Hin und wieder kommt es einfach vor, das man beim Filmkauf einer Eingebung folgt und einfach zugreift ohne auch nur das geringste über den ausgewählten Film zu wissen. Sei es durch ein ansprechendes Cover-Art, den Titel oder einfach nur aus einer Laune heraus. Und glaubt mir wenn ich sage: "Ich hab schon ne ganze Menge Scheiße gekauft!" Aber diesmal habe ich mal richtiges Gespür bewiesen und einen nicht zu unterschätzenden Film aus dem Regal gepickt.
Dabei hat Menhaj Huda Erstling Kidulthood mittlerweile auch schon gut zwei Jahre auf dem Buckel und sogar schon einen Nachfolger Adulthood spendiert bekommen (der auch hier in Kürze noch ein Review erhält), ist aber trotzdem unter meinem Film-Radar durchgeschlüpft. Obwohl für einen Erstling hier so einiges geboten wird.
Worum gehts bei Kidulthood? Am einfachsten ließe sich wohl ein Vergleich zu Larry Clarks umstrittenen Film Kids ziehen, der das Leben einer Bande Jugendlichen in New York quasi-dokumentiert und einen nur sehr kurzen Ausriß deren Lebens zeigt. Genau so geht auch Kidulthood vor. Nur wurde hier das New Yorker Setting gegen London getauscht. Die Probleme sind jedoch ein wenig anders und man hat im Gegensatz zu Clarks Doku-Stil dem Ganzen eine gewisse Dramaturgie verpasst, die schon eher als "Film-mit Geschichte" durchgeht.
Konzentrieren tut sich der Film auf eine Gruppe Jugendlicher, ohne Zukunft und Perspektive, die ihr Dasein mit kriminellen Aktivitäten, Drogen und Party verschwenden. Laut Stimmen aus dem wirklichen Problemkreis Londonder Jugendlicher trifft der Film die Atmosphäre in den "Ghettos" dort, ziemlich genau. 24 Stunden begleitet man als passiver Zuschauer die Jugendlichen mit ihren Problemen und wird gleich in deren Welt eingesogen.
Gewalt, Sex, Drogen, Schwangerschaft, Liebe. Huda fährt das gesamte Spektrum auf und weiß fast immer wie und womit er den Zuschauer treffen kann. Die Bildsprache wurde schön an die Atmosphähre angepasst. Meist graue, schon fast blasse und nüchterne Bilder werden präsentiert. Mitunter auch einige eindrucksvolle Aufnahmen der Londoner Stadtwelt. Das hilft ungemein die trostlose Stimmung rüberzubringen, die fast sichtbar über der Stadt zu schweben scheint.
Aber auch mit seinen Schauspielern die bis auf einige Ausnahmen, fast nur aus Newcomern bestehen, hat Huda das richtige Händchen erwiesen. Die gehen nämlich förmlich in Ihren Rollen auf und könnten schon fast einer solchen Welt entsprungen sein.
Leider und das ist auch fast das größte Manko, werden so einige Klischees bedient, die man aus einer solchen Art Film schon zur Genüge gesehen hat. Von den typischen Hip-Hop Beats bis hin zum Verbrecher-Onkel der natürlich stolz auf seinen monstermäßigen Flachbildfernseher ist. Da hatte Larry Clark mit seiner realistischeren Herangehensweise schon mehr Glück gehabt.
Aber auch dieses Manko verzeiht man Kidulthood auf Grund seiner packenden Story, schönen Aufmachung und guten Schauspielern schnell. Wer die DVD bei seinem lokalen DVD-Dealer oder in seiner Videothek stehen sieht, kann guten Gewissens zugreifen. Vor allem für Fans von Filmen wie Kids, Boys 'n' the Hood, Menace to Society u.ä. Werken wird der Film viel Spass machen.