Beim Waldspaziergang immer schön konzentriert bleiben!
Soviel kann man zunächst vom Kurzfilm des Österreichers Vlado Priborsky mitnehmen, der auf technischer Ebene einen hervorragenden Eindruck hinterlässt, mit der Geschichte allerdings strandet, sofern man nicht mit seiner vorangegangenen Kurzgeschichte „Plan B“ vertraut ist.
Sophie (Jasmin Devi) ist die titelgebende Hauptfigur, der im Wald ein Malheur passiert. Eigentlich wollte sie nur im Scheidungskrieg mit Clemens abschalten, doch ein umgestürzter Baum, ein Sturz und das Zuschnappen einer Bärenfalle lassen alles andere als Erholung zu…
Endlich mal ein Independentfilm, der mit hochwertigen High Definition Bildern daherkommt, - da wird doch gleich der Eindruck einer Laienproduktion abgelegt.
Auch die Hauptdarstellerin Jasmin Devi darf keineswegs zum Anfängerkreis gezählt werden, auch wenn das während der ersten Minuten noch nicht so durchschimmert.
Doch das eigentliche Problem des Streifens kristallisiert sich rasch heraus, denn der zweite Handlungsstrang stiftet mehr Verwirrung, als dass man das Gefüge der Figuren erhellen könnte: Wer ist dieser Bukowski? Ihr Neuer? Ein Anwalt? - Keine Details.
Wie war die Ehe? Ist Clemens ein Guter? - Ebenfalls keine Details.
Aufgrund der zwei fehlenden Charakterisierungen kann man im weiteren Verlauf zwar halbwegs mit Sophie mitfiebern, doch ein Grundkontext erschließt sich kaum, was in Bezug auf die Pointe eine total vergebene Chance ist.
Dabei ist das Geschehen um Sophie recht wirkungsvoll in Szene gesetzt. Die Maske arbeitet sehr gut, Angst und Verzweiflung werden aufgrund solider Kameraarbeit, glaubwürdiger Darstellung und dezenter musikalischer Untermalung effektvoll eingefangen und auch wenn eine entscheidende Aktion aus rationaler Sicht überhaupt nicht nachvollziehbar ist, wird die Spannung konstant aufrechterhalten, denn selbst die Rückblenden/Gedanken Sophies fügen sich adäquat ins visuelle Gefüge ein.
Obwohl an dieser Stelle keine inhaltlichen Vergleiche gezogen werden können: Auch das Franchise um „Saw“ begann als Kurzfilm und jeder Horrorfilmfreund weiß, was daraus geworden ist.
Vlado Priborsky zeigt zumindest inszenatorisches Geschick und ging mit Herzblut an dieses Projekt heran, was ihn deutlich für Langzeitfilme empfiehlt.
Eine Geschichte, auch in Form eines Kurzfilms, muss allerdings für sich stehen können und da erschließen sich dem Betrachter bei „Sophie“ teilweise nur Bruchstücke, die den Eindruck eines unausgegorenen Skripts stark in den Vordergrund stellen.
Handwerklich topp, durchaus mit spannenden Momenten versehen, aber im letzten Atemzug nicht überlegt genug ausgearbeitet, um deutlich überzeugen zu können.
5,5 von 10
Im Zusammenhang mit „Plan B“ und dem überaus üppigem Bonusmaterial auf der DVD erscheint eine Kaufempfehlung dennoch angemessen, denn Vlado Priborsky weiß augenscheinlich, worauf es dem Filmfan ankommt…
Gesamteindruck:
7 von 10