The Strangers“ wieder auf dem Weg nach vorn – und dann das.

Terrorkino braucht nur wenige Erklärungen, die Wirkung ist das Ziel und wenn sich dabei noch ein paar schöne Aussagen zum gesellschaftlichen Zustand oder sonstigen Kontexten zusammenstricken lassen, dann ist man ja schon fast glücklich. Aber „The Strangers“ versuchts mal ganz anders, nämlich indem man die Story ganz einfach per Bildeinblendung als „wahren Fall“ auf dem Jahr 2005 eintütet.

Das soll natürlich irre Gewicht geben, zusammen mit der Ankündigung von soundsoviel Millionen Gewaltverbrechen, über die das FBI Buch führt und das nun folgende noch unaufgeklärte Verbrechen. Ergo kann da nur etwas Fieses und Brutales kommen, mit bösem Ende und so weiter, so macht man das sensationsgeile Publikum natürlich gibberig.

Nur: dran ist an dem ganzen Käse so gar nichts, schon gar kein wahrer Fall, weswegen ich mich schon mal persönlich in meiner Intelligenz beleidigt fühle, was sich noch verstärkt, wenn man liest, die Manson-Morde (die nun wirklich in einen soziologisch-gesellschaftlich-historischen Bezug eingearbeitet werden könnten) wären eine große Inspiration gewesen. Ach du liebe Güte, Mr. Bryan Bertino, da haben sie sich mit ihren 30 Jährchen als Autor und Regisseur aber gewaltig übernommen.

Was nach kompletter Ansicht bleibt, ist der Verdacht, daß es wohl nur darum ging, zu zeigen, daß es auch unerklärliche und sinnlose Verbrechen gibt – schön, das ist nun im Zeitalter von „Bild“ wahrhaftig keine neue Kolportage.
Die garantiert aufregende Story vom unglücklichen Pärchen (da sie seinen Heiratsantrag gerade abgelehnt hat), daß in einer Waldhütte von drei Maskierten terrorisiert wird, bietet genau das und sonst nichts.
Erklärungsfrei, motivationslos, das ist schon eine ganz üble Sache.

Damit so etwas aber funktioniert, muß man mit den vermeintlichen Opfern auch Mitgefühl empfinden, die Figuren müssen einem wichtig sein und man sollte eine emotionale Verbindung zu den Figuren aufbauen können.
Das wird aber nichts, denn nachdem die beiden in den ersten quälend lahmen 15 Minuten, in denen nun wirklich gar nichts passiert, dauerhaft ein paar sinnentleerten Worthülsen abgesondert haben, die so berückend sind, daß man nach Kopfkissen und Wolldecke verlangt, ist es eigentlich schon egal, wenn der Terror losgeht.
Ein ähnliches Sujet behämmerte ja schon vor einiger Zeit der Film „Motel“, dort aber wurde zumindest Abwechslungsreichtum geboten und die Bedrohung wurde zunehmend substanziell.

Hier passiert im Wesentlichen gar nichts, was die Faszniation irgendwie steigern könnte. Der Verfremdungseffekt der Masken, die die Eindringlinge tragen, ist zwar ganz nett, aber irgendwann ödet der Klopfen-Hämmern-Einschlagen-Klauen-Rabatz nur noch an, denn es steigert sich nichts. Und die Ich-steh-gerade-hinter-dir-und-du-siehst-mich-nicht-Attitüde, gepaart mit dem dauerhaften Und-mit-dem-nächsten-Schnitt-bin-ich-verschwunden-Trick nervt spätestens beim zehnten Einsatz nur noch ohne Ende.

In der Zwischenzeit haben unsere beiden Pappkameraden natürlich nichts zu tun, als verwirrt bis verängstigt durch die Zimmer und das umliegende Gelände zu schleichen, was nur halb so aufregend ist, wenn die Darsteller aus Scott „Ich-war-schon-in-Underworld-fade“ Speedman und Liv „Ich-seh-gut-aus-aber-mehr-Talent-als-einen-Schmollmund-hab-ich-nicht“ Tyler bestehen.
Da bekommt man lediglich den Eindruck, das schon dutzendfach anderswo gesehen zu haben.

Was extremer Spannungsverdichtung bedürfte, verkommt zusammen mit den Behelfsdialogen aus der Mottenkiste und wenig sinnvollen Befreiungs- oder Kontaktversuchen zunehmend zu einer beim Publikum eher komisch anmutenden Endlosschleife, an deren Ende nur noch die Frage steht: soll das nun ein böser Scherz sein oder wird jetzt noch einer gemeuchelt? Und wenn Letzteres, dann fangt bitte langsam an.

Und auch das Ende bringt wenig Neues, sondern eher noch mehr Fragen, was wohl listigerweise beabsichtigt war, aber eher generelle Unzufriedenheit verursacht.
Dabei dauert der ganze Spuk nur 85 Minuten, die sich aber wie zwei Stunden anfühlen und inhaltlich eher für eine gepflegte 45-Minutenfolge einer Horroranthologie geeignet gewesen wären – so dreht sich der Film im Leerlauf und für so eine simple (wenn nicht infantile) Botschaft der Unerklärlichkeit des Bösen, ist mir mein Geld ehrlich gesagt zu schade.

Was soll man also mit so einem Film anfangen: für einen Reißer hat er nicht genug Gehalt, für einen Suspenser sind einem die Figuren zu egal, für einen Thriller erstickt das immer wieder alles im Leerlauf, für ein Drama fehlt inhaltliche Substanz. Wie dieser doch recht angejahrte Käse über 50 Millionen machen konnte, kann wohl nur mit Teenagerhormonen erklärt werden. (4/10)

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