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Können Sie sich noch an den letzten Jean-Claude Van Damme Kinofilm erinnern? Da dies schon eine ganze Weile lang her ist, erlaube ich es mir, Ihrem Gedächtnis mal auf die Sprünge zu helfen: Es war kurz vor der Jahrtausendwende im Jahre 1999, als Universal Soldier - Die Rückkehr an den weltweiten Kinokassen bei einem Budget von 45 Millionen Dollar mit desaströsen 10 Millionen Dollar Ticketerlös baden ging. Der Startschuss für eine "ruhmreiche" Direct to DVD Karriere war gefallen, wobei man zur Ehrenrettung vom Belgier sagen muss, es waren deutlich weniger Totalausfälle wie beim König der schlechten B-Movie Actionunterhaltung Steven Seagal zu verzeichnen und einige Streifen sind sogar richtig gut geworden ( Wake of Death , Until Death ). Die überwiegende Mehrheit von Van Dammes "Videothekenkloppern" ist jedoch glanzlose DTV Stangenware, zu welcher sich der hier besprochene The Shepherd (2007) ebenfalls gesellen darf. Trotz einiger vertretbarer Actionszenen und eines körperlich fitten Van Dammes kommt die 13 Millionen Dollar teure Produktion nicht über  biederen Genredurchschnitt hinaus, insofern sind auch die meist kritischen Resonanzen mehr als nachvollziehbar.

Dabei hören sich die Namen der beteiligten Personen verheißungsvoll an. Neben Van Damme ist Scott Adkins als kampferprobter Schurke zu sehen und die Regie übernahm kein geringerer als der B-Action Spezialist Isaac Florentine, der mit Adkins schon die ein oder andere Actionperle realisierte. Schenkt man einigen kursierenden Gerüchten jedoch Glaube, gab es während der Dreharbeiten akute Meinungsverschiedenheiten zwischen Van Damme und Florentine. Der ehemalige Hollywoodstar drängte auf  kurze, realistische Fights während Florentine eher für seine ausgiebige und spektakuläre Kampfdarstellung bekannt ist. Van Damme soll eine eigene Version hinter Florentines Rücken angefertigt haben, während sich Sony Pictures mit dieser Fassung nicht zufrieden zeigten und den Final Cut selbst zusammen schusterten, welcher letzten Endes dann in den Verkauf gelangte. Egal wer nun wem ins Handwerk gepfuscht hat, dass solche Querelen für die Qualität nicht gut sind, zeigen die teilweise abgehakt wirkenden Kämpfe und auch der gewählte Drehort Bulgarien trägt seinen Teil zum eher mittelprächtigen Gesamteindruck bei. Die Story von Joe Gayton lässt sich indessen mit einem Satz zusammen fassen: Der Cop Jack Robideaux (Jean-Claude Van Damme) verstärkt die Polizei an der mexikanischen Grenze um einem von den Ex Soldaten Meyers (Stephen Lord) und Karp (Scott Adkins) geführten Drogen- und Menschenschmuggelring das Handwerk zu legen...

Die erste Frage die Sie sich stellen werden ist, kann die Action den hohen Erwartungen, welche ein Florentine, Adkins oder Van Damme beim geneigten B-Actionfan erzeugen, gerecht werden? Die Antwort ist nein, denn wenn Sie mit jener Haltung an The Shepherd rangehen, werden Sie wohl möglich enttäuscht werden.  Obwohl der Opener mit dem Bombengürtel als nette Idee zu gefallen weiß und auch die spätere gefällige Kneipenschlägerei mit Van Damme und seinem Hasen im Gepäck Erinnerungen an glorreiche Universal Soldier Zeiten aufleben lässt, verflacht das Geschehen danach zusehends und bietet im Grunde genommen nur öde, minimalistische Durchschnittskeilereien oder langweilig inszenierte Schusswechsel, welche allesamt viel zu kurz ausgefallen sind, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Erwähnenswerte Lichtblicke sind hingegen die längere Busverfolgungsjagd und das etwas ausgiebigere Finale, hier gibt es dann auch solide, blutige Shoot-Outs und annehmbare Martial-Arts Zweikämpfe zu bewundern, obgleich zum Prädikat beeindruckend noch einiges an Überzeugungskraft fehlt. Van Damme und Scott Adkins lassen in vereinzelten Momenten und in ihrem persönlichen Schlussfight ihre hervorragenden Kampfsportfähigkeiten aufblitzen, nichtsdestotrotz gelingt es der dürftigen Inszenierung aber nicht, dem Können der beiden Genregrößen gerecht zu werden.

Da das Auge nach bekanntem Sprichwort für gewöhnlich mitisst, sind wir auch schon beim nächsten triftigen Problem von The Shepherd angelangt: Die qualitätsfremde Optik! Die Umgebung und die minderwertigen Kulissen präsentieren sich in tristem einheitsgrau und versuchen erst gar nicht  zu verschleiern, dass so kostengünstig wie möglich im Ostblock gedreht wurde. Phasenweise fühlt man sich an 30 Jahre alte TV Produktionen im 4/3 Format erinnert. Anhand des dürftigen Erscheinungsbilds muss sich Sony Pictures schon einmal die Frage gefallen lassen, wo denn die 13 Millionen Dollar Budget hingeflossen sind, da habe ich schon deutlich günstigere Werke gesehen, welche rein visuell gesehen viel professioneller gewirkt haben. Der eintönige Look, welcher wie ein verregnet vernebelter Novembertag auf die Stimmung schlägt, sorgt gemeinsam mit der 0815 Standard-Action und der oberflächlich gehaltenen Rahmenhandlung ohne jeglichen Tiefgang für einen überschaubaren Spannungsbogen und jede Menge Leerlauf, was The Shepherd sachlich und nüchtern betrachtet einen unwesentlichen Widerunterhaltungswert auf lodernder Sparflamme einbringt.

In die selbe Kerbe schlagen übrigens auch die gewählten Darsteller. Außer Jean-Claude Van Damme, der in den Kampfszenen trotz höheren Alters einen erstaunlich agilen Eindruck hinterlässt und zumindest für seine Verhältnisse auch schauspielerisch punkten kann, schafft es nur noch Scott Adkins, mit seiner feurigen Ausstrahlung und seinen erhabenen Martial-Arts Künsten einen ordentlichen Leistungsnachweis zu erbringen, obgleich ihm Florentine insgesamt gesehen leider zu wenig Einsatzmöglichkeiten verschafft hat. Alle anderen Akteure kannst, mal ganz lapidar ausgedrückt, getrost in der Pfeife rauchen. Stephen Lord ist als Hauptbösewicht eine einzige Enttäuschung, er kann weder kämpfen, noch besitzt er das nötige Charisma, um einen respektablen Fiesling zu verkörpern, selten ist ein Widersacher so untergegangen. Noch bescheidener sieht die Situation bei den Nebenrollen aus: Als korrupter Polizist fällt  Gary  McDonald mit debiler Mimik und abträglichen Dialogen negativ auf, während Natalie J. Robb nicht in der Lage ist, dem Wandel ihrer Filmfigur von der knallharten Einheitsleiterin zur nahbaren Kollegin die notwendige Transparenz zu verleihen. 

The Shepherd kann ich daher nur Van Damme Komplettisten und B-Action Anhängern mit niedrigem Anspruchsdenken ans Herz legen, die ungeahndet der zahlreichen Kritikpunkte auch genügend Argumente finden werden, um zumindest eine Sichtung für sich nicht zu bereuen. Wenn Sie The Shepherd also mit angepasster Erwartungshaltung begegnen und sich nicht zu viel Klasse und Spektakel erhoffen, besteht durchaus die Möglichkeit, dass Sie an der präsentierten Action gefallen finden und sich vom Treffen der Actiongenerationen  Van Damme vs. Scott Adkins unterhalten lassen. Einige Van Damme Klassiker wie Bloodsport, Leon oder Harte Ziele sind und bleiben unerreicht, trotzdem hat es Adkins mittlerweile mit sehenswerten Actionkrachern wie der Undisputed Reihe oder den beiden Ninja Filmen bewiesen, dass Van Dammes Fußstapfen zumindest nicht all zu groß für ihn sind. The Shepherd ist für die Vita der beiden Actionhelden jedenfalls belanglos, auch wenn sie sicherlich auch schlechtere Filme in ihrer Laufbahn abgeliefert haben. MovieStar Wertung: 4 von 10 Punkte.


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