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„Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau, weil ich so stürmisch und so leidenschaftlich bin...“

Wem singt Heinz Rühmann als Peter Pett damit nicht aus der Seele? - Der Song, den er jeden Abend vor einem wenig interessiert wirkenden Publikum im Varieté abliefert, wird von Rühmann in solch konterkarierender Art mit stoischem Gesichtsausdruck vorgetragen, dass diese Szene zu recht so berühmt wurde, dass sie den Film in den Schatten stellte.

Angesichts seines sonstigen Alltags könnte die Tätigkeit als steppender Sänger und Kunstpfeifer im Berliner Nachtleben leicht verrucht wirken, denn am Tag ist Pett als Staubsauger-Vertreter unterwegs und pflegt vor allem seine Ehe mit der ihm angetrauten Hix (Vera von Langen). Rühmanns Spiel ist es zu verdanken, dass seine abendlichen Bühnenauftritte nicht aufregender wirken, als würde er im selben Lokal kellnern, womit er wieder überzeugend die Rolle des Kleinbürger mimt, der es sich in seinem Privatleben gemütlich eingerichtet hat. Um zu betonen, dass ihn auch die größten Versuchungen nicht vom Pfad der ehelichen Tugend abbringen können, wiederholt Pett ständig seine Liebeserklärungen an „seine süße Hix“, womit er nicht nur den hinterhältigen Blubberboom (Oskar Sima) nervt, der auf seine Schwäche spekuliert, sondern zunehmend auch den Betrachter, da Rühmann hier - trotz der nach außen hin behaupteten aufregenden Story – nur den totalen „Saubermann“ gibt.

Damit weicht Rühmann ein wenig von seinem sonstigen Rollentypus ab, der auch immer dezente Fehltritte zuließ („Wenn wir alle Engel wären“, 1938), um damit die menschliche Seite noch stärker zu betonen. Selbst in einem kalkulierten, wenig differenzierten Film wie „Der Gasmann“ (1941), genügten schon 10000,00 Mark, um ihn zumindest kurz vom Pfad der Tugend abzubringen, doch hier können selbst 5 Millionen Dollar kaum Eindruck schinden. Diesen Betrag erbt Peter Pett überraschend von seinem verstorbenen Onkel aus Amerika, der als Ehemann mit schlechten Erfahrungen dem Neffen diesen Betrag nur überlassen will, wenn dieser sein Eheglück gegenüber einem Notar nachweist - als ob ein beglaubigtes Schriftstück einen solchen Beweis liefern könnte. Natürlich hat Rühmann dank seiner penetranten Liebeserklärungen schon lange das Publikum von seiner Haltung überzeugt, aber was wäre das für eine Komödie, wenn sie nicht noch ein paar Verwicklungen bereit hielte?

Blubberboom, der als Vertreter des amerikanischen Notariats nach Deutschland kommt, möchte die 5 Millionen Dollar selbst kassieren, und hat sich dafür einen zwar perfiden, letztlich aber unlogischen und sehr konstruierten Plan ausgedacht. Ihn begleitet die schöne Mabel (Leny Marenbach), die ihn bei seinem Vorhaben unterstützen soll. Scheint ihre Funktion zuerst darin zu bestehen, den braven Peter in Versuchung zu bringen, um damit sein Ehe zu diskreditieren, wird bald deutlich, dass sie im Gegenteil als seine Ehefrau in New York auftreten soll, die das Glück erst bestätigt. Da man Peter Pett kaum dafür begeistern kann, seine Frau gegen eine andere einzutauschen, schüttet ihm der gerissene Blubberboom während der Erbschaftsfeierlichkeiten im Varieté ein Schlafmittel in seinen Sekt. Pett wacht erst auf dem Schiff in Richtung USA wieder auf, ohne das seine Frau etwas davon weiß, weshalb sie sich wegen des nicht heimgekehrten Ehemannes große Sorgen macht.

Den Machern muss bewusst gewesen sein, dass die bisherige Konstellation zu einseitig war, weshalb sie Rühmann noch in einer weiteren Rolle als sein identisch aussehender aus Schottland stammender Vetter Patrick auftreten ließen. Dessen plötzliches Erscheinen widerspricht zwar jeder Logik, da auch er nur durch Blubberboom von der Erbschaft hätte erfahren können, aber das spielt in „5 Millionen suchen einen Erben“ schon keine Rolle mehr. Allein die Frage, warum er das Geld statt Peter erbt, wenn sich dessen Ehe nicht als glücklich erweist, obwohl der Onkel angeblich so viel Wert darauf legt, ließe das Story-Konstrukt in sich zusammen brechen – wichtig ist allein die damit aufkommende Dramatik. Könnte das die Geburt eines „bösen“ Heinz Rühmann sein, der dem „lieben“ Heinz Rühmann die Erbschaft streitig machen will? – Weit gefehlt, als übler Bursche wurde schon Oskar Sima besetzt, aber als schottischer Junggeselle darf Rühmann ein wenig aus seiner Rolle als braver Ehegatte ausbrechen und einen kräftigen Flirt mit der attraktiven Mabel wagen. Der alte inszenatorische Trick, verschiedene Charaktereigenschaften auf zwei Personen zu verteilen, ergibt hier seltsame Blüten. Mal ist Patrick der weltgewandte, Pfeife rauchende Charmeur und Peter der brave Bürger, der nur seine Frau an der Seite haben will, dann mutiert dieser plötzlich zum souveränen Varietésänger, während Patrick wie ein kleiner Junge reagiert, weil Hix ihn nicht ganz ernst nimmt. Die Drehbuchautoren geben sich gar keine Mühe, eine klare Unterscheidung der beiden Charaktere zu entwerfen, sondern lassen Rühmann einfach frei agieren.

Doch auch sein munteres Spiel kann die platte Story nicht mehr retten. Lässt sich das Testament noch dem verwirrten Geist eines amerikanischen Millionärs zuschreiben, so stellt sich der angeblich so tolle Plan des feinen Herrn Blubberboom, der erst den Anlass für die Story gab, als profaner Diebstahl heraus. Über die gesamte Laufzeit des Films wird getrickst und getäuscht, um die Öffentlichkeit plus die Notare hinters Licht zu führen, nur um am Ende dann das Geld einfach zu stehlen (wenn auch elegant mit dem richtigen Schlüssel). Das wird Simas souveränem Spiel nicht gerecht, dass man ihn am Ende so dumm dastehen lässt. Das gesamte Konstrukt mit Mabel wäre nicht nötig gewesen – das Geld hätte Blubberbloom auch dem echten Ehepaar stehlen können - aber dann hätte es weder die komödiantischen Verwicklungen, noch ein „Love-Interest“ für den Vetter gegeben.

Obwohl der Film mit Originalaufnahmen aus New York beginnt und auch in den Kulissen Weltoffenheit demonstriert, ist „Fünf Millionen suchen einen Erben“ signifikant für das kleinbürgerliche und provinzielle Denken in Deutschland während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Die Stilisierung eines Helden, dem bei der Eröffnung einer 5 Millionen-Erbschaft nur einfällt, dass er jetzt keine Staubsauger mehr verkaufen muss, der offene Rassismus, in dem Dunkelhäutige als exotische Domestiken und Schreckgespenster herhalten müssen, und besonders die Sprache lassen ein sehr eingeschränktes Denken erkennen. Die gesamte Verwechslungs-Komödie kann nur funktionieren, weil sich Peter und Patrick nicht nur ähnlich sehen, sondern auch dasselbe Deutsch sprechen. Sowohl die Notare, die amerikanische Öffentlichkeit, als auch Mabel verwechseln die beiden Männer, obwohl hier Vertreter dreier Nationen aufeinander treffen. Man könnte das als nebensächlich erachten, da der Film nur den Regeln einer Komödie folgt, aber die Story in „5 Millionen suchen einen Erben“ ist auch unter diesem Gesichtspunkt besonders misslungen und lebt nur von Rühmanns Spiel und dem berühmten Song:

„…ich brauch’ ihr nur in die Auge zu schauen – und schon isse hin!“ (4/10)

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