Wann ist ein Film ein Film - und wann eine Aneinanderreihung von Szenen? Diese Frage habe ich mir beim Anschauen von "The Witches´ Mountain" gestellt, einem nahezu völlig unbekannten Mystery-Drama aus Spanien. De facto weißt dieser Streifen keine Handlung im eigentlichen Sinne auf, sondern will selbst ein großes Mysterium sein, das viel Platz für eigene Interpretationen lässt.
Die Story handelt von einem Fotographen und seinem weiblichen Model, die in irgendeiner spanischen Gebirgskette Bilder machen wollen. Doch in der Einöde wird zunächst das Auto gestohlen, dann machen die beiden Bekanntschaft mit den skurrilen Einwohnern der Gegend. Irgendwann stößt ein geheimnisvoller Hexenkult hinzu, der die junge Frau mit einem in einer Höhle angeketten Mann in einer obskuren Zeremonie vermählt. Derweil soll der Fotograph in einem heidnischen Ritual geopfert werden...
Ich muss zugeben, dass ich mich mit "The Witches´ Mountain" etwas schwer getan habe: Nicht nur, weil die Story kaum in regulären Bahnen verläuft, auch ist der Streifen an sich nicht immer leicht anzuschauen. So ist die erste Hälfte kalter Kaffee, denn die Handlung plätscher - von einpaar schönen Landschaftsaufnahmen abgesehen - eher trostlos vor sich hin. Ab der zweiten Hälfte nimmt der Film endlich Fahrt auf und es entsteht genau die unterschwellige Mystery-Stimmung, die man von anderen Werken her kennt und mag.
In einer Szene schießt der Fotograph Bilder von einem verfallen menschenleeren Dorf - auf den Negativen sind später die verstorbenen Einwohner (?) zu sehen. Und auch sonst bedient sich Regisseur Raul Artigot an bedeutungsschwangerer Symbolsprache wie einer toten Katze am Anfang, die auf das drohende Unheil anspielen soll. Von der schauspielerischen Seite her gibt es keine Mängel zu beanstanden: die Dörfler sind schön verschroben, Hauptdarstellerin Patty Shephard hat genügend Charisma, um den Streifen zu tragen.
Fazit: Ich würde nicht soweit gehen, "The Witches´ Mountain" als Geheimtipp oder gar als verkannten Klassiker zu deklarieren. Eine sehenswerte 1970s-Oddity für Freundes des etwas anderen Kinos ist der Film dennoch allemal. 7 von 10 Punkten.