Review

Mit der Aussage „Alte Menschen sind widerlich“ beschafft man sich als Randfigur in so einem Film ganz schnell sein Todesurteil. Und prompt holt die Pranke des Grizzlybären aus und dezimiert die Gruppe um ein weiteres, ohnehin potentielles Opfer.
Formal betrachtet also ein üblicher Teen-Slasher im Wald, angereichert durch Bär, Wolf und Ranger Bob.

Ranger Bob hat die Aufgabe, acht vom rechten Wege abgekommene Jugendliche beim Müll aufsammeln im Nationalpark, irgendwo in Nordkalifornien zu begleiten. Dabei bietet der ausgebrochene Sträfling, der sich als Fahrer in das Projekt einschleicht beileibe keine Gefahr, - die Dramaturgie des Drehbuchs streikt an dieser Stelle und lässt ihn direkt als erstes Opfer des Bären im Wald zurück. Der Rest besteht aus einem stereotypen Haufen ohne wirkliche Helden, der sich die meiste Zeit über mit den Campregeln, dem jeweils anderen Geschlecht und dem Erzählen ihres Vergehens beschäftigt.
Der Tierhorrorfreund muss eine Menge Geduld mitbringen, bis es im letzten Drittel endlich ein wenig zur Sache geht.

Nicht nur rein äußerlich wird einem ein bunter Querschnitt von Abziehbildern serviert: Der coole Ranger Bob, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, aber recht schnell zum einzigen Sympathieträger wird, dann die Blonde mit den Markenklamotten, der reiche Schnösel, der tumbe Benzin schnüffelnde Nazi, der Dunkelhäutige, der sich lieber auf sein GPS verlässt, die Asiatin, die ihm folgt und eine Mexikanerin, die angeblich unschuldig in eine Schießerei unter Gangs geriet, aber eine Knarre versteckt hält.
Nicht zuletzt die brünette Bebe, die sich so unfassbar naiv anstellt, dass da schon ein Haken dran sein muss.
Sozialstunden im Wald, man wundert sich nur, warum lediglich eine Aufsichtsperson dabei ist und seit wann Bären mitten am Tag ihr späteres Futter beobachten.

Bis es zum richtigen Tierhorror kommt, herrscht leider ziemlicher Tempomangel, auch wenn das Treiben durch kleine Gags und das herrlich doofe Camper-Lied „I met a bear“ aufgelockert wird.
So wird ein Skunk gefüttert, der sich anschließend auf einige in der Gruppe entlädt, zwei verlaufen sich, wobei einer in eine Wolfsfalle tappt, die Jungs suchen sich ihr jeweiliges Eye-Candy aus und es wird ausgiebig gebadet, am Lagerfeuer gesessen und weitere Anekdoten über Gesetzesbrüche ausgetauscht.
Dabei kommt die Herbstwaldkulisse viel zu selten zur Geltung und auch die Bedrohung durch den Grizzly deutet sich lange nur durch leichtes Grummeln an.

Erst in den letzten Minuten, als die letzten Überlebenden dem großen Vieh gegenüber stehen und sich – teilweise vergeblich – versuchen, in der Waldhütte zu verschanzen, kommt der Genrefreund auf seine Kosten.
Auch wenn hier kaum eine Attacke explizit ausfällt, ist zumindest der Bär echt, man kommt ohne CGI aus und auch die entsprechenden Wunden, wie Kopf ab, Körperteilung mit freiliegendem Gekröse und halbes Gesicht weg können sich sehen lassen.
Und tatsächlich bringt das ansonsten etwas einfallslose Drehbuch gegen Ende noch zwei minimale Plot Twists und spätestens, als Silikon vom Baum tropft, dürfte auch der geneigte Splatterfreund zu schmunzeln beginnen.

Im Endeffekt ergibt „Grizzly Park“ eine taugliche Mischung aus Komödie und Bärenhorror, die die potentielle zweite Bedrohung durch einen Serienkiller leider in den Wind bläst und sich stattdessen mit langweiligen Figuren beschäftigt, die außer Ranger Bob nichts zu sagen haben.
Und der rät: „…hat der Bär sie aber gesehen, machen sie keine hektischen Bewegungen und beginnen mit ruhiger Stimme zu sprechen. Dann kann der Bär einordnen, was sie sind.“
Ist nur schlecht, wenn man gerade Marktschreier ist…
5 von 10

Details
Ähnliche Filme