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"Wieso tut ihr das?" ... "Weil ihr zu Hause wart."

Nach einer Hochzeitsfeier bei Freunden macht James (Scott Speedman) seiner Freundin Kirsten (Liv Tyler) einen Heiratsantrag. Diese lehnt aber ab, da sie sich zu diesem Schritt noch nicht bereit fühlt. Als die beiden mitten in der Nacht in das abgelegene Sommerhaus der Familie ankommen, ist die Stimmung noch immer am Tiefpunkt. Viel Zeit zum durchatmen bleibt ihnen aber nicht, denn gerade als sich die Situation wieder etwas entspannt klopft es an der Tür. Das junge Mädchen vor der Tür will eine Freundin besuchen. James und Kirsten schicken sie weiter, da sie sich vermutlich im Haus geirrt hat. Als James kurz Zigaretten holen geht klopft es aber erneut. Verschreckt lässt Kirsten die Tür geschlossen, erkennt aber drei Fremde mit merkwürdigen Masken die um das Haus herum schleichen und sich Zugang verschaffen.

"The Strangers" macht eine klare Ansage, denn bereits in den ersten Minuten wird das Ende vorweg genommen. Die darauf folgende Aufarbeitung der Handlung erfolgt mühsam, obwohl sich die Inszenierung reichlich Mühe gibt, die beiden Hauptcharaktere als Wesen aus Fleisch und Blut zu etablieren.

Genretypisch fällt das Charakterdesign mickrig aus. Eine gescheiterte Beziehungskiste auszuschlachten ist zwar gut gemeint, baut aber kaum Bezug zum Zuschauer auf. Somit fehlt eine Identifikationsfigur.
Die Täter bleiben durchgängig gesichtslos. Den größten Teil des Films tragen sie anmutige Porzellanmasken bzw. einen ausgeschnittenen Strohsack über dem Kopf. Auch wenn die Maskerade fällt und die Unbekannten den Opfern ihr Gesicht zeigen, bleibt dies dem Zuschauer vorenthalten, ebenso ihre Ambitionen für ihre Taten. Ein Pseudo-Alibi wird zwar gesetzt, dies reicht aber nicht um sie zu personifizieren.

Der erfolgreiche Schocker setzt nicht auf modern gewordene Splattereffekte und Folteraktivitäten sondern klassischen Grusel und Schreckeffekte. Sobald das Revier abgesteckt ist, gelingen dem Film einige beeindruckende Schockeffekte, die jedoch im weiteren Verlauf zunehmend dem reinen Selbstzweck dienen. Klischees wie leere Handy-Akkus oder die unterschätzte Bedrohung werden gnadenlos abgearbeitet ohne die Spur einer Neuerung zu bieten. Und hier versteckt sich eines der größten Probleme. Obwohl die Atmosphäre stimmig ist und die Abgrenzung auf das abgeschiedene Sommerhaus beklemmend dargestellt wird, wird man gleichzeitig das Gefühl nicht los alles schon einmal gesehen zu haben. Da kommt schnell Langeweile auf, zumal die Handlung wenig ereignisreich und der Beginn recht ruhig ausfällt.
Eine ähnlich große Stolperfalle sind die Logiklöcher sowie die nicht nachvollziehbaren Handlungen der Figuren. Die Hauptcharaktere wirken eher dümmlich als verzweifelt, reagieren auf beengende Situationen jenseits des gesunden Menschenverstandes. Die Täter dagegen übermenschlich, zu schlau, zu schnell, gleich einem Phantom, das sich mal kurz sehen lässt und schnell wieder unsichtbar macht. Mag sein, dass man in Extremsituationen nicht mehr fähig ist rational zu denken und das Genre gern mal jenseits der Logik agiert. "The Strangers" agiert allerdings jenseits der Glaubwürdigkeit und nimmt sich dadurch viel von seinem Schrecken.
Hinzu gesellen sich ungewollt komische Abschnitte, ein sehr vorhersehbarer Ablauf der Geschichte und ein Schluss der wie ein Rausschmeißer scheint.

Im Grunde kann sich der Cast sehen lassen. Scheinbar wurden die Darsteller aber an den falschen Positionen eingesetzt oder sind einfach gelangweilt. Weder Liv Tyler ("Herr der Ringe"-Saga, "Armageddon", "Der Unglaubliche Hulk") noch Scott Speedman ("Underworld", "Underworld: Evolution", "Anamorph") können den Zustand der Angst und Panik glaubwürdig vermitteln.
Mit Gemma Ward und Laura Margolis stehen zudem zwei ansehliche Darstellerinnen auf der Liste. Keine von beiden bekommt man allerdings zu Gesicht, da die schon erwähnte Maskerade aufrecht erhalten wird. Definitiv eine Verschwendung an dieser Position.

"The Strangers" ist ein atmosphärischer Horrorthriller der alten Schule, bietet aber nicht das geringste Neue. Die Schauspieler agieren gelangweilt, ihre Figuren unglaubwürdig. Dies geht gar soweit, dass die Ernsthaftigkeit zu späterem Zeitpunkt verloren geht und die Schreckeffekte nur noch ihrem Selbstzweck dienen. Da auch die Charakterzeichnungen vernachlässigt werden bietet "The Strangers" nicht viel.

2 / 10

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