Review

Als Horrorkomödien noch nicht im Nachmittagsprogramm laufen konnten

"Waxwork" ist eine Horrorkomödie wie sie heutzutage fast nicht mehr gemacht wird. Härter und blutiger als der durchschnittliche aktuelle Genrefilm, verbindet er gleich drei Epochen unseres Lieblingsgenres: klassische Grusler ala Dracula oder Wolfman gibt es im Wachsfigurenkabinett zu entdecken und werden durchgespielt + der wachsige Spaß sprüht vor 80er-Feeling + der Metahumor und das selbstbewusste Augenzwinkern heutiger Audiokommentare oder Genremixe. Diesem lebensechten Horrirkabinett kann man kaum böse sein. Er ist ein kleiner, feiner, feuchter Traum für Horrorheads. Nie ernst zu nehmen und trotzdem packend, mit beachtlicher Balance aus Härte und Humor. Nur der deutsche Titel "Reise zurück in der Zeit" ist mal wieder wirre Vollplörre. Anthony Hickox raffinierte Genrehommage das Gegenteil davon. Wir folgen einer Gruppe recht konturloser Jugendlicher in ein plötzlich aufgetauchtes Wachsmuseum, wo sie bei näherer Betrachtung allerdings in die Bilder bzw. nachgestellten Filme/Horrorikonen gezogen werden. Vom Wolfsmensch über Dracula bis zu Zombies in schwarz-weiß gibt es mehr als genug Abwechslung. Hickox kennt und liebt das Genre. Das ist keine Sekunde zu übersehen.

"Waxwork" ist ein Film, der keine Langeweile kennt. Zudem trägt er sein Herz und die Liebe zum Genre auf der Zunge. Manchmal nicht super geschickt, doch insgesamt furios unterhaltsam. Vor allem den Anthologie-Faktor kann ich nicht unter Nachteil ablegen, ganz im Gegenteil. Viele kleine Gastauftritte bekannter Nasen runden die Sache ab und lenken von dem eher blassen Protagonistenduo ab. Meine Lieblingsepisode ist die beim Vampirgrafen, nicht nur weil es dort am meisten suppt. Okay, doch, deswegen. Ein herrliches Setting. Aber auch der Marquis des Sade hat etwas und der große Monsterbrawl am Ende lässt Fanherzen eh höher schlagen. "Waxwork" ist ein effektiver Hybrid - der Epochen, der Genres, der Töne. Gerne hätte man noch das ein oder andere Setting gesehen. Zumindest eine Art Frankenstein gab es dann ja in der etwas maueren Fortsetzung. Aus einer Zeit, in der Horrorkomödien noch Eier hatten und nicht zahnlos für die halbe Familie produziert wurden. Wenn ich mir dagegen beispielsweise die neue "Goosebumps"-Verfilmung ansehe, dann würde ich am liebsten doch noch auf den deutschen Titel zurückgreifen...

Fazit: Blut, Humor, klassischen Horrorfilmen respektvoll gehuldigt - "Waxwork" persifliert episodisch und erfolgreich das Genre, ohne selbst ein Weichling zu werden. Heutzutage undenkbar, in den 80ern machbar und gerne gesehen. "Waxwork" mit grimmiger Miene zu gucken, ist mir unmöglich. Ein großer Spaß und ein feiner Vorläufer im Geiste von "Cabin in The Woods" bis "The Final Girls". Nur mit mehr rotem Lebenssaft. Viel mehr.

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