Anders als zum Beispiel in Amerika - obwohl es sich in den letzten Jahren selbst dort etwas geändert hat -, ist in Hong Kong das Verhältnis von Kino zu Fernsehen relativ fliessend. Abseits von gewissen überpopulären Ausnahmen wie Andy Lau oder Aaron Kwok, die wahrscheinlich auch gar keine Zeit und Muße haben, für die kleine Mattscheibe arbeiten zu müssen, herrscht dort ein reger Austausch beider Medien. Ohne weitere Berührungsängste sorgt vor allem Television Broadcasts Limited [ = TVB ] seit Jahrzehnten besonders tatkräftig für die kommende Zunft an massenkompatiblen Schauspielern. In den seligen 80ern entsprangen Leute wie Stephen Chow, Chow Yun-Fat, Tony Leung Chiu-wai, Ray Lui und Francis Ng gleich in Scharen der ansässigen Talentschmiede; dasselbe Prozedere der medialen Transformation wird auch heute noch vehement benutzt und brachte dabei eben auch die Starlets Hacken Lee und Charmaine Sheh festigend hervor. Er eigentlich Sänger von slow pop Balladen, Sie Ex-Model. Und die Hauptdarsteller von Lady Iron Chef. Den folgerichtigen Karriereweg eingelegt und nach jahrelangem Abnudeln in der Flimmerkiste nun den vorübergehenden Prüfstein auf der Kinoleinwand bestehen sollend.
Pünktlich zum Neujahrsfest wurde die entsprechend maßgeschneiderte Romantische Komödie unter der maßgeblichen Ägide von Wong Jing [ Produzent, Drehbuch, Mitwirkender ] präsentiert und den Couch Potatoes zum Verzehr vorgesetzt. Jeder, der sich müde vom Sofa erhob und in Erwartung leiblichen Wohles in den Multiplex schleppte - wobei es mit einem Einspiel mit knapp 1,6 Mio HK$ nicht allzu viele waren -, wird es hinterher sicherlich bereuht haben. Lady Iron Chef liegt als verdorbene Mahlzeit schwer im Magen und verursacht wie schlecht gelagertes Gammelfleisch gallichte Verstimmungen.
Die das Unwohlsein verursachende Bazille in der filmischen Pestilenzküche ist natürlich Wong selber.
Zwar ist das Sekundärziel auf jeden Fall erreicht; sämtliche Kochszenen lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen und machen die prompte Reservierung im örtlichen Peking-Enten-Haus unabdinglich.
Aber was man auch immer mal früher von seinen Komödien gehalten hat, die schon damals in den 80ern und 90ern nicht gerade das emphatische Ansinnen der Kritiker eingenommen haben: Mittlerweile ist auf dem Humorsektor längst die Luft heraus und ergeht sich in seiner einfallslosen Not in der stetigen, nahezu refrainartigen Wiederholung des Altbewährten. Wong greift nicht bloss auf alte Rezepte zurück, sondern verwendet auch nur Zutaten ohne Qualitätsgarantie und aufgedrucktem Haltbarkeitsdatum; ein ewiges Aufköcheln gut aussehender, aber längst abgeschmackter Ingredienzien, die am Ende das Fertigprodukt vom Fließband ergeben. Das Drehbuch sichtlich inspiriert von Stephen Chows God of Cookery, plus der Ergänzung der japanischen Kochsendung Iron Chef sowie der kantonesischen Sonntagabendshow Beautiful Cooking. [ Eine wöchentliche TVB Variety Show, in der jeweils drei ausgesuchte Damen ihre Kochkünste bei speziellen Testern beweisen müssen. Zum Vergnügen des Publikums sowohl bei der Kandidaten- als auch der Juryseite alles Unterhaltungsgrössen wohlgemerkt.]:
To Ching-har [ Yuen Qiu ], die Gründerin der To Catering Group, veranstaltet mit ihrem Sohn S.K. To [ Hacken Lee ] und dessem Cousin H.O. To [ Cheung Tat-ming ] regelmässig Kochwettbewerbe, wobei CEO S.K. die mehr Schein als Sein - Kreationen der Chefköche für gewöhnlich düpieren kann. Seine beissenden Kritiken sind gefürchtet. Einzig die chinesische Schönheit Jade Rice [ Liu Yang ] kann sowohl seinen Geschmacks- als auch den Geschäftssinn seiner Mutter bedienen, was die baldig anberaumte Hochzeit samt einer Franchisefusion in nächste Nähe rückt. Als S.K. entführt und nur mühsam durch die zufällig Anwesende Ceci [ Charmaine Sheh ] und ihren Vater Souza [ Wong Jing ] gerettet wird, verliebt sich das reiche Schürzenkind in die Mindergestellte aus Mongkok und ihren freien Lebensstandard gleich mit. Doch seine Mutter möchte eine Meisterköchin als Schwiegertochter, und Ceci kann bislang nicht mal Wasser erwärmen.
Am Ende steht wie zu Beginn natürlich ein cooking cup als vielfältig varriiertes Leitmotiv. Gleichzeitig der Rahmen einer Grundstory und eine Umschreibung für den nicht allgemeingültigen, sondern speziellen Geschmack, der neben der Wahl der Leibgerichte auch den des Lebenspartners umfasst. Dazwischen sind allerlei turbulente Stolpersteine auf dem Weg zum Standesamt gelegt. Das Drehbuch als mehrmals aufgekochter und deswegen schon recht fade mundender Eintopf, der selbst mit dem [für das ausserasiatische Publikum] relativ frischen Cast im Mittelpunkt püriert nicht viel Anreiz auf Nachschlag erwecken kann.
Lunar New Year comedies waren noch nie Anwärter für tiefschürfende Meisterwerke, sondern entsprachen eben der klassisch-harmlosen Wochenendverabredung; aber gerade dieses Jahr hat das Publikum nicht umsonst für den düster-moralinsauren Spielverderber Protégé gestimmt und sich strikt gegen flaues Puffmais wie Twins Mission, House of Mahjong, It's a Wonderful Life und halt auch das vorliegende Werk entschieden. Das, was hier als vermeintlich vergnügliche Ablenkung projiziert wird, ist nicht mal in seiner Thematik und den zugehörigen narrativen Strukturen, sondern auch in der behandelnden Umsetzung viel zu vertraut und aufdringlich. Da der Handlung durch rein konventionell bestimmte Emotionen jegliche Eigendynamik fehlt, vertraut die klassizistisch eingeengte Inszenierung auf die visuelle Klangfarbe und lästigerweise auch akustische Lautstärke und ergeht sich in einem penetranten Kanon aus Dreistigkeit, Behelligung, Plage. Eine Witz komm raus - Quälerei, die trotz einer statischen Erzählung und fehlenden Figurimpulsen viel Bewegung und Aktion suggeriert.
Wo man zu Beginn vielleicht noch hier und da das zweckfreie Lächeln über absonderlich-sinnlose Farcensituationen vermelden kann, so stellt sich schnell der Bauchschmerz ein; nicht mal mehr das müde Grinsen über menschliche Unzulänglichkeiten, Slapstick und Sprachclownerie. Die gesamte Regie ist trotz einem eher dunkel gehaltenden Bildkader stark auf den verzerrten Bezug comigaler Effekte und damit auf die formal ähnliche Methodik wie bei Kung Fu Hustle angelegt. Eine Unsitte, die eigentlich bereits bei der Kung Fu Mahjong Trilogy bis zum Brechreiz ausgelotet worden war, nun aber scheinbar die nochmalige Steigerung erfahren soll. Wo es bei Stephen Chow noch eine originell neuformulierte Akzentuation und auch durch die karikierende Rechtfertigung von Satire, Parodie und Hommage unterstützt war, verkommt es hierbei zum allgegenwärtig repetierenden Selbstzweck didaktischer Intention.
Jeglicher etwaiger Anflug von Wortwitz wird in Sprechblasen oder gleich der gesamten optischen Stilisierung umgesetzt; statt die mitschaffende Phantasie des Zuschauers herauszufordern wird eine unbegreifliche Begriffsstutzigkeit angenommen und durch selten geglückte Verfremdungseffekte ersetzt. Wenn sich also Jemand bei der Verköstigung wie im Himmel fühlt, sieht man Denjenigen prompt sinnbildlich über den Wolken wandeln. Genauso, wie der Name "H.O. To" verbaliter für H2O steht und sich die Leute stundenlang allein darüber ergötzen können. Statt nuancenreichen Pointen gibt es aufmerksamkeitsheischende Ausdrucks-Gesten, die in expliziten, digital unterstützten Darstellungen zelebriert werden. Eine das Absurde streifende Metaphorik, die in ganzseitigen Illustrationen jede Gelegenheit zur lautmalerischen Kindersprache nutzt.