Nach dem weltweit Fans zu Beigeisterungsstürmen hinreißenden "Suspiria" und dem ebendo mysteriös und farbenfroh daherkommenden "Inferno" beendete Dario Argento mit "Mother of Tears" seine Mütter-Trilogie, glücklicherweise MIT der Beteiligung seiner ehemaligen Lebensgefährtin Daria Nicolodi und mit der gemeinsamen Tochter Asia Argento.
Herausgekommen ist - natürlich - kein weiteres Meisterwerk, zumindest was den Stil der ersten beiden Teile angeht, sondern ein atmosphärischer und gut gemachter Okkult-Slasher, der auch so seinen Mitstreitern einiges voraus hat.
Die Handlung ist wie so oft bei Dario Argento nicht der eigentliche Träger des Films - nur dieses Mal bietet er stattdessen nicht eine ausgefeilte Kamera- und Farbdramaturgie sondern sitzt etwas zwischen den Stühlen.
Überwog gerade bei den Filmen über die drei Mütter die visuelle Umsetzung auf höchstem Niveau, war es doch lange Zeit das Markenzeichen des italienischen Regisseurs, daß er Stil und Form über den Inhalt setzte. In den letzten Jahren scheint ihm dies nicht mehr so ganz zu gelingen und so wurde aus dem lange erwarteten Abschluß seiner Okkult-Trilogie ein Film, der auf den ganz gewöhnlichen Pfaden des Filmemachens tritt.
Will heißen, dieses Mal stellt Argento zwar auch ein paar Spielereien wie ein oder zwei typische Kamerafahrten und Einstellungen dar, jedoch muß sich "Mother of Tears" ganz auf seine Geschichte verlassen und die ist nun mal nicht sonderlich komplex. Das mag auch der Grund sein, warum der Film selbst bei eingefleischten Fans nicht sonderlich gut weggekommen ist.
Doch in meinen Augen ist auch ein Dario Argento mit der Zeit gegangen und erzählt nun seine Story, die auch ein würdiger Abschluß der Trilogie geworden ist, aus filmischer Sicht recht konventionell.
Da wird der Hauptperson auf Schritt und Tritt gefolgt, es gibt jede Menge Einstellungen der verwinkelten Wohnungen, Gassen, Straßen und diverser anderer Plätze im guten alten Rom und Argento schafft es sogar, den belebten Bahnhof der Stadt richtig unheimlich wirken zu lassen.
Auch die Spurensuche in unterirdischen Katakomben, Auftritte von grell geschminkten Hexen und ein Besuch im Kloster von Udo Kier (der nur einen sehr charismatischen Kurzauftritt hat und alsbald auch ziemlich aprupt aus der Handlung getilgt wird) ist gruselig gefilmt und spannend inszeniert, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Atmosphäre gelegt wird, denn diese steht derer in "Suspiria" und "Inferno" wirklich in nichts nach auch wenn alles nun ein bißchen moderner und heller ist aber schließlich haben wir ja nun 2007 und nicht mehr 1977 oder 1980!
Scjauspielergetrieben ist "Mother of Tears" nun ja nicht und darum kann man wieder einmal feststellen, daß Argentos Tochter Asia komplett ohne ein fein nuanciertes Spiel eine Hauptrolle ausfüllen kann - ihre Darstellung wirkt wie immer ziemlich hau-ruck-mäßig und unsensibel und auch Daria Nicolodis Kurzauftritt als Mutter ihrer echten Tochter(!), welcher sozusagen den Bogen zum ersten Teil spannt ist reichlich undankbar und wirkt sogar schon deplaziert.
Die titelgebende Mutter ist eine echte Lachnummer und im Finale geht dem Film leider etwas die Puste aus oder warum wird den ganzen Film über auf die Fähigkeiten der guten Asia-Figur, welche sie von ihrer Mutter, einer weißen Hexe geerbt hat, eingegangen und sie setzt etwas ein, waß wirklich jeder gekonnt hat, um die Konfrontation zu beenden?
Das weiß wohl nur einer der drei genannten Autoren des Drehbuches und so verkommt das Ende dann leider zu einer herben Enttäuschung - allerdings waren auch da schon die Vorgänger nicht mit Innovation gesegnet!
Erwähnenswert bleiben noch die beinharten Splatter-Effekte - hier setzt Lieferant Sergio Stivaletti deutlich mehr ein als bisher in einem Dario-Argento-Film, da wird mit den eigenen Gedärmen erwürgt, Augen ausgestochen, Münder gesprengt und in einer besonders fiesen Sequenz sogar eine Aufspießung am Boden vorgenommen! Zumindest in diesem Punkt hat "Mother of Tears" gegenüber seinen beiden Vorgängern einen deutlichen Vorsprung vorzuweisen!!!
Unterm Strich bleibt ein höllisch unterhaltsamer, spannender und stellenweise ultraharter Okkult-Horror mit einer zwar recht konventionellen Erzählweise aber einer punktgenauen und atmosphärischen Inszenierung und einem zufriedenstellenden Abschluß der drei Mütter Storyline! Empfehlung!