Review

Die Archäologin Sarah Mandy (Asia Argento) findet bei Ausgrabungen eine uralte Urne, eine Reliquie, die bei ihrer Öffnung grausame Macht freigibt. Nachdem ihre Assistentin von 3 Gestalten grausam ermordet wird bahnt sich eine Massenhysterie in Rom an. Die Menschen wirken wie unter Hypnose, als ständen sie unter böser Manipulation einer höheren teuflischen Macht. Selbstmord und andere Gräultaten sind die Folge, bis Sarah Mandy herausfinden muss, das sie die vermeintliche Erbin einer uralten Macht ist, sie die Macht hat, die letzte der drei Müttern zu töten.

Wahrlich zwiespältig offenbart sich uns der vermeintlich letzte Teil von Dario Argentos Mutter Trilogie und wahrlich zwiespältig ist auch die ganze Vorgehensweise und alle jene Hintergründe unter welchen Umständen dieser Abschluss dieser sogenannten Trilogie erschien. Zwiespältig ist vorallem, dass Dario Argento sich dieses Ziel, das Beenden dieser Trilogie, erst 27 Jahre nach seinem zweiten Teil Horror Infernal (1980) vors Auge nahm. Und genauso zwiespältig geht man auch an jenen Film heran, vorallem wenn man bedenkt, das Argentos kreative und filmische Ergüsse in den letzten Jahren immer mehr von seiner alten Stärke verloren und er sich immer mehr den Sehgewohnheiten eines vermeintlich stupideren Publikums, dem amerikanischen Kinos hingab und diverse Anleihen in seinen Filmen zelebrierte. Schlusslicht seiner Innovationslosigkeit ist hier mit Abstand sein Abschluss seiner einstigen Trilogie, die durch Suspiria (1977) und Horror Infernal (1980) solch alptraumhafte, künstlerische und labyrinthartige Filme darstellte. Da tun sich Abgründe auf, die einen solchen unantastbaren Argento als vermeintlicher Einfältling darstehen lassen, aber unter solchen Umständen, 27 Jahre nach dem zweiten Teil, so will man es auch akzeptieren, ist eine nahtlose Weiterführung dieser Trilogie gar nicht möglich. Jahre, in denen sich Argento, in vieler Hinsicht negativ gewandelt, von mir aus auch in vieler Hinsicht weiterentwickelt hat, aber eben auch viele Jahre, in denen seinen Inszenierungen sich immer fortan von seinen Meisterwerken Suspiria (1977) , Phenomena (1985), Horror Infernal (1980) wegentwickelt haben. Waren jüngere Filme wie Aura - Trauma (1993) und The Stendal Syndrome (1996) noch künstlerisch Argentotypisch angehauchte Filme, so mussten wir aber feststellen, dass sich Argento schon hier von seiner einstigen Kreativität und vorallem dem europäischen bzw. italienischen Kino abwandte und er sich immer mehr amerikanischen Sehgewohnheiten unterwarf. Ein Unterfangen, dass man zu akzeptieren wusste, in Angesicht seiner neueren Filme kein Problem, da sie in keinster Verbindung zu diesen Werken standen. So prangert sich bei Mother of Tears aber dieses grundlegende Problem dar, steht dieser vermeintlich dritte Teil in Verbindung mit seinen alten Werken, die grundlegend schematisch, filmtechnisch und auch iszenatorisch ein Quantensprung zu dem sind, was sich uns in Mother of Tears offenbart. Ein Film, der konsequent versucht, die Erfolgsspur von jenen Filmen weiterzufahren, aber sich eben grundlegend in Banalität und Mittelmaß versinkt. Wie ein einstiger Reviewverfasser schrieb, demaskiert sich Argento hier in diesem Werk tadellos, präsentiert uns eine vollkommen hanebüchene und zum teil unausgegorene Story, die mit seinen einstigen künstlerischen Vorgängern kaum noch was zu tun hat. So versinkt sich Argento in teilweise desaströs peinlich klischeebehafteten Charakteren, vorzugsweise deren der Hexen, aber auch Asia Argento als Protagonistin und vermeintliche Antiheldin, die Tochter derer die in Suspiria die Hexe unterwarf, nervt mit stellenweise peinlicher Schauspielerei, eben ihr debiler und schwacher Charakter steht im vollkommenen Gegensatz zu dem, was die tapfere Mütter in Suspiria darstellte. Trotzalledem, Asia Argento is hier immer noch die beste aller Darsteller, ihre Präsens ist immens, vorallem weil ihr Vater Dario Argento, ihr schon so viele Hauptrollen in seinen Filmen vergab. Aber eben auch ein Eigentor für ihn, sofern man denn grundlegend von ihr abgeneigt sein sollte. Wie schon angesprochen verfällt der Film in peinlichen Charakteren, vorallem die Mutter der Tränen, diese sogenannte dritte böse Hexe, die für alle jene Aufstände in Rom verantwortlich sein soll, präsentiert sich uns als völlig unscheinbare und austauschbare Frau, vorzüglich spärlich bekleidet, die in all ihrer Präsens, mehr Trash als Ernsthaftigkeit verbreitet. Ähnlich innovationslos und fast schon frech ist das Finale, die Zerstörung der vermeintlichen Hexe ist in seiner Einfältigkeit schon nahezu eine Frechheit, wenn wir aber an Suspiria denken, der so auch nahezu ideenlos daherkam, eigentlich weniger zu bemängeln, scheint dieser Abschnitt eines Filmes, nicht Argentos Stärke zu sein. Zwischenabschnittlich ist aber der Unterschied zu jenem Film eine Welt, eben jene 27 Jahre die alles grundlegend veränderten. Hinfort von experimentaler und alptraumhaft bunter Optik zu billiger und uninspirierter TV-Optik, die seinem Film das Prädikat "von der Stange" verleiht. Hinfort von ästhetischen und beklemmend schönen Morden zu missinterpretierte und eben vollkommen belanglose Gewaltakte. Argentos Kreativität scheint ausgereizt und das macht sich spätestens, wenn auch früher schon Schritt für Schritt bemerkbar. Trotzdem hat der Film, aus eigenständiger Sicht, und unter gewisser Wehmut doch noch so seine positiven Reize. Im Abschluss, wird Phenomena gefröhnt, das vermeintliche Leichen und Madenbad verfehtl auch hier nicht seine Wirkung und etliche Ansätze von Atmosphäre sind vorhanden, schlussfolgernd wohl viel mehr durch Score als durch beklemmendes Geschehen.

Fazit:
Gelten Suspiria und eben auch Horror Infernal als visuelle Alptraumwerke eines begnadeten Regisseurs, so verleiht sich Argento mit seinem The Mother of tears ein pralles Eigentor, mit dem er sein Werk, vorallem das der Mütter Trilogie vollkommen banalisiert. Sein überdimensionaler Surrealismus und diese beklemmende Atmosphäre, die er einst versprühte werden eingetauscht in uninspierter TV - Pseudogrusel und billigsten CGI Gewaltakten, die so in ihrer Form gar nicht schockieren.

The Mother of Tears, ein Film, mit dem sich ein Kreis schliesst und mit dem sich Argento, wir wollen es hoffen, sich vom Film verabschiedet, bevor er sein Denkmal als unerreichter Cineast noch mehr zerstört.

5/10

unter Ansicht als eigenständiger Film +1-2 Punkte
als dritter Teil der Müttertrilogie eher 3/10

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