kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 11.07.2012
Das größte Missverständnis dieses Abschlusses der "Mütter-Trilogie" - abgesehen davon, dass sie viel zu spät kommt, weil Argento sein Talent längst verloren hat - liegt darin, bei geringem Budget Rom als Schauplatz einer Apokalypse inszenieren zu wollen. Die italienische Hauptstadt wird immer wieder in Panoramaansicht gezeigt, doch trotz grauen Himmels und dem Flackern von Feuern wirkt die Ansicht seltsam friedlich und leer - gar nicht wie der Weltuntergang.
Das Verstecken ist nicht so die Sache von Mater Lachrymarum und ihrer Gefolgschaft. Wie eine pöbelnde Bande streifen die Abgesandten durch Geschäfte und U-Bahnen. In jedem erdenklichen Sinne nabelt sich "Mother Of Tears" von den zeitlich ohnehin weit entfernten Vorgängern ab und steht so isoliert da.
Argento hat also ein mehrfaches Glaubwürdigkeitsproblem, dem er allerdings mit offenem Visier entgegnet. Weil er nichts zu verlieren hat, legt er eine exploitative Arbeitsweise an den Tag und kommt so wider Erwarten doch noch zu einigen wenigen starken Momenten. Die frühere Arbeitsweise des Altmeisters lässt sich zumindest hin und wieder phantomhaft erahnen, wenn er einzelne Szenen ins Groteske übersteigert, ohne dass man den Verlauf der Geschichte hätte vorhersagen können. Selbst durch die grundsätzlich eher biedere TV-Optik schlagen hin und wieder die alten Farbcodes durch, wiederum neu interpretiert und mit eigentümlicher Wirkung, als habe Rom sein eigenes Anrecht darauf, eine besondere Position in der Trilogie einzunehmen.
Die hysterische Inszenierungsart spuckt natürlich nicht nur glückliche Zufallsprodukte aus, sondern auch fragwürdige Einfälle und Geschmacksverirrungen (Geistererscheinungen, Unsichtbarkeitseffekte oder auch die Selbstzweckhaftigkeit vieler Splatterszenen), doch angesichts der Möglichkeiten, die Argento hatte, macht er fast noch das Beste aus seiner nicht zu bewältigenden Aufgabe, die "Mütter"-Trilogie befriedigend abzuschließen: Er kennzeichnet mit ironischem Augenzwinkern, dass er dazu nicht mehr in der Lage ist.
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