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Manchmal habe ich das Gefühl, als wollten junge Regisseure mit allen Mitteln versuchen, Klassiker aus dem Boden zu stampfen. Besonders beim Horrorfilm ist dies im Moment immer öfters der Fall. Das ist zwar in Zeiten vom überbewerteten Folterhorror durchaus lobenswert, aber eine Kultgarantie lässt sich mit altmodisch spannenden Gruselfilmen nicht erreichen. "The Strangers" ist so einer dieser Versuche. Man riecht den Tribut an den Horror alter Tage in jeder kleinen Szene, man spürt das Verlangen von Regisseur und Drehbuchautor Bryan Bertino, einen guten alten Horrorfilm zu zaubern, an den man sich auch noch in zwanzig Jahren erinnert. Vielleicht tun das manche, ein wirklich guter Film ist dabei aber nicht rausgekommen.

Wenn selbst die Atmosphäre bei einem Horrorfilm langsam auf die Nerven geht, dann läuft einfach irgendwas falsch. Über die volle Laufzeit von achtzig Minuten erleben wir nur zwei Emotionen: Trauer und Panik. Die stinklangweilige Trauer beherrscht einen Großteil der ersten Hälfte, die andere wird dann mit panischen Schreien bedeckt. Die Charaktere Kirsten und James lernt man nur als junges Paar kennen, das einen Schlag erlitten hat, denn Kirsten nahm den mühsam geplanten Heiratsantrag von ihrem Freund nicht an und nun müssen sie sich in ihrer seltsamen Laune das Sommerhaus von James' Vater teilen. Dass das für die eigentliche Handlung letztlich völlig unwichtig ist, war Bertino wohl egal. Konsequent wird man von traurigen Szenen bombadiert. James, wie er verwirrt am Tisch sitzt und vor Frust Eis in sich reinschaufelt und Kirsten, die nicht recht entschlossen durch das Haus wandert wie ein Geist.

Das ist zwar alles durchaus authentisch, ist aber langatmig und sinnfrei. Gerade durch diese ungewöhnliche Filmeröffnung lernt man die beiden Figuren im Prinzip nur von ihrer schlechten, nervenden Seite kennen. Liv Tyler kann dann auch nicht mehr als ihre Kirstin mit einem langen Gesicht darzustellen, und Scott Speedman verhält sich trotz seines Nachnamen ziemlich lahm. Wenn die drei schrecklich netten Maskengestalten ins Spiel kommen, wird das ganze nur bedingt spannend. In den ersten Momenten sorgt das plötzliche Auftauchen ins Bild noch für einigermaßen Atmosphäre, aber wenn dann zum gefühlten hundertstenmal der jeweilige Charakter nicht merkt, das hinter ihm jemand steht, kann man das einfach nicht mehr richtig ernst nehmen.

Derweil läuft das typische Muster ab. Der Freund von James wird von eben diesem im vermeintlichen Wissen, er wäre einer der verrückten Maskenträgern, versehentlich erschossen; die bösen Mörder scheinen zu schweben und man sieht nie wie sie verschwinden; natürlich gibt es im Schuppen abseits des Hauses ein Funkgerät und natürlich wird James beim Versuch es zu benutzen gefangen genommen. Hier wird einfach nur lose aus Klassikern zusammengeklebt, und dass die Gestalten alle Masken tragen hat Bertino wohl auch nur wegen des eh schon strapazierten Grusel-Faktors entschieden. Der Film ist nicht richtig langweilig, aber denkt man mal ein bisschen drüber nach stolpert man reihenweise über die Logiklöcher. Warum sind die beiden nicht in dem kleinen Zimmer geblieben und haben Wache gehalten? Warum kommt keiner auf die Idee, dass ja das Auto des nun toten Freunds draußen irgendwo steht? Warum betrachten die beiden die Schreckgestalten überhaupt immer mit gelähmer Ehrfurcht, statt mal richtig auf sie loszugehen?

Der Satz "Basiert auf einer wahren Geschichte" ist dann natürlich auch wieder Teil der Verstörung des Zuschauers, dabei ist so ein Fall nie passiert, und der Begleitsatz "Jedes Jahr passieren in Amerika so und so viel Gewaltverbrechen" ist auch nicht die brennend heiße Neuigkeit. Der Sinn des Films und das eher nüchterne Ende sollen dann vermitteln, das es auch Mörder gibt, die völlig grundlos auf Schlachtorgie gehen. Das ist ja schön, aber damit ist "Strangers" garantiert nicht der allererste Film mit so einer Thematik bzw. Botschaft. "Strangers" ist ein Film, der sich enorm selbst wichtig macht, und das mehr als gute Einspielergebnis kann bestimmt auch niemand richtig erklären. Ergo ein eigentlich ganz netter Film, dessen Drang, besonders zu sein, aber ziemlich ernüchternd ist.
5/10

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