Neben "Freitag der 13." erschien im Jahre 1980 auch noch der Teenieslasher "Prom Night", in Szene gesetzt von Paul Lynch (Running Out, Blindside). Unter eingefleischten Fans gilt er neben "Halloween" als Wegbereiter und wird als Kult angesehen. Ein Markenzeichen dafür ist auch "Scream-Queen" Jamie Lee Curtis, die in John Carpenters unumstrittenen Meisterwerk als Laurie Strode glänzte und auch hier eine gute Figur macht. Trotzdem hätte Drehbuchautor William Gray (Das Philadelphia Experiment) klar sein müssen, dass eine satte Stunde Vorspiel, einfach zuviel des Guten ist.
Es ist jetzt sechs Jahre, seit Wendy (Anne-Marie Martin), Nick (Casey Stevens), Vicky (Pita Oliver) und Kelly (Mary Beth Rubens) ihre Mitschülerin bei einem Spiel in den Tod getrieben haben. Kim Hammond (Jamie Lee Curtis), ihr Bruder Alex (Michael Tough) nebst ihren Eltern (Leslie Nielsen, Antoinette Bower) sind immer noch nicht über den Tod der kleinen Jude hinweggekommen Und irgendjemand anderem scheint es genauso zu gehen, denn auf dem Abschlussball taucht plötzlich ein maskierter Killer auf, der die damaligen Mörder töten will.
Der Anfang ist Lynch auf jeden Fall gelungen, Kinder können wirklich garstig sein, ohne über die Folgen nachzudenken. So stürzt Jude aus dem Fenster einer alten Schule, die vier Kids nehmen ihre Beine in die Hand. Doch sechs Jahre später sollen sie es büßen. An der Story gibt es wirklich nichts zu mäkeln, auch legt Lynch zuerst eine völlig falsche Fährte, die auf einen Serienmörder schließen lässt, der gerade aus der Klapse entflohen ist. Hier zieht man kleine Parallelen zu "Halloween", auch hier wird ein Psychater hinzugezogen. So fällt es dem Zuschauer nicht leicht, das Gesicht hinter der schwarzen Skimaske zu entlarven. Zuerst terrorisiert der Killer seine Opfer mit Anrufen, bevor er sich selbst auf den Abschlussball begibt.
Nun kommen stoßen wir jedoch auf ein Problem. Die Vorbereitungen auf den Abschlussball, diverse Romanzen oder Zoff mit dem Schulrowdie nehmen eine gute Stunde in Anspruch. Daneben sucht Lt. McBride (George Touliatos) nach dem ausgebrochenen Serienkiller und mischt sich daher auch beim Abschlussball unters Volk. "Prom Night" zieht sich wirklich, bis der Killer endlich in Erscheinung treten darf. Auch ist dort kaum Spannung zu verspüren, das Geschehen ist daher nur bedingt unterhaltsam. Erst in der letzten halben Stunde steigert sich "Prom Night". Der Killer taucht auf, bewaffnet mit einer Scherbe, Messer oder einer Axt und macht sich über seine vier Opfer her. Das Resultat, ein kaum sichtbarer Kehlenschnitt, ein wenig blutiger Messermord, ein paar Axthiebe im Off und Mord Nummer vier ist eine Enthauptung. Auch bei den Morden hält sich "Prom Night" sehr bedeckt.
Aber die große Schule wirkt als Kulisse unheimlich und die Morde hat Lynch gut vorbereitet. Hier wird es endlich spannend und der tolle Sound von Bryan Day sorgt für Gänsehautstimmung. Das Finale ist leider etwas zu kurz geraten, doch die Identität des Killers sorgt für eine handfeste Überraschung.
Die Darsteller machen ihre Sache ordentlich und Leslie Nielsen beweist als Schuldirektor Hammond, dass er auch in einer ernsten Rolle überzeugen kann. In einer Nebenrolle ist Jeff Wincott als Mädchenschwarm Drew zu sehen.
"Prom Night" kommt erst im letzten Drittel in Fahrt, davor sollte man schon Sitzfleisch haben. Storytechnisch gibt es nichts auszusetzen und die Darsteller machen ihre Sache ordentlich. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen, wenn "Prom Night" früher zu Potte kommen würde. So bleibt insgesamt nur ein durchschnittlicher 80er Jahre Slasher mit sehr kleinem Bodycount.