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Licht und Schatten, Stille und Ton, Liebe und Hass. Gegensätze ziehen sich an, Gemeinsamkeiten aus, wusste schon einst Dendemann. In „the Strangers“ bekommen wir es mit einem Paar zu tun, das nicht gerade den besten Tag seines Lebens hinter sich, aber eine Nacht vor sich hat, die noch viel schlimmer werden soll. Auf einer Hochzeit hielt er um ihre Hand an, sie lehnte dankend ab. Als sie sich im Ferienhaus seiner Eltern gerade daran erinnern, dass es auch ohne Trauschein möglich ist, Geschlechtsverkehr zu haben, klopft es an der Tür, was um vier Uhr morgens in der verlassenen Einöde nicht gerade üblich ist. Und da wir alle wissen, dass so ein Koitus Interruptus selten zu etwas Gutem führt, beginnt damit eine Nacht, auf die die beiden wohl gerne verzichtet hätten.

Zu Beginn der nächtlichen Vorkommnisse zeigt „the Strangers“ seine wahre Stärke. Als alles noch im Hintergrund passiert und die Bedrohung genauso gut ein Hirngespinst sein könnte. Ein nächtliches Klopfen an der Türe, eine Lampe, die nicht funktioniert, Dinge, die im Kontext eines Films bedrohlich wirken, im Alltag aber selten wirklich ernste Konsequenzen haben. Als der Film allerdings die Schraube anzieht und die Bedrohung ganz konkret in den Vordergrund tritt, fällt die Qualität einerseits merklich ab, andererseits wirkt die Stimmung immer noch ein wenig nach und rettet auch die späteren Teile des Films. Zwar ist die Gefahr nun durchaus real, aber so ganz sicher ist man sich eben doch nicht, ob nicht alles vielleicht nur ein grausamer Streich ist und wer überhaupt dahinter steckt. Die Auflösung gestaltet sich allerdings vergleichsweise unspektakulär und ist sicher nicht in der Lage, Zuschauer zu überzeugen, die den Film nicht ohnehin schon mochten.

Es wäre wünschenswert gewesen, den Film länger in diesem Schwebezustand zu belassen und das Publikum im Unklaren zu lassen, ob denn nun wirklich eine Bedrohung besteht. Die Diskussionen der beiden Hauptfiguren werden dankenswerterweise auf ein Minimum beschränkt, kennt man sie aus Horror-Filmen doch zu Genüge. Es geht also nicht darum, dass die Figuren sich nicht einig sind, was passiert, sondern darum, den Zuschauer im Unklaren zu lassen. Der merkt hier aber doch recht schnell, dass es etwas im Busch ist und kurze Zeit später, dass es sich vermutlich nicht lohnt, sich Gedanken darüber zu machen, warum es passiert. Die Grauzonen zu Beginn retten „the Strangers“ vor dem Mittelmaß und spielen mit den Gegensätzen, die eingangs erwähnt wurden. Die Musik wirkt dabei ebenso auf die Stimmung ein wie das Licht, die beide auch dann einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wenn sie gerade abwesend sind.

Dass das alles mit dem Versuch des unehelichen Geschlechtsverkehrs beginnt und mit ein paar unschuldigen Kindlein endet, die christliche Flugblätter verteilen, sollte man vielleicht nicht überbewerten, darf hier aber durchaus erwähnt werden. Schließlich ist „the Strangers“ ein Film, der den amerikanischen Zeitgeist jener Jahre einfängt, in denen der elfte September noch keine zehn Jahre vorbei war. Man ist unschuldig und tut im Grunde nichts Böses und wird in seinem eigenen Heim überfallen und grundlos terrorisiert. Den Film als die Wiedergeburt des Terror-Kinos zu bezeichnen, wäre dabei sicher genauso übertrieben wie ihn als das „Texas Chain Saw Massacre“ des neuen Jahrtausends zu betrachten, aber er passt aber auf jeden Fall hervorragend in diese Zeit. Michael Haneke hätte aber vermutlich seine wahre Freude an „the Strangers“, so viel steht fest.

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