Bereits zu Beginn seiner Karriere schuf Dario Argento die so genannte Tiertrilogie, doch noch einflussreicher war seine Mütter-Trilogie, die nach „Suspiria“ und „Inferno“ nun mit „La terza madre“ ihr Ende findet.
Die Kenntnis der Vorgänger vereinfacht das Verständnis des dritten Mütter-Films, ist aber nicht obligatorisch, da „La terza madre“ im Verlaufe der Handlung noch berichtet, was dort geschah. Den Auftakt bildet der Fund eines alten Sargs, an den eine Kiste gekettet ist. Diese wiederum erhält Artefakte der drei Mütter, die ein Padre an einen Experten zwecks Untersuchung schickt. So weit, so unoriginell also der Auftakt, dem man leider direkt auch das extrem schmale Budget ansieht, mit dem Argento hier auskommen musste.
Da der Experte außer Haus ist und seine Assistentinnen neugierig, öffnen sie die Kiste natürlich selbst und lesen die Anweisungen nicht, womit dann das Böse in die Welt kommt und Assistentin Nr. 1 direkt auf übelste Weise verhackstückt. Assistentin Nr. 2, Sarah Mandy (Asia Argento) entkommt den Monstren gerade noch knapp. Da wähnt man sich als Zuschauer direkt in einem Film der Kategorie „Wishmaster“-Sequel Nr. 57, denn plumper geht auch mancher C-Horror-Schrott nicht zu Werke.
Jedoch sind die Häscher der dritten Mutter, der Mutter der Tränen, auf den Fersen von Sarah. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, was geschieht, während die letzte überlebende Hexe aus dem Mutterzirkel ihre Macht ausbaut...
Rein filmisch ist „La terza madre“ schon enttäuschend, als Argento-Werk erst recht und als verspäteter Abschluss seiner Opus Magnum eine ziemliche Katastrophe. Kaum zu glauben, dass er diesen Schnellschuss noch veröffentlichte, denn es mangelt „La terza madre“ quasi an jeglichen Qualitäten, die Argentos frühere Werke auszeichneten. Das Ergebnis hätte fast jeder direct to video Filmer ähnlich hinbekommen, sodass viele Selbstzitate Argentos nur peinlich wirken. Vor allem wenn er im Finale eine Variante der Madenpoolszene aus „Phenomena“ ausgräbt, die jedoch nur gestellt und unfreiwillig komisch wirkt.
Das Fehlen von Argentos Bildsprache ist schon erstaunlich, da er mit „Inferno“ sich ja bereits von narrativen Konzepten entfernte und fast rein auf Bilder setzte. „La terza madre“ hingegen ist sehr auf seine Geschichte fixiert – leider taugt diese fast nichts. Sie wirkt wie eine mit Gewalt aufgemotzte Variante von „Die neun Pforten“, nun ohne dessen Spannung oder Stil. Sarah läuft von A nach B, sammelt Hinweise und mit monotoner Regelmäßigkeit müssen sämtliche ihre Freunde und Helfer den Löffel auf blutigste Weise abgeben. Das Ganze serviert Argento auch noch komplett spannungsfrei, von Plottwists nichts zu merken. Peinlich z.B. die Tatsache, dass er mit Akribie das Gesicht der dritten Mutter nie zeigt (man fürchtet schon, die Heldin findet am Ende heraus, dass sie selbst die Tränenmutter ist), nur um am Schluss zu enthüllen, dass man die Frau eh noch nie gesehen hat.
Zwischendrin versucht „La terza madre“ seine dünne Geschichte immer wieder mit Gewalt- und Splatterszenen zu übertünchen, doch auch diese laufen ins Leere. Waren solche Momente in früheren Argentofilmen wohlplatzierte Schocks, so sind sie hier stillos eingestreute Exzesse, die noch nicht mal besonders toll getrickst sind. Zudem sind viele der Morde kaum aus der Handlung motiviert und bewegen sich am Rande des guten Geschmacks (z.B. die drei Kindstötungen, von denen kaum eine was zur Geschichte beiträgt). Noch schlechter sind allerdings die CGI-Effekte, für die sich andere Filmemacher bereits vor 10 Jahren geschämt hätten; vor allem die FX gegen Ende des Films hätte fast jede B-Klitsche besser getrickst.
Nur in wenigen Einzelmomenten kann „La terza madre“ wirklich Qualitäten beweisen. Ein, zwei wirklich sitzende Schockmomente besitzt der Film und gelegentlich packt Argento sein Gespür für Bilder doch noch aus (z.B. wenn die Legende von der Reise eines Mönchs mit Buchzeichnungen unterlegt ist). Claudio Simonetti steuert mal wieder die Musik bei; ist zwar nicht so gut wie bei früheren Kooperationen, aber doch kann man kaum meckern. Vor allem die den Abspann unterlegende Kombination von Simonettis Musik mit Vocals von Cradle of Filth Sänger Dani Filth hat wenigstens etwas von der musikalischen Extravaganz früherer Argentos.
Asia Argento spielt unfassbar lustlos und schlecht in der Hauptrolle, als habe sie aus Pflichtgefühl den Film gedreht, aber schon gemerkt, in was für Murks sie mitspielt. Auch Udo Kier scheint mit seiner grottigen Gastrolle die Farce ausstellen zu wollen, denn er spricht Englisch mit einem so üblen deutschen Akzent, wie er ihn sonst nicht hat. Leider fügt sich der Rest der schwach spielenden Darsteller in diese maue Bild passend ein.
Einen derartigen Abschluss hat die Mütter-Trilogie wirklich nicht verdient und es bleibt die Frage, ob Dario Argento wirklich ernsthaft hinter diesem Werk steht. Schlecht getrickst, schlecht gespielt und schlecht geschrieben; zudem kommt nur in ganz wenigen Momenten ein Argento-Flair auf. Passt als direct to video Sequelschrott wunderbar in die Videothekenregale zwischen die x-te Fortsetzung von „Wishmaster“ und „God’s Army“, als Abschluss von Argentos Opus Magnum schlichtweg eine Frechheit.